Online Logbuch    

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04.09.2020, 12:45

MEISTENS KOMMT ES ANDERS

UND ANDERS ALS MAN DENKT… Nix mehr segeln dieses Jahr. Die Knie-OP hatte ich ja gut überstanden und es ging von der Bewegung her nur in eine Richtung – aufwärts. Gestern vor 2 Wochen lauf ich abends zu Hause die Treppe runter, letzte Stufe, es kracht im Knie, kurzer stechender Schmerz und völlige Instabilität. Aua…
Nächsten Morgen in die Klinik zum Nachsehen. Die machen ein Röntgenbild und schau mal einer an: Die Kniescheibe in 3 Teile zerbrochen. Keiner der Ärzte hat eine Erklärung, wie sowas passiert. Ich auch nicht. Okay, soweit so gut. Die wollen mich gleich operieren und ich werde zur OP vorbereitet. Dann wird nachmittags entschieden doch nicht zu operieren, wir brauchen ein neues Ersatzteil und das ist nicht vorrätig. Also bestellen und warten bis Dienstag. OP läuft gut, aber dann kommt das Arztgespräch. The worst case: Knie mindestens 6 Wochen nicht belasten, Knieschiene, um das Beugen zu verhindern, danach langsam wieder belasten lernen und dann wieder 3 Wochen Reha. Kacke verdammte alte… Was hab ich denn bloß ausgefressen?
Damit sind alle Törns für dieses Jahr passé. Das ist das schlimmste Jahr seit ich denken kann. Erst diese Corona-Kacke und jetzt das. Ich bin so unsagbar traurig, nicht nur dass ich nicht aufs Schiff kann, sondern auch, dass mich die Situation mit den ausgefallenen Törns jede Menge Geld kostet. So war das nicht geplant. Ich könnte kotzen, wenn ich daran denke.
Am Boot müsste was gemacht werden und ich kann nicht weg hier. Quasi noch 1 Woche ans Bett gefesselt und danach geht auch nix.
Meine Süße kümmert sich zwar sehr gut um mich, aber dieses traurige Gefühl, nicht handeln zu können macht mich krank.

Redakteur

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25.07.2020, 10:50

noch 6 Wochen

Noch 6 Wochen. Dann bin ich wieder auf dem Schiff. Eigentlich könnt ich mich freuen, aber irgendwie auch nicht. Es macht schon einen Unterschied, ob man sein Schiff für eine ganze Saison oder nur für 6 Wochen segelfertig macht. D. h. wenn in 6 Wochen die Segel drauf sind, kommen sie 6 Wochen später wieder runter und die BEFANA muss wieder in den Winterschlaf. Irgendwie ein komisches Gefühl.
Doch ich werde die 6 Wochen auf meinem Schiff genießen. Die griechische Kultur und die Leute dort. Gott sei Dank gehört Griechenland nicht zu den Corona-Hotspots. So können wir ganz beruhigt dort hinfahren. Es wird zwar in den Geschäften eine Maskenpflicht geben, aber wir haben uns ja hier schon dran gewöhnen können.
In der ersten Woche kommen meine beiden Jungs mit und helfen ihrem alten Vatter beim Segel aufriggen und das Schiff segelfertig zu machen. Ich hoffe, wir schaffen das in einem Tag, denn dann können wir noch ein paar Tage Urlaub machen. Darauf freue ich mich. Sehe ich doch meine Jungs hier nicht all zu oft.
Motorwartung ist beauftragt. D. h. die Griechen machen einen Ölwechsel, tauschen den Impeller für die Wasserpumpe und die Öl- und Spritfilter. Somit ist die BEFANA wieder in einem technisch guten Zustand. Und hoffentlich haben die Akkus die lange Ladeabstinenz gut verkraftet. Nicht auszudenken, wenn die das nicht überlebt haben. Sollte aber gut gegangen sein. Wir werden sehen.
Dann Betten frisch machen und das Boot putzen und noch eine Opferanode am Antrieb erneuern. Dann kann’s los gehen.
Blaues Wasser, herrliche Buchten, gutes Essen, guter Wein und nen Ouzo als Abschluss. Ich kann das Meer schon riechen.

Redakteur

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14.06.2020, 12:57

nach 2 Wochen Reha-Klinik...

Nach 2 Wochen in der Reha geht´s meinem Knie richtig gut. Keine Schmerzen, laufen funktioniert gut und ich bin froh, ab nächste Woche wieder arbeiten zu können. Wenn ich auch noch mit Gehhilfen arbeiten muss, aber bis nächste Woche wird das schon werden und ich kann die Dinger wegstellen.
Lustige Truppe hier in der Hirschpark Klinik, aber die Wochenenden sind extrem langweilig. Kein Besuch ist erlaubt und rausgehen aus dem Klinikgelände auch nicht. Also bleibt nur der tägliche Gang zur Raucherecke und da wird einem echt was geboten.
Ich dachte ja schon, ich kenn alle blöden Sprüche dieser Welt, aber was hier abgeht ist nicht zu glauben. Ich hab manchmal Muskelkater vom Lachen und das ist gut so, da vergeht die Zeit etwas schneller. Na die eine Woche werde ich noch aushalten. Dann geht´s wieder nach Hause.
Dann muss ich mich endlich mal um die Flüge nach Preveza kümmern. BEFANA wackelt offensichtlich schon mit dem Mast und kann es kaum erwarten ins Wasser zu kommen. Der Lady geht´s wie mir. Und ich freu mir ein Loch in Bauch, Anfang September wieder auf meinem Schiff zu sein. Meine griechischen Freunde wieder zu treffen und die Segel der BEFANA in dem Himmel zu ziehen.
Die ersten und gleichzeitig letzten Törns der 2020er Saison sind gut gebucht, wenn zwar noch nicht ausgebucht, aber immerhin. Und wenn alle Stricke reißen, segle ich mit meinem Schätzchen eben ein paar Tage einhand durch das Ionische Meer.



Redakteur

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05.05.2020, 12:15

Es geht wieder langsam los

Es gibt Neuigkeiten bei den Seglern. In Italien und in Griechenland werden die Ausgangsbeschränkungen so langsam gelockert. Noch nicht ganz, aber Schritt für Schritt wird den Yachthäfen und den Menschen rund um die Segelei wieder Leben eingehaucht. Na das wird aber jetzt auch Zeit. Bis sich jedoch alles wieder „normal“ anfühlt, kann noch etwas dauern.
Mit tun die Menschen leid, die in der Charterbranche ihr Geld verdienen und dass eben derzeit der ganze Laden am Boden liegt. Das hat zur Folge, dass die Leute, die Ihre Yacht mit einem Charter-Finanzierungsmodell gekauft haben, richtig ins Klo gegriffen haben. Denn wenn keiner chartert, fließt auch kein Geld, aber die Kosten laufen weiter. Und die sind in der Regel schon ziemlich hoch. Ein Jahresliegeplatz auf Elba kostet mit allem Drum und Dran ca. 10.000 Euro für eine 14-Meter-Yacht. Dazu kommen die Wartungs- und Betreuungskosten und gegebenenfalls noch die Finanzierung. Die Leute, die das aus der Portokasse zahlen, sind in der Minderheit. Da haben wir es mit unserem Liegeplatz in Griechenland ja noch einigermaßen gut getroffen. Der wird uns sicher nicht das Genick brechen und die Griechen haben ein Auge auf das Schiff. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich, dass es BEFANA gut geht.

Dass ich kurzfristig wieder einen Flug nach Preveza bekomme steht in den Sternen. Aber ab August wird das wohl wieder gehen, so wie ich das in der Mail von der Marina verstanden habe. Das wäre gut, denn ich hab am Schiff noch ein bisschen was zu arbeiten. Antifouling streichen, das Großsegel muss zum Segelmacher und dann müssen die Tücher wieder in dem Mast hoch. Wie es im Boot aussieht weiß ich im Moment nicht. Kommt ja keiner rein.

Ölwechsel und Impellerwechsel steht noch auf dem Plan. Das lass ich aber machen. Dann muss die BEFANA wieder kompletto geputzt werden und dann geht´s hoffentlich bald wieder ins Wasser. Ich hab schon Entzugserscheinungen.

Hier in Iwwero ist alles im Lot. Der Flur-Treppen-Küchenumbau ist im Gange und es gibt Fortschritte. Diese Woche ist der Fliesenleger fertig geworden. Jetzt kann es ans Tapezieren und streichen gehen. Das wird ein spannender Herbst.

März, April, Mai 2020… bitte aus dem Kalender streichen. Das braucht kein Mensch.


Redakteur

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23.03.2020, 10:12

Die Welt steht still

So, jetzt sind erst mal alle Törns bis einschließlich Juni auf Eis gelegt. Nichts geht mehr und das fast auf der ganzen Welt.

Jedenfalls nicht beim Segeln. Keine Häfen dürfen angelaufen werden, nur wenige Häfen dürfen verlassen werden und wenn doch irgendwo eine Yacht einläuft, muss die Crew 14 Tage in Quarantäne.
Worst Case für die gesamte Branche. Nicht nur für die Vercharterer, auch für uns, die wir Törns organisieren, Kurse abhalten und so weiter. Von der Gastronomie vor Ort ganz zu schweigen. Ich verfolge die Blogs der griechischen Touristenvereinigungen und die der Touristenbranche in Italien. Ein Horrorszenario, wie es noch nie da war.
Da viele Leute jetzt eher zurückhaltend sind, was die Törnbuchungen und die Kurse angeht, merke ich das in meinem kleinen Unternehmen schließlich auch. Ich hoffe sehr, dass sich das in nicht allzu ferner Zukunft wieder etwas neutralisiert und wir wieder unbeschwert segeln gehen können.
In diesem Sinne: Bleibt alle schön gesund, wascht ordentlich und regelmäßig Eure Hände und bleibt erst mal zu Hause. Wir machen es genauso.

Redakteur

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16.03.2020, 13:45

Es ist Frühling

So, der Sturm Sabine ist ja bekanntlich nun nicht so schlimm gewesen und heute scheint sogar die Sonne und es ist mild draußen. Aber da kommt schon die nächste Hiobsbotschaft in Form eines kleinen Virus´, namens Corona und zack – das öffentliche Leben ist zu Ende. Italien riegelt sich ab und mein Elba Törn steht auf der Kippe. Das Wetterseminar kann ich wohl auch abblasen bei den Groß-Zimmernern und die Iwweroer Bühne sowieso.
Was ist denn hier nur los? Ich mach mir echt Sorgen um die Weltwirtschaft. Wenn sich nicht bald etwas verändert, wird es die Tourismusbranche und alles was damit zusammenhängt am härtesten treffen. Naja, wollen mal abwarten, was noch so passiert in den nächsten Tagen und Wochen.
Mir war immer bewusst, dass es auf dem Meer draußen keinerlei Viren gibt, also was liegt da näher, als auf dem Schiff zu wohnen? Aber erst mal hinkommen… Auch in den sozialen Netzwerken der Karibik, Kroatiens und Griechenlands sind Blogeinträge über das Virus zu lesen. Man kann nur hoffen, dass sich das im Laufe des Frühjahrs neutralisieren wird und den Herbst-Törns steht dann hoffentlich nichts im Wege.
In der Zwischenzeit kann’s hier zu Hause weitergehen. Umbau, Garten, Knie-OP, usw. Es gibt einiges zu erledigen und das ist gut so. Ich habe gar keine Zeit, mich mit dem Bazillus zu beschäftigen, der die Welt in Atem hält.
Tja, sonst gibt’s erst mal nichts Neues. BEFANA steht in Griechenland und wartet auf mich und meine Gäste. Na, da bin ich mal gespannt, wie das mit der Fliegerei funktioniert. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit.

Redakteur

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07.02.2020, 11:30

Immer noch zu Hause

Gestern war Stammtisch bei de Doris hier in Iwwero. Ich hatte eingeladen, um ein bisschen über das Segeln zu plaudern. Und siehe da – 14 Leute sind gekommen. Was mich am meisten gefreut hat, dass Thomas und Christine da waren – und die Georgenhäuser Truppe mit Manfred, Georg und Jürgen.
Ich glaube, so einen Stammtisch müssen wir öfter machen. Das hat richtig Spaß gemacht und Thomas meint das auch.
Es ist zwar nicht langweilig im Moment hier zu Hause, denn unser Haus-Projekt mit dem Küchenumbau und den Wänden und Decken, hält mich vom Nachdenken über andere Dinge ab. Zwischendurch kribbelt es aber doch und irgendwie fehlt mir die Salzluft. Mann, ich muss wieder raus. Segeln!
Mein Freund Thomas hat letztes Jahr eine One-Man-Show auf der Ostsee hingelegt. Einhand mit einer Bavaria 36. Ich bin dann mal ganz schön neidisch auf den Jungen. Das hat er super gemacht, soweit ich das seinem Reisebericht entnehmen konnte. Jetzt hat er mich doch echt zum Nachdenken gebracht, ob ich die BEFANA nicht mal in die Ostsee verlegen soll. Aber ich denke an den Weg zurück. Vor 2 Jahren musste die BEFANA unbedingt ins Mittelmeer und jetzt solche Gedanken. Tststs…
Aber die Ostsee ist schon ein schönes Revier. Ich war da 3 Mal bei der Hessenregatta unterwegs und das hat mir super gefallen. Polen, Russland, Litauen, Estland und nicht zuletzt Finnland würden mich schon reizen. Da oben war ich noch nie. Kalt? Die Befana hat doch ne Webasto-Heizung mit 5 KW.
Mann, wie sich eine Einstellung ändern kann. Hätte nie gedacht, dass das mal soweit kommt. Ich werde alt. Aber jetzt mal Spaß beiseite. Im Moment ist die BEFANA in Griechenland und da bleibt sie erst mal. Nur wie lange? Il Capitano wird dieses Jahr einen runden Geburtstag feiern und sicher nicht den 50. Da wird es dann schon knapp mit der Zeit. Außerdem muss ich dieses Jahr endlich mal meine beiden Kniegelenke restaurieren lassen. Teufelskreis. Ohne Sport –mehr Gewicht. Viel Gewicht – Knieschmerzen. Knieschmerzen – kein Sport. Und wieder von vorne. Kacker, verdammte, alte!!
Auf gutes Essen und Trinken verzichten? Niemals. Das Leben ist zu kurz, um schlecht zu Essen und zu trinken.
Leider sind die von mir angebotenen Mitsegeltörns in diesem Jahr nicht so gefragt, wie es scheint. Bis jetzt haben nur wenige Leute Interesse bekundet, in Griechenland segeln zu gehen. Seychellen ist den meisten wohl zu teuer. Aber ich kann es nicht ändern. Die Schiffe kosten teilweise 16.000 Euro für 4 Wochen. Wenn da nicht mindestens 4 oder 5 Leute mitsegeln, wird das nix. Naja – das Jahr ist noch jung und es kann sich noch viel ergeben. Wir werden sehen.
Elba würde ic schon auch gerne machen dieses Jahr. Wenigstens 2 Wochen. Allein schon, um meine Freunde dort zu sehen. Irgendwie ist Elba wie eine große Familie und ich bin schließlich seit weit über 10 Jahren jedes Jahr mehrere Wochen dort gewesen. Ich kenne dort jeden Stein und jede Welle mit Namen. Seekarten? Brauche ich dort nicht mehr.
Also wenn jemand Lust hat, dieses Jahr nochmal ne Woche auf Elba segeln zu gehen, jederzeit gerne.

Am kommenden Wochenende soll es ja hier richtig stürmisch werden. In unserer Region sind Windböen bis 64 Knoten angekündigt. Ich werd das mal verfolgen und wir müssen, wie sich das für gute Seemannschaft gehört, alles gut festbinden und sichern für den Sonntag. Auch auf dem Festland machen wir das. Jos, dem Hafenmeister und Betreiber der Werft in Warns, wünsche ich schon mal viele gute Nerven für den Sonntag und Montag. Hoffentlich hat er alle Schiffe an Land gut verankert. Nicht dass das dort großen Schaden gibt. Denn dort wird die Windgeschwindigkeit in Böen über 70 Knoten sein.
Jetzt warten wir schon seit Wochen auf ein Angebot vom Dachdecker, weil wir einen Marder zur Untermiete haben. Der Kerl hat seine Familie nachgeholt und räumt gefühlt jeden Morgen zwischen 04.00 und 05.00 Uhr seine Dachwohnung um. Einerseits lustig, das mit anzuhören. Andererseits zerstört das Mistvieh natürlich unsere Dachdämmung und legt Fressvorrat in Form von halbverwesten Vögeln und Mäusen in unserem Dach an. Nicht so appetitlich. Aber Christian, unser Dachdecker, hat im Moment ziemlich viel zu tun und wenn die Wetterprognosen auch tatsächlich zutreffen, wird er ab Montag noch viiieel mehr zu tun haben. Okay! Dann warten wir halt noch etwas mit der Marder-Räumungsklage.


Redakteur

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19.10.2019, 13:12

WInterpause

Endlich schreibt er wieder mal... ehrlich gesagt, ich muss mich vielmals entschuldigen, dass ich so wenig von mir hören habe lasse, in den letzten Wochen. Da haben bestimmt schon einige vermutet, ich sei abgesoffen oder so was. Nee, ich bin noch da und BEFANA ist auch noch da. Ihr geht´s gut und mir auch.
Zu meiner Entlastung muss ich sagen, dass seit der Zeit in Süditalien und bis nach Korfu, Anfang Oktober, die Hitze fast unerträglich war. Entweder werd ich doch alt jetzt, oder es war wirklich zu heiß. An Schreiben im Inneren der BEFANA war nicht zu denken. Der Schweiß rinnt einem in Strömen aus dem Kopf. Und außen im Cockpit? zu hell. Das sieht man nix im Rechner. Also hab ich das gute Stück einfach zu Hause gelassen und bin immer nur mit leichtem Handgepäck unterwegs gewesen. Das hat auch was. Schnellere Abfertigung am Flughafen und keine Warteschlangen.
So - genug entschuldigt.
Seit Ende Juli ist schon ziemlich viel passiert und wenn ich mein Logbuch nicht hätte, würde ich glatt manches vergessen.
Von den Liparischen Inseln aus sind wir wieder zurück nach Vibo Valentia gesegelt. Dort eine neue Crew bekommen. Thomas, Enno und Caro, seine Frau. 14 Tage haben wir Zeit um durch die Straße von Messina und ganz im Süden von Italien bis nach Griechenland zu segeln.
In den ersten Tagen haben wir noch ordentlich Wind und so läuft die BEFANA zur Bestform auf. Leider konnte ich mit dem Handy nur 9,4 Knoten Geschwindigkeit dokumentieren, aber die Hexe läuft weit über 10, wenn der Windeinfallswinkel und die Windstärke stimmen.
Am 03.08. kommen wir in Reggio di Calabria an. Ein Hafen, wie man ihn wirklich nicht braucht. Keine Infrastruktur. Keine Toiletten und keine Duschen. Der Hauptort mindestens 2 km weit weg. Das nächste Restaurant ebenso. Wir fragen mal bei der Capitanerie nach. Prompt empfehlen sie uns einen Taxifahrer anzurufen. Sein Name: Saverio. Aber der war doch vorhin schon am Steg?! Hat uns auf Italienisch zugetextet – wir haben nix verstanden. Den kennt hier aber offensichtlich jeder. Und Saverio ist echt der Knaller. Wir rufen an und vereinbaren einen Termin für 18 Uhr beim Hafenmeister. Wir sind pünktlich, Saverio erst mal nicht.
Also machen wir uns um 18.20 gaaanz gemütlich auf den Weg Richtung Norden. Kaum aus dem Hafengelände raus, kommt Saverio mit seinem uralten Daimler angefahren und freut sich, dass er uns antrifft. Wir verklickern ihm, dass wir zu einem Restaurant wollen, weil wir Hunger haben. Alle steigen ein und los geht´s. Die Karre bekäme hier in Deutschland keine TÜV-Plakette mehr. Innen funktioniert fast nichts aber der Benz läuft. Und er läuft gut, das beweist uns Saverio, der mit seinen mindestens 75 Jahren abgeht wie ein Irrer. Wir fahren die Landstraße Richtung Ort und er meint eine Empfehlung für ein gutes und günstiges Essen zu haben. Caro ist nicht so begeistert und auch ich bin eher nachdenklich und gespannt, was da jetzt kommt. Am Restaurant vorbeigesaust, links um die Ecke in ein Industriegebiet, um zig Kurven herum, stehen wir schließlich vor einer Wellblechhalle. Saverio steigt aus und animiert uns ebenfalls auszusteigen. Was gibt das jetzt? Entführung? Mafia? Raubüberfall? Keine Ahnung.
Saverio schiebt das große Rolltor auf und wir stehen vor einer „Werkstatt?“ An der Decke hängen alte Boote, ein Fiat Motor, Jede Menge Schrott, und am Boden stehen alte zerlegte Autos. Man hat kaum genügend Platz sich dadurch zu schlängeln. Doch am Ende der Halle ist ein – sagen wir Büro - unaufgeräumt, chaotisch, Werkzeuge und 4 oder 5 Kühlschränke. Saverio fängt an zu erzählen. Auf Italienisch erklärt er uns, dass er selbst Wein macht, Ziegenkäse, Obsthandel betreibt und vieles mehr. Früher war er Skipper, Hafenmeister, Matrose und KFZ Mechaniker…
Er öffnet eine Tür am Ende des Büros und wir schauen auf seinen Privatstrand. Feinster Sand, ein selbst gezimmerter Sonnenschutz, Einfache Stühle und Tische und einen traumhaften Blick hinüber nach Messina, der Sonnenuntergang besorgt den Rest. Ehe wir uns versehen hat jeder von uns ein Weinglas in der Hand und wir müssen probieren. Was ist das denn hier für eine Kaffeefahrt? Dann holt er noch Käse und schneidet jedem ein Probestückchen ab. Als wir ihm klar machen wollen, dass wir eigentlich essen gehen wollten und nicht einkaufen, ist er ein wenig enttäuscht und schimpft über die Touristen. Da wir jedoch 6 Flaschen Wein kaufen, beruhigt er sich wieder und bringt uns schließlich zu einem Restaurant. Der Abend wird noch ganz gemütlich und letztendlich bezahlen wir bei Saverio für die gesamte Fahrt einen 10er. Na dann war das ja doch nicht so ne Abzockerei.
Caro ist ein bisschen enttäuscht, weil sie sich die ganze Segelei wohl anders vorgestellt hat. Die Hafengebühren zu hoch, das Essen zu schlecht, die Crew nicht nach ihrem Geschmack,… ich weiß es nicht. Na ja, vielleicht spielen ihre Hormone verrückt, schließlich ist sie im 7. Monat schwanger. Sie entschließt sich übermorgen nach Hause zu fliegen. Kann ich jetzt auch nix ändern.
Der restliche Törn geht recht gemütlich ab. Zwar haben wir die ersten beiden Tage noch ordentlich Wind, sodass wir zügig segeln können, aber dann ist er weg, der Wind. Und Jöns muss uns schieben. Letzter Hafen in Italien war Santa Maria di Leuca. Von da aus geht´s mit einem 50 Meilen Schlag genau Richtung Osten auf die erste griechische Insel. Othonoi.
Der kleine Hafen Ammos ist bis auf den letzten Platz belegt und so ankern wir vor der Hafenmole. Erst hab ich ein wenig Bedenken, weil da überall Unterwasserfelsen liegen und wegen dem etwaigen Schwell. Aber alles geht gut. Der Anker hält und wir bekommen ihn am nächsten Morgen auch wieder problemlos raus, und die Nacht war relativ ruhig. Nächster Tag – auf nach Korfu. Da war ich schon häufig und ich habe vor meinen Jungs die Bucht Agni zu zeigen. Wenn wir da einen vernünftigen Ankerplatz bekämen…
Und prompt ist der Steg bei Nikolas frei. Anlegen für VIPs. Ein junger Mann hilft Leinen annehmen und gibt uns schließlich noch eine Muringleine. Sowas haben die hier? Na ja, auf die alleine will ich mich nicht verlassen. Mein Anker bleibt draußen. Zu dem Kerlchen hab ich vollstes Vertrauen.
Nikola freut sich über den Besuch und wir speisen köstliche griechische Hausmannskost. So muss das und nicht anders. Ouzo gibt´s aufs Haus.
Nachdem ich mit meiner Crew noch in Longos und Lakka war, ging es am Dienstag Richtung Gouvia. Da soll die BEFANA für 10 Tage bleiben. Der Hafen ist sehr sicher und bewacht. Ein bisschen Schiss hab ich aber dennoch wegen der Tepka Kontrollen. Das ist die griechische Steuer für Sportboote. Ich hab auf deren Homepage versucht die beiden Monate August und September zu bezahlen, aber Fehlanzeige. Die Registrierung hat nicht geklappt. Strafe bis zu 1000 Euro, wenn man erwischt wird. Naja, morgen sind wir im Hafen und da wird wohl nicht kontrolliert.
Funkspruch gegen 12 Uhr an die Marina Gouvia ob sie einen Platz für uns haben. Fehlanzeige. Alles voll. Wir sollen bis 14 Uhr ankern gehen und dann nochmal fragen. 14 Uhr nächster Funkspruch, wieder nix. Das wird mir zu blöd.
Ich rufe Andreas Doukakis von der Mandraki-Marina an und bekomme tatsächlich einen Platz für 10 Tage. Also die 5 Meilen zurück Richtung Korfu Stadt. Der Hafen Mandraki gehört einem Segelclub und bietet nicht allzu viele Liegeplätze. Es gibt Duschen, Toiletten und ein Restaurant. Na das reicht ja erst mal. Andreas ist dort der Hafenmeister, ein sehr mürrischer Typ. Nicht sehr gesprächig am Telefon. Wenn man aber mal im Hafen liegt und ihm dort begegnet, fragt er immer, ob alles okay wäre. Der Liegeplatz, der uns allerdings zugeteilt wird, ist eine kleine Katastrophe. Man muss mit dem Bug voraus anlegen, weil dort Felsen vor der Hafenmole liegen. 1,50 Meter Tiefe sind dort. Andreas bringt uns ein ca. 3 Meter langes Brett, dass wir von der BEFANA runter können. Die Hafenmole ist ziemlich schmal. Etwa 1 Meter breit und gegenüber dem Meer nur ca. 40 cm hoch. Das heißt bei 50 cm Welle kriegt man nasse Füße. Toll. Es ist ein ziemlicher Balanceakt vom Boot runter zu kommen und über die nicht sehr gerade betonierte Mole zu laufen. Man hat ständig Angst, dass man sich den Fuß verknackst. Als ich am Donnerstag nach Hause fliege muss ich die BEFANA noch alleine umlegen auf einen anderen Platz. Dieser Platz wiederum ist eine große Katastrophe. Abstand Bug zur Mole ca. 5 Meter, Abstand zu den Nachbarbooten mindestens 1 Meter. Wie soll ich da denn runterkommen. Andreas meint entweder über den Katamaran links von mir oder mit dem alten Hafendinghi, das an der Mole liegt. Kat geht nicht, weil keiner zu Hause und wie bitteschön soll ich an das Dinghi kommen, das 5 Meter von mir weg liegt? Warten und warten…. Auf einmal kommt der Nachbar vom Kat nach Hause und ich bitte ihn, mir die Leine vom Dinghi rüber zu geben. Macht er freundlicherweise und nun ziehe ich das Teil zu mir ans Heck. Kaum Luft drin und meine Pumpe passt nicht auf die Ventile. Andreas, ich könnt die in den Arsch treten. Aber irgendwie schaffe ich es mit 2 riesen Tüten Schmutzwäsche auf das Dinghi und komme auch ohne abzusaufen an Land.
Das geht nächste Woche so nicht, wenn Uwe und seine Freunde kommen. Da muss ich mit Andreas nochmal reden.
Die letzten Törns sind dran. 1 Woche Uwe und seine beiden Freunde aus Köln, dann 1 Woche Basti und Paul und dann kommt meine Süße und wir können endlich mal Urlaub machen. Was ich in den letzten Wochen rund um Korfu alles gelernt habe…. Tststs… Einmal wollte ich in den kleinen Hafen Petriti reinfahren. Hinter der Hafenmole sind etwa 20 Liegeplätze. Die ersten 7 oder 8 davon für Segelyachten, davon 5 für Reservierungen, die restlichen nicht tief genug. Ich langsam rein und seh den Hafenmeister auf seinem Roller ankommen. Der fuchtelt mit den Händen und macht mir klar, dass wenn ich nicht reserviert habe, kein Platz ist. Im Hafenhandbuch steht: Funk wird nicht benutzt, Telefon auch nicht… also wie bitteschön kann man reservieren? Da drückt mir der Cowboy ein paar Bierdeckel in die Hand, wo die Werbung einer App draufsteht. SAMMY. Weiter meint er, dass wenn ich ihm jetzt sagen würde, dass ich reserviert habe, er mir einen von den 5 freien Plätzen gibt. Der kostet dann aber 10 Euro mehr, als die anderen. Ich lasse mich auf das Spielchen ein und es funktioniert. 10 Minuten später liegen wir vor Buganker und mit Heckleinen fest an der Hafenmauer. Strom und Wasser gibt´s auch.
Wenn ich das meinen Seglerkollegen erzähle, das glaub dir keiner. Kurz vor 17 Uhr kommt der Cowboy zurück und fragt ob alles in Ordnung sei. Läuft von Yacht zu Yacht und hält Smalltalk auf seine Weise. Dann kommt er wieder zu mir und sagt doch tatsächlich auf Englisch: „You are in my harbour, you have electricity and water, so why you don´t give me a beer?“ Soll er haben. Schönen Feierabend. In den nächsten Wochen komme ich immer mal wieder zu ihm. Wir sind seit dem Freunde. Und dass in Griechenland nicht immer alles so funktioniert, wie man das von zu Hause kennt, ist klar. Aber diese SAMMY-App funktioniert 100 Prozent. Du legst einmal dein Schiff an, technische Daten und Namen und so. Dann suchst du dir eine Marina aus, gibst das Datum für Ankunft und Abreise ein und bekommst innerhalb von 3 Stunden eine Mail, ob frei ist oder nicht. Sensationell. Ich bin begeistert.
Die folgenden dreieinhalb Wochen mit Barbara waren ganz entspannt. Kurze Distanzen sind wir gesegelt, schöne Häfen und Buchten haben wir besucht. Und bis auf einen Tag hat sie das alles ohne Seekrankheit überstanden. Der Törn von Ormos Fanari nach Lefkas war dann doch etwas heftig. Aber das war auch der einzige Tag, mit Wellen.
Neues haben wir entdeckt, wie zum Beispiel Meganisi und Kastos. Da muss ich nächstes Jahr nochmal hin. Tolles Segelrevier, durchaus vergleichbar mit der Karibik. Türkisfarbene Buchten, rundum Inseln mit Bergen, sodass keine Fetch auch nur einen Ansatz von hohen Wellen erzeugt. Sehr angenehmes Revier, auch für Anfänger.
Letztendlich haben wir uns entschieden, die BEFANA in der Cleopatra-Marina aufs Trockene zu stellen. Diese Marina ist nur zu empfehlen. Erstklassig organisiert, sauber Sanitäranlagen und sehr freundliches Personal. Es gibt dort einen kleinen Minimarkt, ein Restaurant, Schiffszubehörhändler, Service für Yachten und einen Waschsalon. Alles da für Fahrtensegler. Und täglich fährt das Wassertaxishuttle 2 Mal nach Preveza, kostenlos. Entfernung zum Flughafen, keine 3 km.




25.07.2019, 13:47

...nein, nicht wir...

Nein, WIR sind nicht gestrandet. Uns geht es bestens. Dazu aber später mehr.
Wir kommen gut voran. Jeden Tag können wir fast von Hafen bis Hafen segeln. So gut steht der Wind. Und bis auf ein einziges Mal fast immer ohne Welle. Ein Träumchen.
Rom haben wir nun hinter uns gelassen und wir sind voller faszinierender Eindrücke, außerdem haben wir endlich mal die Ankerkette markiert. Wurde ja auch mal Zeit. Jeweils eine gelbe und eine rote Markierung für 10 Meter, 2 rote und 2 gelbe für 20, und so weiter. Auf die 40-Meter-Markierung haben wir dann aber verzichtet. Denn wenn die ersten 30 Meter raus sind aus dem Ankerkasten und die Wassertiefe 6 Meter übersteigt, sollte ein Abschätzen der Kettenlänge durchaus reichen. Bei der ganzen Aktion haben wir natürlich auch den Zustand der Ankerkette überprüft. Schließlich hängt unser komplettes Schiff daran. Zustand: 1 A. Ich bin begeistert. Schließlich haben wir die ganzen etwa 200 kg Stahl wieder im Kettenkasten versenkt.
Erste Etappe hinter Rom – es geht in die Marina Nettuno am Festland. Von dort aus dann der erste Schlag auf eine der Neapel vorgelagerten Inseln. Nach Ponza. Eine traumhafte Bucht im Westen der Insel lädt zum Übernachten ein. Einsam ist es zwar nicht, denn es liegen noch ca. 7 andere hier in der Bucht, aber die sind schon ziemlich weit auseinander. Außerdem traut sich keiner so wirklich nahe an den Strand. Wir ankern auf 4 Meter Wassertiefe.
Weiter geht’s nach Ventotene. Ebenfalls eine Insel. Dort liegen wir im Yachthafen sehr sicher und werden von sehr freundlichem Personal betreut. Der Ausflug in die Stadt abends ist toll. Leckeres Seafood auf der Dachterrasse mit Blick auf den Gemeindehafen. Dort unten sehe ich eine deutsche Yacht, die ich, auch letztes Jahr, schon mehrfach getroffen habe. Sind wohl auf derselben Route unterwegs. Aber es ist schon ziemlich spät und da will ich die nicht mehr belästigen. Ein paar Cocktails runden den herrlichen Abend ab.
Letztendlich haben wir die Inseln Ischia und Procida besucht, die uns aber sehr enttäuscht haben. Viele Charterboote aus Neapel, laut uns teuer. Hafengebühren liegen hier im Schnitt bei weit über 100 Euro. Da ankern wir lieber. Das Wetter spielt mit und so können wir abends und morgens nochmal ins Wasser springen und uns abkühlen.
Die Toilette im Gästebad macht mal wieder Ärger. Zieht nur sehr schlecht Wasser an und der Pumpenhebel lässt sich fast ohne Widerstand bedienen. Nicht gut. Ich hasse solche Sch…-Arbeiten. Ein paar Tage lang wird´s noch gehen, dann muss die Dichtung erneuert und das ganze Gestänge mit Vaseline abgeschmiert werden. Ersatzteile hab ich ja an Bord.
Auf dem Weg nach Neapel stellen wir fest, dass das Meer hier bedeutend schmutziger wird. Immer öfter treibt Plastikmüll an uns vorbei und das Wasser ist trübe. Die Neapolitaner schmeißen alles in das Meer, so scheint es. Und die Bestätigung kommt bald. Wir machen nicht im Stadthafen fest, sondern in der Marina Torre del Greco. Eine merkwürdige Location. Wir melden uns wie üblich über Funk an, aber keiner meldet sich zurück. Also fahren wir einfach mal rein und gucken, was passiert. Langsam tasten wir uns in das Hafenbecken vor. Da links steht einer und winkt und zu sich. Wir bekommen einen Liegeplatz am Kai zugewiesen. Mit Wasser und Strom. Kostenpunkt: 85 Euro. Na das geht ja noch. Wir wundern uns nur, dass hinter jedem Schwimmsteg, von denen es insgesamt 7 Stück gibt, ein eigenes Wärterhäuschen steht und stellen fest, dass diese rund um die Uhr besetzt sind. Alle 7! Aha - hier hat jeder Clan seinen eigenen Steg mit Wachhäuschen. Das gibt es ja gar nicht. Und die Arbeiten wirklich in 3 Schichten 24/7. Unser Aufseher bestätigt uns nicht nur einmal, dass wir hier absolut sicher sind. Na was ist denn hier los? Die Kriminalität scheint hier recht hoch zu sein. Wir legen uns besser mit niemandem an, wollen wir doch 2 Tage hier bleiben.
Nächster Tag: auf nach Pompeji, der versunkenen Stadt. Wurde im Jahre 79 nach Chr. Von einem Ascheregen des Vesuv völlig überraschend verschüttet. Einer der interessantesten Ort, die ich bis jetzt in meinem Leben gesehen habe. Vollständig erhaltene Straßenzüge, Gebäude, Wandmalereien und aufwändige Mosaike auf den Böden zeugen von einer hohen Kultur. Sehr beeindruckende Stätte und sehr empfehlenswert. Aber die Hitze macht einem zu Schaffen. Unerträglich heiße Luft weht durch die Gassen. Schatten sucht man vergebens. Nur die Cafeteria dort ist klimatisiert und ein Besuch dort, erbringt die gewünschte Abkühlung.
Der Weg vom Hafen nach Pompeji und Zurück, beide male mit dem Zug, erklärt den Müll im Meer. Kilometerweit fahren wir durch Slums, in denen die Bewohner Ihren Müll einfach im Hinterhof entsorgen oder zwischenlagern. Der nächste Regenschutt oder Windstoß wird´s schon irgendwie mitnehmen. Und wo landet der ganze Unrat? Letztlich im Meer. Unfassbar, soviel Dummheit. Die Müllcontainer auf der Straße draußen werden fast nicht benutzt.
Wieder voll mit architektonischen und kulturellen Eindrücken machen wir uns auf die nächste Etappe nach Salerno. Eigentlich wollten wir nach Amalfi, aber eine Anfrage nach einem Liegeplatz via UKW-Funk ergab, dass der Hafen voll ist, bzw. die Liegeplätze für 14 Meter ausgebucht sind. Schade.
Na die Crew hat ja dann einen Tag mehr Zeit und macht sich mit der Fähre auf den Weg nach Amalfi. Ich leihe mir ein Fahrrad aus und gehe Wäsche waschen. Was für eine Tortur!! Erst mal das „Fahrrad“. Lässt sich nicht verstellen. Sattel ist so niedrig, dass ich mit meinem rechten Bein immer wieder nachtreten muss, weil ich vom Pedal abrutsche. Kann seit meinem Unfall in den 80ern halt mein Knie nur noch 90 Grad beugen. Zweitens muss ich an der Hauptverkehrsstraße entlang in die Stadt. Der Fahrradweg neben der Straße – eine mittlere Katastrophe. Alle 50 bis 100 Meter muss ich absteigen, 30 cm hohe Bordsteine runter und auf der anderen Seite wieder rauf. Durchgehendes Fahren? Nicht möglich. Ganze 3 Stunden brauche ich, um Wäsche zu waschen und zu trocknen. Der Rückweg? Fahrrad nur geschoben. Der Radweg komplett mit Autos zugeparkt. Die ganzen 2 km. Alle sind am Strand und jeder mit dem eigenen Auto da. Ich bin froh, als ich zurück in der Marina bin. 34 Grad im Schatten.
Nach einer Woche „Heimaturlaub“ komme ich wieder auf die BEFANA. Ich fühle mich hier zu Hause. Aufräumen und Putzen ist angesagt, denn morgen kommt Norbert mit seinen Jungs. Dann wollen wir Richtung Süden segeln, an der Küste entlang bis kurz vor Tropea. Die ersten 3 Tage klappt das auch wunderbar mit der Segelei, aber dann ist der Wind weg. Norberts Jungs sind ganz nett und Nico versteht sich aufs Segeltrimmen wie ein Profi. Er holt den letzten Knoten Speed aus der BEFANA. Das find ich super. Die Häfen hier an der italienischen Süd-West-Küste sind eher unspektakulär. Keine Charterschiffe, nur ein paar Eigner und es wird wieder etwas preiswerter, je weiter wir nach Süden kommen. Küstenlandschaften wechseln sich ab zwischen hohen Bergen mit Steilküsten und langen, endlosen Stränden. Wir erreichen Vibo Valentia. Dort liegen wir in der Marina „Stella del Sud“
Eine solche Marina habe ich während meiner ganzen Seglerlaufbahn noch nicht gesehen. Freundlicher Staff, helfen beim Anlegen, springen nach Rücksprache aufs Boot und machen sogar unsere Muringleinen auf dem Vorschiff fest. Schließen uns Wasser und Strom an und geben uns Karten für Wi-Fi und Duschen. Alle sprechen einwandfreies Englisch. Kommen immer mal wieder vorbei und fragen, ob wir was brauchen und ob wir zufrieden sind. Tagesliegegebühr 75 Euro.(Zum Vergleich: 160 Euro auf Ischia mit Mitarbeitern, die 24 Stunden keine Laune haben) Ich fass es nicht. Sind wir hier noch in Italien?
Auf zur letzten Woche vorerst, zu den Äolischen Inseln. Katha und Tobi kommen. Segeln ist nicht mehr so viel angesagt, weil Wind in der Regel zu schwach ist. Aber was soll´s. Dennoch haben wir am Ende der Woche tatsächlich nur knapp 19 Motorstunden auf dem Tacho. Sind wir also doch gesegelt?
In der Reihenfolge bereisen wir das Archipel: Tropea, Panarea, Lipari, Vulcano, Stromboli. Letzter ist vor einer guten Woche sehr heftig mit einer Explosion ausgebrochen. Berichte gab es bis nach Deutschland in allen Medien. Wir trauen uns dennoch vor den Schlund, aber mit respektablem Abstand. Etwa eine halbe Meile muss schon sein. Und so sehen wir nachts ein sehr beeindruckendes Spektakel. Etwa alle 10 Minuten eine bis zu 200 Meter hohe Feuerfontäne unter nicht weniger beeindruckendem Grollen. Die Lava fließt an der Südwestflanke des 900 Meter hohen Berges bis ins Meer. Etwa 20 andere Schiffe beobachten mitten in der Nacht, es ist bereits 01.00 Uhr, auch das imposante Schauspiel.
Als wir die Nase voll hatten von der Feuerspuckerei, machen wir uns auf den Rückweg zum Ankerfeld auf der Nordostseite der Insel. Ich sehe die Ankerlichter der anderen und bewege mich im Schritttempo darauf zu. Stelle fest, dass dort auch noch kleine Motorboote an Bojen liegen. Die Nacht ist stockdunkel. 2 Mal habe ich in den letzten Jahren hier schon geankert und jedes Mal hat der Anker sofort gehalten. Diesmal nicht. Über eine Stunde versuchen wir das Eisen in den Sandgrund zu fahren. Ja bin ich denn zu blöd zum Ankern oder was? Beim 12. oder 13. Versuch greift der Haken und wir liegen fest. Jetzt noch eine Absackerbier und dann schlafen. Morgen geht´s zurück nach Vibo.
Beim Frühstück am nächsten Morgen sehen wir eine Sun Odyssey 54 Deckssalon am Strand liegen. So ein schönes Schiff. Offenbar notgestrandet oder so. Die ganze Backbordseite ist beschädigt und das Schiff liegt mit dem Bug am Strand und mit dem Heck im Wasser. Die Eigner wohnen in einem 2-Mann-Zelt nebenan und haben sich ne Liege daneben gestellt zum Ausruhen. Was da wohl passiert ist? Das wird schwierig mit der Bergung weil der Strand nicht gerade zugänglich für schweres Gerät ist und von See aus mit dem Kranschiff, das kann teuer werden.
Katha und Tobi waren gestern noch am Krater des Vulcano, vorbei an der Schlammkuhle mit dem angeblichen Fango-Schlamm. Schon beim Vorbeilaufen beißt es in der Nase. Aber nicht nach Schwefel, sondern nach Urin und sonstigen Körperausscheidungen. Im Internet wird wegen Krankheitsgefahr davor gewarnt, sich dort hinein zu begeben. Aber die Leute bezahlen 2 Euro Eintritt plus 1 Euro für die anschließende Dusch, um sich mit dem stinkenden Schlamm einzuschmieren, sogar im Gesicht, weil sie meinen, das sei gesund. Na dann mal viel Spaß. Der Pisse-Geruch geht einem stundenlang nicht aus der Nase.
Die Rückfahrt nach Vibo gestaltet sich langweilig. Kein Wind und wir fahren das größte Stück mit Jöns. Unterwegs sehen wir noch eine Riesenschildkröte, die uns mit Ihren Flossen zuzuwinken scheint. Da diese sich ganz in der Nähe, keine 10 Meter, von einer Fischerboje entfernt aufhält, fahre ich mal nähe hin, um zu sehen, ob sie sich nicht im Netz verfangen hat. Aber alles ist gut. Ein riesiges Tier mit fast 60 cm Körperlänge. Wir gehen noch tanken und liegen um 18 Uhr sicher in der Marina. 1 Woche Heimaturlaub ist angesagt.

Redakteur

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19.06.2019, 14:50

Richtung Süden

Mir fehlt irgendwie die Motivation in den letzten Tagen. Deshalb habe ich lange nichts von mir hören lassen. Dafür gibt´s heute ein bisschen mehr.
Am letzten Donnerstag haben wir in Portoferraio abgelegt. Leider einen Tag später als geplant, aber die Verbindung Pisa-Piombino kam am Anreisetag nicht zustande. Flieger landete zwar ziemlich pünktlich gegen 19.40 Uhr, der Zug von Pisa nach Piombino allerdings ging schon um 19.50 Uhr. Nicht zu schaffen. Also in Pisa übernachten. Das Hotelzimmer für 38 Euro pro Nacht brauche ich ja wohl nicht zu beschreiben. Pisa? Hotel? Bahnhofsnähe? Inkl. Frühstück? Von außen schon alleine hätt ich mich da nicht reingetraut, wenn ich nicht gewusst hätte, dass das tatsächlich mein Hotel ist.
Dafür war ich dann am nächsten Tag, am Dienstag, schon am frühen Nachmittag auf der BEFANA. In Portoferraio war es da schon ziemlich warm und ich haben ganz schön geschwitzt, um das Schiff vom 3-Wochen-Sahara-Dreck zu befreien.
Mittwoch kamen meine Freunde Birgit und Michael aus Reinheim und Donnerstag ging´s los. Erst mal nur bis Porto Azzurro, dann ein Hafentag am Freitag, denn mit einem ganzen Tag „15 Knoten Wind auf die Nase“ das wollten wir auch nicht. Und so haben wir einen Tag Porto Azzurro unsicher gemacht.
Samstag sollte es nach Giglio gehen, ankern in einer Bucht in Lee… nachdem es den ganzen Tag mit etwa 17 Knoten geblasen hat und ordentlich Welle im Teich war, haben wir uns auf ne ruhige Nacht gefreut. Wir also um 15 Uhr rein in unsere Bucht. Ganz alleine waren wir da. Wunderschön, aber Fallböen von den Bergen mit bis zu 30 Knoten. BEFANA zerrt am Ankergeschirr, dass es wirklich keinen Spaß macht. 50 Meter Kette halten zwar gut, aber das Geruckel die ganze Nacht braucht kein Mensch. Anker wieder hoch und in einen sicheren Hafen am Festland. Nach nochmal 17 sm sind wir fest in Cala Galera. Die Überfahrt war ruppig. Ordentliche Welle von der Seite, sodass einige Brecher doch den Weg bis ins Cockpit gefunden haben. Der ganze Kahn am nächsten Morgen voller Salz. Für wen hab ich eigentlich geputzt?
Nächster Tag, Sonntag, auf nach Riva di Triano. Ein riesen Hafen mit Betonstegen. Ich hasse diese Dinger. Die Gezeiten sind hier zwar nur so um die 30 cm, aber das reicht schon, um immer mal wieder den dicken Heckfender korrigieren zu müssen.
Wasser tanken, Schiff entsalzen war angesagt. Michael ist dabei immer eine große Hilfe. Man braucht ihm nicht zu sagen, was er machen soll. Er macht einfach. Gut so.
Am Montag dann liegt Porto di Roma an. Wir wollen uns mal in der Stadt ein bisschen umsehen. 34 Grad im Schatten machen unsere Sightseeing-Runde aber zur Tortur. Jeder Schritt ist anstrengend. Vom Porto di Roma aus erst mit dem Taxi zur Statione di Lido, dann umsteigen in den Zug, 7 Stationen bis Roma und dann nochmal 5 Stationen mit der S-Bahn. Man braucht für die 30 km fast 1,5 Stunden.
Jetzt ist Rom ja keine Kleinstadt und die Sehenswürdigkeiten liegen auch nicht so weit auseinander. Dennoch entscheiden wir uns aufgrund der enormen Hitze für eine Rundfahrt in einem Kabrio-Bus. So wie alle Touris.
Man sieht hervorragend alles aus der oberen Etage und kann die über 2000 Jahre alten Gebäudereste prima erkennen. Ich bin schwer beeindruckt von der Architektur und von der Haltbarkeit der Monumente. Vergleicht man das mit der heutigen, doch recht modernen Bauweise, liegen da Welten dazwischen. Die Römer hatten es schon drauf. Ich möchte mal wissen, ob ein 1980 gebautes Haus im Jahre 3980 noch steht und man erkennen kann, was es einmal war. Doch eher nicht.
So - heute ist Relax und Waschtag. Wir warten auf Roland und Petra, die heute an Bord kommen wollen. Dann ist wieder einkaufen angesagt und morgen geht’s noch ein Stück die italienische Küste runter, bevor wir in die Inselwelt vor dem neapolitanischen Archipel eintauchen. Das verspricht gut zu werden, wenn das Wetter so bleibt. Bin gespannt.

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