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Rom, die ewige Stadt
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12.08.2018, 16:50

Etappenziel Menorca

Letzte Woche war echt anstrengend. Die Überfahrt von Ibiza nach Mallorca war noch ganz gut. Genug Wind und nicht so warm. Aber dann. Mallorca hat schon ein paar tolle Buchten. Aber auch hier ist im August der Teufel los. Motorboote en Masse. Und die benehmen sich wie Sau. Rein in die Bucht, raus aus der Bucht. Und immer schön den Hebel auf den Tisch, dass es bei den anderen ja schön wackelt. Ich könnt sie alle abschießen.

Aber wir haben noch ein Traumplätzchen gefunden. Auf der Nordwest Seite sind nicht so viele Touris unterwegs. Gut für uns. Wir finden abends in der Cla Tuent einen sensationellen Ankerplatz. Auf 7 Meter Wassertiefe fällt das Eisen in feinsten Sand. Hält sofort und wir legen noch ne Landleine. So sicher wie in Abrahams Schoß liegen wir hier. Blick auf den höchsten Berg von Malle, den Puig Major, immerhin 1445 Meter hoch. Klasse Aussicht. Und am Abend einen spektakulären Sonnenuntergang vom Boot aus. Die Crew und der Skipper können es fast nicht glauben. Mit uns nur etwa 6 Boote in der Bucht. Einsamkeit könnte man fas dazu sagen. Da die Sonne untergeht und etwa drei, vier Mal hinter einem Felsvorsprung verschwindet um dann immer wieder in einer anderen Rotschattierung für ein paar Minuten wieder hervorkommt, haben wir die Möglichkeit auch 3 – 4 Sundowner zu genießen. So muss das und nicht anders…

Nächster Tag… auf nach Menorca. 50 Meilen liegen vor uns. Wind? Fehlanzeige. Und so muss Jöns die ganze Arbeit machen und der Autopilot steuert die BEFANA Richtung letzter Balearen-Insel.
Wir kommen recht spät an, fahren in die Bucht, wo es einen Hafen gibt. Ciutadella. Aber der ist randvoll. Nix zu machen. Also ankern wir im Vorhafen neben dem Fähranleger und fahren abends mit Lucy in die Stadt. Menorca ist relativ flach. Keine Berge. Nur ein paar Hügel. Ansonsten sieht die Insel aus wie ein Plateau. Etwa 6 – 10 Meter hoch und dann komplett flach. Eigentlich nicht gerade schön. Hier bleiben wir aber über Nacht und morgen geht´s zum nächsten Etappenziel. Mahon.

Der große Naturhafen, wohl einer der größten in Europa, zieht sich mehr als 3 Meilen ins Land hinein. Da drinnen gibt es zahlreiche Marinas und Liegemöglichkeiten in Yachtclubs. Dachte ich…

Als wir versuchen auf Kanal 9 anzufunken, bekommen wir erst mal keine Antwort. Von keinem der Marinas. Kennen wir ja schon. Also fahren wir mal rein. Erster Hafen: Fehlanzeige. Kein Platz für 14 Meter, Zweiter Hafen: Fehlanzeige. Überhaupt kein Platz mehr. Wir drehen Runde um Runde in dem großen Hafenbecken, bis wir ein paar Marineros auf ihrem Schlauchboot sehen. Die halten wir an. Fragen höflich nach einem Liegeplatz und bekommen tatsächlich einen zugewiesen an einem Schwimmsteg vor der Illa del Rei.
Wasser ja, Strom nein. Und da soll die BEFANA eine Woche liegen bleiben? Na das kann ja lustig werden. Vor allem, wenn eine der gefürchteten Rissagas kommt. Das sind die berüchtigten Mini-Tsunamis auf Menorca. Und nur hier komischerweise. Aber die haben es in sich. Wer will kann ja mal auf YouTube suchen. Da gibt es Horrorvideos davon.

Im Nachhinein denke ich aber, dass der Schwimmsteg gar nicht so verkehrt ist. Ich entscheide hier zu bleiben. Was will ich auch sonst machen?

Nette Nachbarn haben wir auch. Alle Fahrtensegler. Keine Normalotouris, wie sonst. Also bleiben wir. BEFANA wird gut vertäut. Vorne zwei Mooringleinen, achtern je eine doppelte Heckleine. Gut abfendern und dann wird das schon gut gehen.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl fliege ich zurück. Beim Start sehe ich nochmal mein Schiff dort unten liegen. Die Marineros sind informiert, haben meine Handynummer. Also was soll schon passieren. Außer, dass mir einer in die Seite fährt beim An- oder Ablegen. Aber das kann ja auch passieren, wenn ich an Bord bin. Also Micha- entspann Dich und genieße die Woche zu Hause in Iwwero. Mach ich. Freu mich auf meine Süße und auf vernünftiges deutsches Essen und vor allem auf deutsches Pils-Bier. Nach 4 Wochen im Süden kann ich die Lagerplörre einfach nicht mehr trinken. Und Weißbrot und Nudeln gehen mir langsam auch auf die Socken.

Ich brauch mal wieder ein schönes Grohe oder ein Bitburger und ne Bratwurscht vom Norbert Larem aus Gernsheim. Das macht glücklich. Und so kommt es dann auch. Freu, freu, freu…

So und jetzt bin ich wieder hier. BEFANA hat´s überlebt. Ohne Schrammen, Batterien sind auch noch halbwegs voll. Trotz fehlendem Landstrom. Aber der Wein ist natürlich warm. Na dann mach ich mal den Kühlschrank an. Schöner Abend alleine. Heute kommt die neue Crew. Bin gespannt. Fabian, Caro, Mathias und Sibylle. Und auf geht´s nach Sardinien, Korsika, Elba…


30.07.2018, 18:23

Angekommen auf Ibiza

Denia braucht man nicht wirklich. Kein schöner Hafen. Zwar ist der Service ganz gut, aber die haben hier Sommerpreise, da wird einem schwindelig. Die letzten beiden Häfen haben zusammen um die 140 Euro Liegegebühr gekostet. Muss das sein? Dazu sind die sanitären Anlagen häufig in einem schlechten Zustand, bzw. einfach nicht gepflegt. Schade drum. Das ist das Geld nicht wert.

Als wir in Denia einlaufen, will die Speedfähre raus und kündigt das mit einem langen Ton aus ihrem Horn an. Und schon gibt der Capitano Gas. Ich mach mich in der Hafeneinfahrt mal ganz schnell vom Acker, bevor der mich überrollt. Einer der Segler, die mit uns gleichzeitig in den Hafen einlaufen, findet wohl keinen rechten Ausweichplatz. So dreht er um 180°und fährt wieder raus. Die Fähre hinterher und macht mit 5 kurzen Tönen ihr Wegerecht geltend. Na da bin ich aber froh, dass ich noch ein Schlupfloch gefunden habe…

Wir legen souverän an und nehmen mal einen ordentlichen Drink als Anleger. Eisgekühlter Gin Tonic. Den haben wir uns verdient. Hier ist es schon ziemlich heiß. Über 30 Grad und kein Lüftchen. Mittelmeer halt. Man hat mich gewarnt.

Die Überfahrt nach Ibiza am Sonntag war okay. Erst guter Segelwind, dann nach der Mittagsflaute auch noch die Nachmittags- und Abendflaute. Wir fahren 2/3 der Strecke mit Motor.

Die Ankerbucht, in der wir ankommen ist rappelvoll. Und schön isse auch nicht. Wasser ist schmutzig und jede Menge von den kleinen biestigen Feuerquallen. Anders als im Revierführer beschrieben. Ein Motorboot nach dem anderen jagt durch das Ankerfeld und mischt die Besatzungen auf. Hoffentlich hört das nach Sonnenuntergang auf. Es hört auf.

Der Sonnenuntergang war super. Diffuses Licht hinter den Bergen und orangeroter Himmel am Horizont. Die Berge im Gegenlicht nur als Scherenschnitt. Love it…

Tobi kocht lecker und wir haben einen netten Abend an Bord. Aber ich bin hundemüde und war glaube ich um 22.30 schon in der Koje. Schlafe wie ein Stein bis morgens um 8.00 Uhr.

Heute haben wir uns ne bessere Bucht ausgesucht. Cala San Miguel im Norden von Ibiza. Klein, nett und voll… Jede Menge Yachten und Motorboote drin. Da muss ich mal wieder Eier zeigen und fahre um die ganzen Ankerlieger herum von hinten dran und wir lassen unser Eisen zwischen zwei anderen Seglern ins 5 Meter tiefe Wasser fallen. Er gräbt sich sofort ein. Ich schätze mal ab, dass wir 25 – 30 Meter Kette draußen haben. Tobi stoppt die Kette und der Anker ruckt zwei, drei Mal ein und hält. Kurz einfahren und wir liegen mit dem Hintern der BEFANA, 10 Meter von der Steilwand weg. Check…

Heute muss Lucy, unser Dinghi ran. Das erste Mal ist es im Einsatz. Nagelneu kommt es aus seiner Verpackung. Ordentliches Teil. Quicksilver. 280 cm lang. Tragkraft über 400 kg. Na da können wir ja einkaufen fahren. Thomas, Katha, Tobi und ich machen dann schon mal ne Probefahrt um die Ecke. Holger muss leider zurück bleiben und Ankerwache halten. Nee - der Arme hat sich leider gestern verletzt. Eins der Motorboote hat ne Welle erzeugt als Holger gerade unten War Getränke zu holen. Er verliert bei dem Geschaukel das Gleichgewicht und stürzt mit dem Rücken auf die Bank im Salon. Ich hab gedacht uns hätte einer gerammt, so ein Stoß ging durchs Schiff.

Das hat wehgetan. Das weiß ich. Und das tut mir auch echt Leid für Holger. Aber unsere Ärztin an Bord meinte, er würde es wohl überleben. Dank Ibu und Ruhe kommt er schon wieder auf die Beine. Das erste Bierchen hat heute auch schon wieder geschmeckt.

Also wir waren schon mal in der Nachbarbucht in der Utopia Beach Bar. Ganz nett aber zu viele Holländer und Engländer mit kleinen Kindern. Zu laut. Aber der Mojito hat trotzdem geschmeckt.

Fazit… Lucy und Freddie funktionieren einwandfrei und verrichten gute Dienste. Fehlt noch die Taufe von Lucy und die Beschriftung. Das machen wir auf Elba. Hier ist es definitiv zu warm.




Redakteur

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27.07.2018, 18:12

3. letztes Etappenziel -Alicante

Am Dienstag sind wir im Etappenziel Alicante angekommen. Alles super geklappt und am letzten Tag vor Alicante doch noch mal einen super Segelwind gehabt. Mit bis zu 7 Knoten Fahrt über Grund sind wir dem Ziel entgegen gerauscht. Die Stimmung an Bord war klasse. Anna und Basti haben sich prima mit Norbert und Roland verstanden. So soll´s sein. Klar hat jeder mal vom anderen die Nase voll. Der eine redet zu leise, dass man alles immer nachfragen muss, der nächste babbelt (hessisch für redet) in einer Tour und der andere will einfach nur seine Ruhe haben. Aber nach 3 Wochen aufem Kutter darf das auch mal.

An Bord ist halt doch alles bisschen enger und man hat nicht so die Ausweichmöglichkeiten, hat quasi nicht mal eine Stunde Privatsphäre. Aber es geht doch immer wieder erstaunlich gut ab. Da freut sich der Skipper. Hat halt jeder so seine Eigenheiten.

Neue Crew, neues Glück. Kata und Toby reisen am Mittwoch an und am Donnerstag kommen meine Vereinskameraden Thomas und Holger dazu. Das wird auch ne lustige Truppe. Fing schon beim Einkaufen an. Ich hab die Liste per Mail verschickt und die beiden Alt-Segler haben natürlich nach meinem Geschmack ergänzt. Unter anderem Gin in verschiedensten Variationen und Tonic. Der Abend wird gut…

Natürlich fehlt uns ne Eismaschine an Bord, aber Holger hat sich in einer Gaststätte bemüht, Eiswürfel zu bekommen und – check… Super Abend mit Gin-Tasting. So was geiles. Ganz nach meinem Geschmack. Auch die Truppe verträgt sich. Ich bin der König.

Gestern waren wir in Alicante noch mal im Volvo Ocean Race Museum. Interessant mal zu sehen, was die Jungs und Mädels da so leisten. Das Volvo Ocean Race ist eines der härtesten „um-die-Welt-Rennen“ der heutigen Zeit. Und die Yachten sind richtig schnelle Rennmaschinen. Im Schnitt feuern die mit 22 Knoten über die Ozeane. Alicante-Gibraltar-Kapstadt-Australien-China-England-Schweden-NBorwegen-England-und wieder nach Alicante. So ungefähr ist die Route. Da waren Bilder zu sehen und Videos… nix für mich. Fahrtensegler leben da doch wirklich gesünder.

Gutes Essen, guter Wein, Landschaft gucken, und so weiter. Wir lassen es da eher ruhiger angehen. Heute zum Beispiel auf dem Weg nach Nordosten zum Vorletzten Hafen vor den Balearen. Super Segelwind am Anfang, später die übliche Mittagsflaute.

Heute überschreiten wir, wenn auch zu Fuß wieder den Nullmeridian. Greenwichtlänge. Wir sind wieder im Osten, dennn der Hafen in dem wir liegen heißt Marina Greenwich. Super Idee, liegt er doch wirklich genau auf dem Nullmeridian. Wir liegen mit dem Schiff 000°00,12´ West, und gehen essen auf 00°00,05 East…

Morgen soll´s weiter Richtung Nordosten gehen nach Denia. Vielleicht treffe ich da Vereinsmitglieder vom Trans-Ocean. Wollte die eigentlich nach günstigen Liegeplätzen für Menorca fragen. Hab ich aber schon per Mail. Und die wissen auch nicht weiter. Na da bin ich ja mal gespannt, was da auf uns zukommt. Liegegebühren und so.

Sonntag dann die Überfahrt auf die erste Balearen Insel. Ibiza oder Formentera. Das hab ich jetzt noch nicht entschieden. Mal sehen wie der Wind ist. Wir sehen uns.

Jetzt bin ich schon über 10 Wochen unterwegs. Halb Europa umrundet und alles noch ganz. Und alle überlebt. Außer dass ich mir heute mal wieder den kleine Zeh angerannt haben. Nix gebrochen offensichtlich. Aber der Nagel gespalten und geblutet wie Sau. Ich liebe diesen Moment, wenn der Schmerz nachlässt.


Redakteur

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23.07.2018, 12:15

Von Touristen, Buchten und Funksprüchen

Die letzten drei Tage waren eher unspektakulär. Wenig bis kein Wind und wenn doch, auf die Nase. Kennen wir ja schon zur Genüge aus dem Mittelmeer. Wie viele Chartertörns haben wir schon mehr motort, als gesegelt.

Keine Delphine mehr, nur am Horizont zeigen sich ab und zu ein paar Flossen. Fast keine Schiffe unterwegs. Weder Segler noch Fischer. Also gibt nix zu gucken auf dem großen Meer. Die Küste auch unspektakulär. Eine Mischung aus Hochhäusern, Gewächshäusern und braunen kargen Felsen. Dazwischen mal wieder ein Strand mit bunten Schirmchen. Nee - so einen Urlaub würde ich nicht machen. Von morgens um 10 am Strand liegen, nen Sonnenbrand abholen und nachmittags in die Bar, dann abends um sieben duschen und ab zum Essen, dann wieder Bar und um 02.00 Uhr ins Bett. Morgen dann das Gleiche wieder. Und das dann jedes Jahr und immer 2 Wochen lang.

Ich kann diese Art von Touristen in den Häfen erkennen. Ihre Kleidung, das Verhalten, die Art wie sie kommunizieren. Eben alles. Wenigstens haben sie heute keine weißen Tennissocken mehr an und keine Kamera umhängen. Hat ja jeder ein Smartphone. Und das wird auch fleißig benutzt.

Aber zurück zu unserem Trip. Vorgestern waren wir in der Genuesen-Bucht. Sehr schön und gut geschützt gegen Seegang. Aber die Fallwinde sind mit bis zu 26 Knoten durch das Ankerfeld geschossen. Eigentlich wollte ich das Dinghi mal ausprobieren, aber das wurde nix. Zu viel Wind.

Übrigens muss ich doch nochmal darüber nachdenken, ob es für die Zukunft wirklich ein Rocna Anker sein muss. Mein Plastimo Pflugscharanker hält bis jetzt immer sofort und bombenfest. Der ruckt richtig ein. Starkes Sicherheitsgefühl. Auch bei den Fallböen in der Bucht hat er keinen Meter nachgegeben.

Morgens war dann Ruhe. Kein Wind mehr und keine Welle. Sehr schöne Bucht und Basti war dann schon mal mit der neuen Schwimmbrille unterwegs. Zum Strand hin und zurück gute 800 Meter. Respekt mein Lieber.

Gestern dann sind wir unserem Etappenziel für die Tour wieder ein Stück näher gekommen. Mazzaron war der Hafen. Wir liegen längsseits direkt vor einem Nachtclub. Ein deutscher Segler warnt uns vor dem Liegeplatz, weil sich da in den frühen Morgenstunden wohl schon Dramen abgespielt haben, was Beziehungen anbelangt. Und laut wäre die Musik, bis morgens um 07.00 Uhr. Aber ich will hier bleiben. Denke nach… heute Sonntag. Die müssen ja morgen arbeiten und können nicht die ganze Nacht feiern. Und so war´s auch. Um 23 Uhr war Ruhe und es war fast kein Mensch mehr auf der Promenade. Basti wollte noch nen Absacker irgendwo trinken gehen und hat tatsächlich nix mehr gefunden, was noch auf hat. Nette Marina. Klein und übersichtlich und sehr schöne Promenade an der Waterfront. Kann man ebenso empfehlen wie Marina del Este.

Morgen Abend müssen wir in Alicante sein. Neue Crew kommt. 2 Davon schon am Dienstag. Ich hab da was mit den Terminen verpeilt. Shit auch…
Na irgendwie werde ich die beiden schon unterbringen auf der BEFANA.

Ansonsten alles gut aufem Kutter. Die Crew verträgt sich. Jeder hat so seinen Charakter, aber alles passt. Freut mich, wenn das so ist.

Heute wieder kein Wind. Jedenfalls kein verwertbarer. Schreibt doch Thomas was von 25 Knoten in Alicante. Sowas. Hier is nix.

Übrigens kommen jeden Tag mehrere Pan-Pan Meldungen über Kanal 16 rein. Es werden Alle Schiffe gebeten scharf Ausschau nach Flüchtlingsbooten zu halten. Sind wohl im Moment viele von Marokko nach Spanien unterwegs.
Gestern haben wir was davon auch in den Nachrichten gelesen. Aber ich glaube die werden alle schon draußen aufgefunden. Nicht so dicht an der spanischen Küste. Wir halten trotzdem Ausschau. Wie sich das gehört.
Die Spanischen Meldungen hören sich auf Englisch seltsam an. Wenn man da nicht weiß um was es geht versteht man nix. Gar nix.




Redakteur

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20.07.2018, 12:14

Noch 150 Meilen bis Alicante

Die nächste Etappe geht von Estebona über Fuendirola und Punta del Mona nach Almerimar. Gut 120 Meilen. Und mit jeder Meile wird es irgendwie wärmer. Simone hat schon Recht, wenn sie schreibt wir sind im Warmen angekommen. Manchmal gefühlt schon zu warm. Aber wir wollten ja hier her.

Die Häfen hier sind schon was Besonderes. Alle irgendwie anders. Mal mitten in der Stadt, mal mitten in der Pampa. Einkaufen wird in manchen Häfen zur Tortur. Die Crew schleppt Essen und Trinken herbei mit großen Taschen und Rucksäcken. Nur selten ist der Supermarkt gerade mal um die Ecke.

Aber immerhin bekommen wir immer einen Liegeplatz. Haben wir uns doch angewöhnt, vorher zu reservieren. Und anders als in Italien, klappt das bei den Spaniern hier auch. Nur muss ich manchmal darüber nachdenken, ob die uns richtig verstanden. In Marina del Mona zum Beispiel war der Hafen so eng, dass ich mit den 14 Metern der BEFANA schon gutes Augenmaß brauche, um in den Liegeplatz zu kommen. Vorne und hinten beim Drehen auf engem Raum gerade mal geschätzt ein Meter Platz. Also drehe ich nicht auf engem Raum sondern bugsiere die BEFANA gleich rückwärts da rein. Bugstrahlerbatterie warnt vor Entladung und dann geht auch schon nix mehr. Zu viel gebugstrahlt heute. Morgen ist die Batterie wieder voll. Aber da brauch ich es nicht mehr wirklich.

Wie ist das mit dem Wind hier? Die letzten drei Tage war es so: Wir fahren unter Maschine aus dem Hafen, etwa 2 bis 3 Meilen vor der Küste setzt dann Wind ein. Wahrer Wind 12 Knoten, scheinbarer Wind , je nach dem zwischen 10 und 16 Knoten. Würde ja zum Segeln reichen. Ich schau mir das ein Weilchen an. Wind ist stabil. Also in den Wind und Großsegel gesetzt. Dauert ungefähr 2 Minuten. Abfallen auf den alten Kurs. Vorsegel dazu. Volles Tuch dauert ungefähr 20 Sekunden. Und dann?

Flapp-flapp… Wind weg. Keine 4 Knoten mehr. Fahrt über Grund: unter 2 Knoten. Und der Wind kommt den ganzen langen Tag nicht zurück. Immer zwischen 4 und 6 Knoten wahrer Wind. Was soll man denn damit anfangen. Die See ist Spiegelglatt und kein Lüftchen weht mehr. 6 Stunden mit Jöns getuckert.

Kein Lüftchen mehr?
Doch! Kurz vor der Marina, wir sind dabei die Fender und die Leinen vorzubereiten, bläst der Wind mit 14 Knoten ins Hafenbecken. Genau das ist es, was ich an der Segelei so liebe. Wind wenn man ihn braucht, nicht vorhanden. Und wenn man ihn nicht gebrauchen kann, isser da.

Gestern haben wir mal 2-3 MOB Manöver gefahren. Dabei ist uns ein Block m Mast ausgerissen. Die Brocken davon hab ich heute gefunden. Nix tragisches, aber immer wieder was zu besorgen und einzubauen. So geht das.

Heute sind wir in Almerimar angekommen. Ein sehr aufgeräumter Hafen mit großräumigen Anlegerboxen. Easy einzuparken. Abends gehen wir essen und finden eine Tapas Bar mit einem coolen Typen als Bedienung. Der gibt uns ne Tageskarte worauf steht, dass ein Menü mit Vorspeise, Hauptgang, 1 Getränk (Bier oder Wein) und einen Kaffee zum Schluss 10 Euro kostet. Können wir erst nicht glauben. Ist aber so. Und die Qualität der Speisen war auch in Ordnung. Mit anderen Getränken zusammen und Kuchen und Schnappes für jeden bezahlen wir am Ende gerade mal 70 Euro für 5 Personen.

Heute geht’s weiter Richtung Murcia. Mal sehen wo uns der nicht vorhandene Wind hinträgt. Buchteln ist angesagt.

Gestern krieg ich ne Mail von meinem Freund Micha. Der ist mit seinem Schiff in Griechenland. Die Wohnung daheim ist ihm vor 4 Wochen bei einem Gewitter abgesoffen. Jetzt müssen die beiden ihren Törn abbrechen und nach Hause zum Aufräumen. So ein Sch… na da wünsch ich den beiden alles Gute und viel Erfolg beim Aufräumen zu Hause. Hoffentlich ist der Schaden nicht zu groß.


16.07.2018, 20:04

Wir sind im Mittelmeeer

Vilamoura haben wir am Freitag wieder verlassen. Der Hafen war nicht schlecht. Schöne Sanitäranlagen, netter Hafenmeister und gut geschützt hinter einem riesigen Wellenbrecher. Dort war so ne Art Jahrmarkt und meine Crew hat sich das dann abends mal angeschaut. Kamen alle spät zurück, nicht jedoch so spät wie die letzte Crew. Die haben es schon bisschen übertrieben. Aber gut. Junge Leute. Lass sie doch.

Samstag müssen wir früh los. Matthias muss seinen Bus kriegen. Der geht um halb sechs abends ab Gibraltar. Aber das schaffen wir locker denke ich. Strom hab ich berechnet, Windvorschau und so weiter. Müsste locker passen.
Um 09.00 Uhr legen wir ab. Underway to Gibraltar.

Am Anfang schiebt uns Jöns durch die Flaute. Wir müssen noch ein Fischzuchtgebiet umrunden. Dann setzt die Strömung ein und auch der Wind. Delphinshows begleiten uns und wir haben richtig Spaß. Der afrikanische Kontinent ist hier zum Greifen nahe. Keine 15 Seemeilen und wir sehen die hohen, schroffen Berge von Marokko. Ab um die Ecke in die riesige Bucht von Gibraltar. Da liegen sie wieder… die Großen Pötte liegen hier vor Anker. Mindestens 25 – 30 Stück. Und an fast jedem ein kleineres Tankschiff festgemacht.

Die Dicken werden hier von den kleinen betankt. Interessante Sache. Das Schweröl kostet hier in Gibraltar fast nix und das nutzen die Reeder wohl aus.
Matthias kriegt seinen Bus und wir gehen anschließend essen. Morgen Endspiel Kroatien gegen Frankreich. Ich würde es den Kroaten schon gönnen, dass sie das Ding zu sich holen. Aber es geht wohl anders aus. Schade.

Heute am Montag können wir erst gegen 12 Uhr unsere Wäsche aus der Wäscherein holen. Also fahren wir mit dem Taxi Bus mal zu den Affen von Gibraltar. Berberäffchen und Makaken leben dort auf dem Felsen schon seit 1706 erzählt uns der Fahrer. Die Engländer haben sie aus Afrika mitgebracht und dort ausgesetzt. Heute leben dort etwa 200 Stück in 5 Gruppen. Die Legende sagt: Wenn die Affen aus Gibraltar verschwinden, verlieren die Engländer das Territorium. Die Affen sind frech. Klauen den Touris Handys, Geldbeutel und Kameras, um sie dann den Felsen runter zu werfen. Ich hab aufgepasst wie ein Luchs, dass die nicht an meine Sachen kommen.

Heute Montag sind wir endlich im Mittelmeer angekommen. Wir liegen in Estepona an der Südküste Spaniens. Mit 20 Knoten Rückenwind sind wir mit 6 Knoten von Gib hier runter gerauscht. Super Segeltag und alle sind glücklich. Jetzt gibt´s erst mal was zu essen. Crew wohl auf, Schiff wohl auf… Besser geht´s nicht.



11.07.2018, 17:01

Süd Portugal

Diesmal hat alles geklappt. Ryanair ist pünktlich in Lissabon gelandet. Der Flug war okay und meine Sitznachbarn auch. Ich also am Freitagmorgen um 9 Uhr schon auf der BEFANA. Schönes Gefühl wieder zu Hause zu sein. Jetzt war erst mal großes Putzen angesagt. Die Jungs des letzten Törns haben zwar schon mal vorgeputzt, aber der Capitano hat dann doch andere Vorstellungen. Und so packe ich die Bettwäsche und die Handtücher der letzten Crew, meine Klamotten und meine Handtücher und ziehe erst mal zum Hafenmeister. Mit 2 großen Ikea-Taschen. Auf dem Weg dorthin komme ich an einer Motoryacht vorbei, bei der Qualm aus dem Maschinenraum kommt. 2 Bootsnachbarn stehen dabei und beraten, was zu tun ist. Der Eigner- nicht da. Ich frage, ob sie Hilfe brauchen. Nein. Also ich weiter zum Hafenmeister. Ich schau nochmal zurück und der Qualm wird mehr. Einige Passanten aus der Marina stehen auch schon auf der Pier und beobachten das Spektakel. Wir rufen dann doch mal das Personal des Hafens. Die schauen kurz, schnappen sich Feuerlöscher aus dem Büro und sitzen eine Minute später im Hafenboot. An dem Havarist angekommen, kurze Inspektion, anscheinend nix zu machen. Sie schleppen den brennenden Plastikeimer gegenüber zur Betonpier, da kann er wenigstens keinen größeren Schaden mehr anrichten. Die Feuerwehr wird alarmiert.

Gott sei Dank ist der Kahn von unserem Steg weg. So ne Kettenreaktion gab´s vor ein paar Jahren schon mal in Macinaggio auf Korsika. Da sind wegen einem Boot 13 andere mit in Flammen aufgegangen. Das brauch ich jetzt nicht wirklich. Ich bin froh als die Feuerwehr eintrifft und sich der Sache annimmt. 4 Fahrzeuge, Einsatzleitung, Küstenwache, Polizei und Hydrografisches Amt. Alle vor Ort. Mindestens 50 Personen.

Okay. Ich geh Klamotten waschen. 3 Maschinen, 3 x trocknen. Kostet in Lissabon 15 Euro. Alles wieder frisch. Ich bin gegen 16 Uhr wieder aufem Boot. Die Motoryacht ist mittlerweile gelöscht und eine Öl Sperre herumgelegt. Alles super.

Boot geschrubbt, Bäder geputzt, Küche gereinigt und aufgeräumt – meine neue Crew kann kommen. Samstag gegen 17 Uhr läuft Norbert ein, Anna und Basti wollten eigentlich auch da sein und schon mal einkaufen. Aber sie kommen erst gegen 21 Uhr. Na ja. Is ja auch egal. Heute eingekauft, können wir Sonntag schon los. Auch gut.

Sonntag der erste Schlag Richtung Gibraltar, Wir kommen bis Sesimbra. Komischer Haffen, schlechte Sanitäranlagen. Einigermaßen guter Wind und wir können fasst von Hafen bis zu Hafen segeln. Schade nur, dass Matthias nicht so seefest ist. Das wird auch die nächsten beiden Tage nicht wirklich besser.

Montag kommen wir bis Sines. Eigentlich gibt es laut Handbuch hier wenig Liegeplätze. Deshalb haben wir reserviert. Wir kommen abends an und stellen fest, da könnten mindestens noch 26 Yachten Platz finden. Der Hafen ist fast leer. Nicht zu verstehen, denn hier stimmt die Infrastruktur und das Personal ist sehr hilfsbereit und freundlich. Heute fast nur Motor, kein Wind, keine Welle und viele Delphine wieder mal.

Dienstag dann ein langer Tag. 61 Seemeilen liegen vor uns. Wir wollen in die Bucht von Sagres. Die Crew muss heute mal von Hand navigieren und macht das ausgesprochen gut. Die Unterschiede zum GPS sind gering. Trotz schwieriger Sichtverhältnisse zum Land und unruhigem Boot wegen Dünung. Na die haben ja aufgepasst im Unterricht. Basti entpuppt sich als guter Navigator.

Unterwegs habe ich Zeit. Ich backe ein Brot aus ner Backmischung und bin begeistert wie das in dem Gasherd klappt. Morgen gibt´s frisches Landbrot aus good old Germany. Da freut sich die Crew und der Skipper. Aber auch Norbert kocht super. Hat zwar andere Methoden als ich, aber gut. Jeder wie er´s gelernt hat. Übrigens klappt die gemischte Crew ganz hervorragend. Mal sehen, wie wir den 10. Tag überstehen.

Zum Abendessen hab ich dann auch schon mal was vorbereitet. Und so können wir nach den 61 Meilen, als wir gegen 20 Uhr in der Bucht ankommen auch schon direkt essen. Übrigens sehr schöne Bucht mit Sandstrand und dahinter hoher Küste. Man liegt wie in Abrahams Schoß.

Sonst auf der BEFANA alles im Lot. Außer dass die Sika Flex Fuge am Spülbecken wohl nicht gehalten hat. Ich hab Wasser in der Schublade. Das muss ich unbedingt machen. Sonst gibt das Holz bald den Geist auf.

Heute geht´s nach Vilamoura. Wir sind seit gestern Abend an der portugiesischen Südküste. Heute ist Kurs Ost angesagt. Wir kommen Gibraltar näher. Gut so.

Redakteur

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02.07.2018, 11:03

Lissabon

Jaja… mit der Etappe bis „kurz vor Lissabon“ war es dann auch nix. Wir hatten am Donnerstagabend schon 67 Meilen auf der Logge. Und das nach fasst 10 Stunden Motorfahrt, weil eben wieder mal kein Wind war. Den Jungs war schon wieder langweilig. Aber wir hatte unterwegs auch ganz gute Gespräche. Zeit war ja da.

Drei, vier große Delfine haben uns dann noch etwas Spaß bereitet. Sind ne viertel Stunde neben dem Boot her geschwommen und haben immer mal wieder, um Luft zu holen, ihre grauen Rücken aus dem blauen Atlantik gehoben. Trotz Ihrer Größe von fast 3 Metern Länge und ihres Gewichtes, sind das sehr grazile Tiere. Die Bewegungen im Wasser sehen leicht aus. Die kurzen Auf- und Abschläge mit der Schwanzflosse beschleunigen die Tiere ungemein und ohne scheinbaren Kraftaufwand auf mindestens 20 Knoten. Sie ziehen Kreise ums Boot, tauchen unter dem Rumpf durch und kommen von hinten irgendwann wieder an, um sich die Menschen da oben an Bord anzusehen.

So hat es jedenfalls immer den Anschein, wenn sie sich während des Schwimmens zur Seite drehen und mit Ihren Augen das Vorschiff begutachten, wo 4 Männer mit Handys bewaffnet auf den richtigen Moment warten, ein Foto zu schießen… Ich glaube die sehen uns ganz genau.
Eine kurze Kommunikation zwischen den Delfinen- und schon sind sie gleichzeitig alle wieder verschwunden. Ich liebe das.

Also wir kurz vor 20 Uhr in der Ansteuerung des Flusses Tajo, der hier Lissabon quasi trennt. In der Hoffnung gleich am Anfang auf der Backbordseite der Einfahrt den ersten Hafen zu bekommen. Die Cascais Marina. Ich hab vorher schon mal versucht anzurufen. Wenn die aber abnehmen und man meldet sich auf Englisch, legen die meisten wortlos und sofort wieder auf. Auch ne Art. Oder Unart?

Am Funk sprechen sie ja schließlich auch Englisch. Na gut. Ich funke den Hafen etwa auf gleicher Höhe an, frage nach einem Liegeplatz für eine Nacht und bekomme nach Rückfrage zur Antwort. Nix frei für meine Größe. Die spinnen ja. Laut Hafenhandbuch gibt es dort etwa 650 Liegeplätze plus 40 astliegeplätze. Geschätzt sind aber nur etwa 200 Masten drin. Ich verkneife mir eine weitere Nachfrage, denn ich will ja den Feierabend des Herrn nicht stören.

Wir entscheiden uns nach Lissabon rein zu fahren. Mit 6,5 Knoten Fahrt durchs Wasser (was unsere Logge anzeigt) schieben wir uns mühsam den Tajo hinauf. Strömung des Flusses um die 4 Knoten, dann wir fahren in Wirklichkeit über Grund (zeigt unser GPS an) 2,6 Knoten. Also kann dauern bis wir ankommen.

Jetzt muss man dazu sagen, dass Lissabon und südlich davon die Algave das Segelmekka der Portugiesen ist. Dennoch hat alleine Lissabon wohl 14 Yachthäfen mit einer Liegeplatzkapazität von etwa 6500 Yachten plus ca. 1380 Gastliegeplätze.

Was uns allerdings die letzten Tage auf dem Atlantik aufgefallen ist… es ist nix los. Keiner da. Nur hin und wieder eine Yacht, die nach Norden oder nach Süden zieht. Langfahrer und Fahrtensegler, keine Urlauber. Charterboote gibt es hier unten wenige bis gar keine.

Wer also liegt auf den Gastliegeplätzen?

Gegen 23.00 Uhr haben wir es geschafft. Wir liegen in der Doca de Alcantara. Ein Hafen mit dem Charme einer Industrieruine. Hinter einem großen Containerterminal, direkt in Sichtweite zur Stahlkonstruktion der Brücke des 05. April, (sieht aus wie die Golden Gate in San Francisco) Die Autos die hier 6spurig Tag und Nacht darüber fahren, hinterlassen einen ununterbrochenen Geräuschpegel. Aber man gewöhnt sich ja an alles. Auch an das Donnern der verladenen Container und den Fluglärm und dass Bum Bum Bum der Clubs um den Hafen. Übrigens am Wochenende bis morgens um sieben.

Wir also erst mal da rein. Liegeplatz wohl von einem Dauerlieger gefunden, weil die Leinen schon auf dem Steg lagen, sodass der nur reinfahren muss und festmachen. Ist aber keiner da. Und kommt wahrscheinlich auch in der Nacht nicht zurück. Wir bleiben erst mal da. Strom angeschlossen, Bierchen aufgemacht. Morgen früh geht´s zum Hafenmeister.

Gregor ist zum Anmelden und Verhandeln des Liegeplatzes für eine Woche losgeschickt. Bootspapiere und Persos der Crew dabei. Ich frag da mal freundlich und bekomme zur Antwort: Eigentlich ist in ganz Lissabon kein Liegeplatz mehr für Durchreisende frei. Hähh? Nach Bitten und Betteln können wir jetzt dann doch erst mal bis Samstag hier bleiben. Der Eigner des Platzes kommt wohl zurück, also verlegen wir die BEFANA auf Raten des Hafenmeisters um einen Platz nach links. Direkt neben die Küstenwache. Auch gut. Die werden uns wenigstes die Fender nicht klauen.

Am Freitag dann erst mal Putztag für die Jungs. Wasser anschließen und Boot schrubben. Haben sie auch super gemacht. Wird wohl bei dem ganzen Industriestaub um uns herum nicht sehr nachhaltig sein.
Wir werden sehen, wenn ich am Freitag wieder hier aufschlage.

Abends gehen wir lecker Essen. Tomahawk Steaks vom feinsten. Echt super zubereitet und immer ein Steak für zwei Personen. Ich bin begeistert.
Morgen früh um 6 klingelt der Wecker. Eigentlich hab ich einerseits keinen Bock auf die nervige Fliegerei, andererseits bin ich auch gerne mal zu Hause bei meiner Süßen. Und in Iwwero… Freitag geht´s wieder hin. Wieder fliegen, wieder Flughäfen… brrr.

Redakteur

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27.06.2018, 20:49

Nazaré und die höchste Welle der Welt

Regattasegler an Bord… Nein. Besser gesagt 2 Diplom-Ingenieure, nämlich Aaron und Gregor, den Rechner Fabian und Nico der Feinwerkmechaniker, der sich auch in allen mechanischen Teilen auskennt. Wer sagt denn da, dass das eine schlechte Mischung zum Segeln ist?

Der Reihe nach: Dienstag legen wir um 10.00 Uhr in Muros ab. Die Jungs wären wohl alleine wegen den Festlichkeiten hier gerne noch geblieben. Aber wir müssen ja am Freitag in Lissabon sein. Hab ich ja schon gesagt.

Also um 10 ab Muros Richtung Figuera la Foz. Das ist der nächste Hafen und auch der einzige, den wir anlaufen können. Etwas über 60 Seemeilen. Windvorhersage für den Dienstag. Erst 4-6 Knoten, später „auffrischend“ (ich muss gerade lachen) auf 7 – 10 Knoten. Windrichtung Nord bis Nordwest. Wir fahren nach Süden. Okay.

Erst motoren wir ein Stück, weil wirklich nix bläst. Dann gegen 13.00 Uhr kommt die versprochene Brise. Wir setzen Groß und Vorsegel und schleichen uns mit 4 – 5 Knoten durch den Atlantik. Keine Welle, die uns ausbremst.

Die Landschaft zieht in Form eines ca. 100 km langen Sandstrandes an uns vorbei. Nix los da draußen. Heißt? Richtig! Den Jungs ist kacklangweilig. Ich kann das sehen. Mittags essen wir ein paar Spaghetti, die Aaron lecker zubereitet hat und nach dem Geschirr wegräumen kommt wieder diese Lageweile auf.

Wie gesagt. Wir haben etwa 10-12 Knoten wahren wind von achtern – macht einen scheinbaren Wind von ca. 6-8 Knoten. Wer sich auskennt – mit dem scheinbaren Wind wird gesegelt.

Ich als gemütlicher Fahrtensegler bin mit den erreichten 4,6 Knoten Fahrt im Schiff durchaus zufrieden. Die Strömung setzt noch einen Knoten drauf. Also kommen wir doch gut voran, denk ich. Nicht so meine Jungs..

Die Blicke der beiden Ingenieure schweifen durch das Vorsegel und das Großsegel, auf sämtliche Leinen und alles was sich sonst noch auf der BEFANA bewegen lässt. Und ich ahne schon was kommt.
Aaron fragt, ob man nicht was optimieren könnte an den Segeln. Und Gregor nimmt den Bootshaken und hält damit das Vorsegel etwas nach außenbords.

Jetzt sind sie alle 4 angeheizt. Es wird kurz diskutiert, was man verbessern könnte und schon geht der Stress los.

Kann man nicht… und was wäre wenn… wieso geht das so und nicht anders… Ich werde gelöchert und muss schließlich nachgeben…
Ich kriege auch versprochen, dass die Jungs alles wieder so zurückbauen, wie es war. Heißt im Klartext. Die 4 bauen innerhalb einer halben Stunde das ganze Schiff um.

Das Großsegel wird gefiert, bis an die Salinge, das Vorsegel mit dem Spinnaker Baum ausgebaumt und an sämtlichen Leinen gezogen und gefiert…

Hast Du nicht ein Buch über Segeltrimm? Hab ich. Zack, war es oben im Cockpit. Jeder nen kurzen Blick rein und schon geht die Befana auf üb er 6 Knoten Fahrt. Mit scheinbarem Wind von 7. Ich glaub ´s net. Aber die haben keine Ahnung vom Segeln und kitzeln den letzten 10tel Knoten Fahrt raus.
Na ja. Ich hab dann letztendlich wieder meine Ruhe. Die Jungs sind beschäftigt und glücklich, dass sie was zu tun hatten.

Gegen 21 Uhr laufen wir in Figuera la Foz ein. Ich Funke. Keine Antwort. Ich rufe an. Keiner geht ran. Na gut. Irgendwie werden wir schon nen Liegeplatz finden. Und wir finden einen. Aber kein Hafenmeister mehr da. Das Tor vom Steg in die Freiheit zu. Von innen und von außen. Das Restaurant zum Greifen nah. Keine 20 Meter. Aber wir kommen nicht raus. Am Steg in der Nachbarschaft hab ich ne deutsche Yacht gesehen. Gregor muss hin und fragen. Prompt sagt der nette Eigner, wir können seinen Chip haben, er legt sowieso morgen früh ab. Genialo. Also raus aus der Marina, rein in das Restaurant.

Die Empfehlung des Hauses: Kalbs-Kotelett vom Grill. Riesen Dinger. Mindestens 800 Gramm pro Stück. Mit Reis, Gemüse, Pommes bis der Arzt kommt und das für 15 Euro. Pappsatt gehen wir um 23 Uhr nach Hause.
Müssen Mittwochmorgen früh weg.

Um 15.00 Uhr Ortszeit ist Fußball. Das wollen wir sehen und wir haben 35 Meilen vor uns. Um 08.00 Uhr legen wir ab, nachdem ich versucht habe nochmal den Hafenmeister zu erreichen. Fehlanzeige. Also liegen wir ne Nacht umsonst. Haben einen geschenkten Chip und Strom für lau. Ich sach nix mehr.

Heute ging es nach Nazaré. Wer das nicht kennt soll mal Google fragen. Diort gibt es im Idealfall die höchsten Surfwellen der Welt. Bis zu 30 Meter wurden hier schon gemessen. Das liegt daran, dass der Meeresboden dort eine sehr lange und tiefe Schlucht bildet, wo die Wassertiefen von 4000 Meter auf nahezu 10 Meter rapide ansteigen. Die Welle hat keinen Platz mehr und baut sich riesenhoch auf. Sensationelles Schauspiel. Hier wurden Weltrekorde gebrochen. Nazaré läuft gerade Hawaii den Rang ab. Ehrlich.

Also wir waren pünktlich hier. Haben den Strandabschnitt der Riesenwellen gesehen, haben ne Kneipe gefunden mit Fernsehgerät und Fußball. Und wissen jetzt auch, dass Südkorea nicht nur gute Handys baut, sondern auch gut Fußball spielen kann. Herzlichen Glückwunsch. Mehr oder weniger verdient gewonnen.

Und morgen geht es auf die vorletzte Etappe kurz vor Lissabon.

Windvorhersage: 7-10 Knoten aus nördlichen Richtungen
Uups… da weiß ich ja schon was mir blüht morgen.
Viel Spaß Männer und macht mir nix kaputt.


26.06.2018, 11:06

Wir sind in Porto angekommen

Wir legen um 13 Uhr in Muros ab. Strahlend blauer Himmel, 28 Grad. Die Jungs und der Skipper sind gut drauf. Heute ist wenig Wind angesagt, aber wir müssen ja am Freitag in Lissabon sein. Die nächste Crew will ja auch pünktlich auf die BEFANA. Bleibt also nix anderes übrig, als mit Jöns, unserem Volvo, 10 Stunden über den Atlantik zu tuckern.

Wir kommen so gegen 14.30 Uhr etwa 5- 6 Meilen vor die Küste und der Himmel zieht sich zu… Dann sehen wir etwa 2 Meilen vor uns eine Nebelwand. Ich kenn das schon von der Ostsee und aus Kroatien. Aber das hier sprengt alle meine Vorstellungen. In die Wand rein. Null Sicht. Keine 100 Meter. Ich schalte das Radar ein. Wind ist jetzt komplett runter auf unter 2 Knoten.

Innerhalb von ner halben Stunde sind alle warm angezogen. Gefühlte 12 Grad hier draußen. Ich hasse es… Portugiesischer Sommer, dass ich nicht lache.
Was mach ich hier eigentlich?

Ich sehe einen dicken Pott auf dem Radar, versuche herauszufinden wie der heißt. Geht eigentlich mit Marinetraffic ganz gut. Ich kann ihn finden. Ein Amerikanischer Containerfrachter. Aber er hört meinen Funkspruch nicht. Ich wollte eben nur sicher gehen, ob er mich auf dem Radar sieht. Weil der Kurs von ihm schon ziemlich dicht an unserem vorbei geht. Ich kann das mit der Zielverfolgung des Radars ganz genau sehen. Er hat ziemlich genau 360 Grad Kurs und fährt etwa 20 Knoten schnell. Das bedeutet, die 6 Meilen, die er jetzt gerade mal Abstand hat, schrumpfen in ein paar Minuten ganz schön zusammen. Seine Geschwindigkeit und unsere 6 Knoten macht auf Gegenkurs genau 13 Minuten bis zum „Treffen“. Bei einem Abstand von etwa 1 Meile können wir sein Nebelhorn hören. Seine Position allerdings hätte ich ohne Radar anders eingeschätzt. Der Horror… Als das Ungetüm uns passiert hat, also achterlicher als querab ist, wird das Horn sogar noch deutlich lauter. Das ist mir physikalisch ein Rätsel. Egal. Er ist weg und jetzt sind nur noch die chaotischen Fischer da. Die Kerle fahren wieder mal wilde Manöver, unvorhersehbar und es scheint, als machen sie sich einen Spaß daraus auf uns zu zu halten. Wir ändern mehrmals unseren Kurs.

Gegen 0.00 Uhr ist es dann stockdunkel. Nix mehr zu sehen, außer auf dem Radar. Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht eins von den tausenden Fischernetzen überfahren, die hier überall lauern. Im Reeds Almanac sowie auf Skipperguide wird schon mal vor den portugiesischen Netzen gewarnt. Dass es aber in Wirklichkeit so viele sind, hätte ich mir im Traum nicht gedacht.
Die Jungs sind mit Rettungsweste und angeleint abwechselnd auf dem Vorschiff und leuchten unseren Weg mit Lampen aus, um Ausschau nach den Netzbojen zu halten. Aber man sieht eben nach ner Weile auch nix mehr, oder besser gesagt, man kann nichts mehr fokussieren, wenn man länger in die Nacht starrt. Ich kann das verstehen. Außerdem sind die Jungs und auch ich schon recht müde.

Mir fallen immer mal wieder kurz die Augen zu. Mein Bett wäre jetzt ein Traum. Aber ich muss durchhalten. Sekundenschlaf auf dem Schiff ist nicht so schlimm, weil alles doch recht langsam geht und der Autopilot die BEFANA sicher steuert.

Dennoch muss ich jetzt daran denken, was passiert wenn man so einen Sekundenschlaf im Auto bekommt. Da kommen schnell mal hundert Meter Strecke zusammen, die man blind zurück legt.

Ich hoffe, dass der Nebel sich irgendwann verzieht, tut er aber nicht. Er bleibt die ganze Nacht bis morgens gegen 4. Dann lichtet sich alles etwas.

Im Skipperguide steht, dass die Hafeneinfahrt von Porto, hier die Marina Douro, bei Westwinddrift gesperrt wird, weil vor der Flussmündung eine riesen Welle steht. Und vor den Strömungen wird auch gewarnt.

Um 05.00 Uhr nehme ich etwas Fahrt aus der BEFANA, dass wir wenigstens bei Dämmerung in den Fluss einlaufen. Ich kann trotz Windstille (1,2 Knoten) und trotz absolut ruhiger See erkennen, wie sich die Dünung vor der Einfahrt aufbaut. Hier würde ich bei „Wetter“ nicht reinfahren wollen.

Wir passieren das rote Backbord-Hafenlicht und können das steuerbordseitige grüne auch schon sehen. Außerdem gib t es ein Richtfeuer mit Ober- und Unterfeuer. Ich steuere die BEFANA in die Richtfeuerlinie und mache den Autopilot wieder an. Der steuert normalerweise zuverlässig einen geraden Kurs. Nicht so im Douro River. Die Nase der BEFANA geht im Winkel von 5 Grad nach rechts und links. Ich muss mehrfach nachsteuern. Um 06 Uhr liegen wir fest im Hafen. Bin froh dass der Tag und vor allem die Nacht ein Ende hat.



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Die Törns der BEFANA



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