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Kategorien: Alle Online Tagebuch

06.10.2018, 15:31

Elba die letzten Tage...

Das Segeljahr geht dem Ende entgegen. Auch wenn immer alle denken, ich würde hier Urlaub machen. Das ist nicht so. Für mich war es ein anstrengendes Jahr. Auch wenn fast alles so geklappt hat, wie ich mir das vorgestellt habe.

Seit März bin ich nun mit wenigen Ausnahmen auf der BEFANA. Und ich muss sagen, ich hab wieder mal viel dazu gelernt. Schiffstechnik sowieso. BEFANA hat ein eigenes Leben sozusagen. Ich hab Kabel gesucht. Vom Vorschiff bis hinter die Achterkabinen. Schalter eingebaut, repariert, Schrauben festgezogen, bewegliche Teile abgeschmiert, Edelmetalle poliert, GFK gespachtelt. Meerwasser ist schon ziemlich aggressiv muss ich sagen.

Nicht zu vergessen das Antifouling das wir noch in Holland mühsam abgekratzt und abgeschliffen haben. Schinderei bei 13 Grad im März. Und dann das neue „umweltverträgliche, hollandtaugliche“ Antifouling. 140 Euro der kleine Eimer.
Nicht mal ein halbes Jahr gesegelt und der Kutter sieht untern rum aus wie ne Muschelzucht.

Das Bugstrahlruder macht schlapp, besser gesagt die Akkus. Heult nur noch mühsam vor sich hin und hat keine Power mehr. Da muss ich nächstes Jahr mal dran.

Und nen Kratzer hab ich reingefahren. Ich selbst. Blödmann, kannst Du nicht aufpassen. Aber auch der Lack muss nächstes Jahr ausgebessert werden. Da haben wir ja was zu tun. Gott sei Dank wird es uns nicht langweilig. Ich denke Ende März nehm ich mir die Hexe mal vor.

Aber na ja. Alles hat ja soweit ganz gut geklappt. Termine eingehalten. Immer zur rechten Zeit am rechten Ort, auch wenn wir die eine oder andere Etappe nur mit Maschine gefahren sind. Irgendwo hab ich mal gelesen: Wenn man öfter segeln geht im Jahr, gibt’s auch manchmal den passenden Wind. Stimmt.

Seit ein paar Wochen bin ich nun auf Elba. Schon interessant, wen man im Laufe er Jahre so alles kennen lernt. Und die Leute hier kennen mich auch. Na also. Jetzt kennen sie auch die B EFANA. Ein rotes Schiff fällt eben auf. Der Schiffsname, der Heimathafen und die Flagge waren im Stadthafen von Portoferraio DER Hingucker. Obwohl hier viele deutsche Schiffe liegen.

Aber immer mehr deutsche flaggen wohl Ihre Schiffe um. Jochen mit der SUNDOWNER hat mittlerweile ne holländische Flagge und ist auch dort registriert. Was das wohl für einen Grund hat? Ich kann verstehen, dass da die eine oder andere deutsche Behörde ihre Finger im Spiel hat.

Es ist irgendwie schön, hier auf Elba zu sein. Das Essen, die Leute, die Landschaft… aber jetzt freue ich mich auf den Herbst und den Winter in Iwwero. Wird mal wieder Zeit für richtig gutes Bauernbrot, Lewwerworscht, Brotworscht, Sauerkraut, Knödel, Enten und Gänse,…. Mann hab ich ein Hunger.

Aber jetzt noch 2einhalb Wochen ausspannen. Keine Halsen, keine Q-Wenden, keine MOB-Manöver, keine An- und Ableger, keine Kreise, nur raus aus der Bucht von Portoferraio und die BEFANA laufen lassen. Heute kommen Marius und Michael an Bord und nächste Woche meine Süße. Da freu ich mich drauf.

Mal mit dem Auto über die Insel, Weinfest in Capoliveri, Marciana Marina und Porto Azzurro, oder mal wieder auf den Monte Capanne.

Jedenfalls bin ich froh, dass ich jetzt erst mal keine Termine mehr habe. Außer die neuen Theorieeinheiten der neuen SKS Bewerber bei mir zu Hause. Die restlichen von diesem Jahr haben es fast alle geschafft. Aber nur fast.
Es reicht schon eine veränderte Windstärke oder Windrichtung und schon kann was schief gehen. Das tut mir echt Leid. Manchmal ist aber auch ein Prüfer nicht geneigt mal ein Auge zuzudrücken. Auf jeden Fall sind dieses Mal 80 Prozent durchgekommen und das freut mich natürlich. Den anderen kann ich nur sagen: „Kopf hoch, Ihr schafft das auch noch.“

So weit so gut. Jetzt kann ich mich die nächsten Tage erst mal mit anderen Projekten beschäftigen. Kleine Reparaturen liegen noch an. Die Gartenplanung für nächstes Jahr, Bücher schreiben, Freunde treffen und hin und wieder meinen Blog schreiben. Wenn mal ne Zeitlang nix neues drin steht, hab ich nix zu erzählen. Aber ich halt Euch natürlich auf dem Laufenden.

Auch die Törns 2019 versprechen spannend zu werden. Bleibt also dran.


Redakteur

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15.09.2018, 12:57

Wieder auf der Insel

Jetzt bin ich zurück auf der BEFANA. Alles im Lot. Das Schiff schwimmt noch, innen und außen alles okay. Keiner hat uns ne Schramme reingefahren. Nur die Kartoffeln vom letzten Törn hatte ich an Bord vergessen. Hab gar nicht gewusst wie sowas riechen kann, wenn es vergammelt ist. Gott sei Dank waren in die in einer Plastikschüssel. Die konnte ich auswaschen und desinfizieren.
Ich muss beim nächsten Mal besser nachschauen, dass ich keine Lebensmittel vergesse.

Tja sonst ist alles okay. Ich bin auf meiner Insel angekommen. Alle bekannten Gesichter sind noch da. Es hat sich eigentlich nicht viel verändert. Das eine oder andere Restaurant hat wohl den Besitzer gewechselt. Schaut man abends an der Promenade entlang ist der eine Laden brechend voll, in dem anderen wiederum ist nix los. Ob das womöglich an den Preisen oder der Qualität liegt kann man schlecht ausmachen. Gehen wir halt dahin, wo was los ist.

Gestern Abend hatte ich nen Termin mit einem Herrn, der sich im Winter und im kommenden Jahr etwas um die BEFANA kümmern soll. Netter Kontakt. Da hab ich auch wieder ein paar Neuigkeiten erfahren. Eine der großen Segelschulen hat wohl ihre Zelte hier auf Elba abgebrochen. Das wäre jetzt so ne Chance sich her niederzulassen, aber die Reise der BEFANA geht nächstes Jahr weiter Richtung Griechenland. Das ist beschlossene Sache. Aber man kann ja mal drüber nachdenken, was übernächstes Jahr so ist.

Außerdem ist das Leben hier auf der Insel schon recht teuer. Auch die Liegegebühren fressen einen auf. Das ist nix für uns. Was ich von meinem Freund Micha gehört habe, zahlt der in Griechenland gerade mal 15-20 Prozent von dem, was hier so aufgerufen wird. Na das können wir uns sparen. Und Griechenland ist schließlich auch reizvoll. Herrliche Buchten und Häfen, schöne Ankerplätze und gutes Essen. Was ich von den letzten Griechentörns nur bestätigen kann.

Heute war hier bisschen Action angesagt. Der Nachbar vom Motorboot, springt von seiner Yacht auf die Kaimauer und tritt auf die große Kette, die dort zum Festmachen liegt. Knickt um und liegt wie ein Maikäfer auf dem Rücken auf der Pier. Autscht und wird sofort ziemlich blass. Schnell sind ein paar Leute da, um ihm zu helfen. Was ich verstehe ist, dass es wohl „knacks“ gemacht hat. Einer holt Eis in der Bar, ich bring ihm ein Kissen und ein anderer hält ihn in Schockstellung. Dann isser weg… ohnmächtig. Ein Bekannter tätschelt ihm die Wangen und ruft seinen Namen, aber er reagiert nicht. 5 Minuten später ist die Polizei da und der Notarztwagen mit zwei Sanitätern und nem Notarzt. Jetzt ist der Patient wieder bei sich. Bekommt den Fuß abgetastet, den Blutdruck gemessen und wird wohl gefragt wo es denn weh tut. Nix tut ihm mehr weh und er steht wieder auf den Beinen. Das erinnert mich doch sehr an Fußball hier. Na ja. Die nehmen ihn jetzt wohl doch mal mit in die Klinik, um den Fuß zu röntgen. Man weiß ja nie. Vielleicht ist doch was kaputt gegangen.

So heute Nachmittag kommt ne neue Crew. Gestern schweißtreibend das Schiff geputzt. Kompletto sauber ist der Kutter jetzt. Paar Kleinigkeiten repariert und ne neue Trans-Ocean Fahne muss ich noch aufhissen. Dann nochmal nach der Schalteinheit des Getriebes schauen und dann geh ich ein Bierchen trinken. Hab´s ja nicht weit. Nur über die Straße.

Redakteur

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24.08.2018, 17:47

Einmal um halb Europa...

Nun sind wir doch noch los gekommen. Zwar mussten wir noch einen Tag länger warten, denn der Mistral blies schon mal ordentlich in den Golf von Lyon. Aber am Tag darauf lassen wir Menorca hinter uns und starten den großen Sprung nach Sardinien. Knapp über 200 Meilen heißt mindestens eine Nacht durch und fast 2 ganze Tage. Schaffen wir schon.

Die Tage werden immer heißer. Teilweise 34 Grad und mehr. Und wenn dann kein oder nur wenig Wind geht, ist das echt ne Qual. Man schwitzt vom Nichtstun. Bei der Überfahrt geht der erste Tag nicht wirklich schnell rum. Kein Wind und Jöns muss uns übers Meer schieben.

Herrlicher Sonnenuntergang und eine nicht ganz so dunkle Nacht. Der zunehmende Mond mit seiner halben Sichel schenkt uns genug Licht. Man kann sehr weit sehen. Nur leider hinter uns. Denn wir fahren Richtung Osten und der Mond wandert nach Westen.

Am Horizont blitzt es gewaltig. Das geht die ganze Nacht so. Gewitter auf dem Boot brauch ich nicht wirklich. Aber auch das zieht an uns vorbei. Nächster Morgen… der Sonnenaufgang direkt vor uns. Wir liegen dank Jöns gut in der Zeit und werden voraussichtlich gegen 17 Uhr auf Sardinien ankommen.

Und so ist es auch. In der Bucht liegen schon 8 Schiffe. Es gibt 10 Ankerbojen. Und so erwischen wir die vorletzte. Ruhige Bucht auf der Westseite von Sardinien. Die Crew fährt mit dem Dinghi mal an Land, um den kleinen Ort da drüben zu erkunden. Dummerweise gibt es in dieser Gegend kaum Handyempfang. Und so erreicht mich die Nachricht, dass es in dem Restaurant da drüben Pizza gibt, leider erst am nächsten Morgen. Macht aber nix. Ich war eh fix und fertig. Ich glaube ich werd krank. Schwitze wie ein Schwein, dann friere ich wieder und Halsschmerzen kommen auf.

Sowas. Es gibt doch angeblich auf dem Meer keine Viren. Muss ich wohl vom Landgang mitgebracht habe. Shit sowas.

Nächster Tag… es geht nach Korsika. Bonifacio heißt das Ziel. Mir war schon klar, dass im August die Häfen voll sind. Aber reservieren per Telefon eins, zwei Tage vorher geht schon nicht, Das kann ja lustig werden.

Ich fahr da mal rein. Die Meile der Hafeneinfahrt von Bonifacio ist schon spektakulär. Kreidefelsen, bis zu 40 Meter hoch rechts und links. Dann öffnet sich das eigentliche Hafenbecken. Und da kreuzen schon mindestens 7 Yachten und warten auf nen Liegeplatz. Der Funk quillt über auf Chanel 09, weil jeder versucht den Hafenmeister davon zu überzeugen, dass er der einzige ist, der einen Liegeplatz im Hafen braucht.

Ich schau mir das an und beschließe vor den Commercial Quai zu gehen. Ist zwar ein mieser Platz, aber besser als nix. Zu Fuß in die Stadt und Wasser und Strom. Aber das geht leider nur 1 Tag. Wir müssen weg. Und so kommt es, dass die Crew wenig Zeit hat, sich Bonifacio anzusehen. Zudem finden Sie nicht gleich den rechten Zugang zu den schönen Dingen. Ein Grund wiederzukommen.

Die nächsten drei Tage werden wir wohl buchteln gehen. Erst die schöne Isola Cavallo in der Straße von Bonifacio. Da glaubt einer der Einheimischen er muss die Bucht mit Techno beschallen. Und zwar Club-laut. Wenn Ihr wisst wie ich das meine. Aber die Anlage, die er hat, ist schon geil…. Ein Leben für den Bass

Und ja. Jetzt hab ich ne Erkältung, die sich gewaschen hat. Hab ich nicht oft und ich bin auch nicht empfänglich für so ne Männerrippe. Aber jetzt bin ich platt. Kopfschmerzen, Schniefnase und Husten wie ein Tuberkulosesilo…

Nächste Bucht kurz vor Solenzara auf Korsika. Die nehmen wir. Sieht gut aus und es ist Platz darin. Restaurant gibt´s auch, was will man mehr? Wir essen lecker und der Abend wird lang. Aber die Nacht noch länger.

Bis 02.30 liegen wir ruhig. Kein Wind. Spiegelglatte See. Doch dann geht´s los. Hier läuft eine kleine aber fiese Dünung rein und vorbei ist die Nachtruhe. Alle Teller, alle Tassen, alle Flaschen klappern in den Schränken. Es geht von rechts nach links und wieder zurück. Mal mehr, mal weniger. Sogar das Besteck in den Kästen rutscht hin und her. Ganz abgesehen von dem Knarzen des Schiffes und dem Knarren und Knacken des Baumes. Der Geräuschpegel ist schier unerträglich. Erst gegen morgen wird es etwas angenehmer. Aber da hauen wir mal ganz schnell wieder ab.

Nächster Ort Campoloro. Da war ich auch schon oft. Und? Wir kriegen sogar nen Hafenplatz. Da sagste nix mehr…. Endlich mal Batterien laden und die Wassertanks füllen.

Unsere Reise geht dem Ende zu. Ich kann die Cumulusbewölkung über Elba schon von weitem sehen. Das drüben ist es. Wir liegen wieder im Zeitplan und ich kann entspannt Marina die Campo und dann Porto Azzurro nehmen. Hier ist alles beim Alten. Marina di Campo der Dinghi Steg ist wie immer voll wie die Sau und jeder sucht abends sein Moped zum nach Haus fahren. Die Tschechen mit Ihrem Antiken Schiff sind auch wieder auf Elba und in Porto Azzurro ist der Hafen randvoll. Kenn ich alles schon. Will aber ja keiner glauben, wenn man es erzählt.

Heute letzte Etappe nach Portoferraio. Angekommen in meinem 2. Zuhause. Alles vertraut, die Bars alle noch da. Die Marineros kenn ich auch. Die Dame im Office auch. Und heute Abend geht´s lecker essen. Morgen fliege ich nach Hause. Haxe essen und gescheites Bier trinken.

Ahhh --- da war ja noch der Pit. Der macht morgen Abend Paella… hatte ich ja schon ewig nicht mehr.
Pit, Schnitzel mit Kochkäs wäre auch gut gewesen. Grins

So: 2878,5 Seemeilen liegen im Kielwasser der BEFANA. Angekommen pünktlich auf Elba. Alles weitestgehend noch ganz und keine sonstigen Verluste.

BEFANA ist ein zuverlässiger Partner für die kommenden Reisen.

Redakteur

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15.08.2018, 17:41

Gefangen auf Menorca


Die lassen uns hier nicht weg. Mir läuft die Zeit davon. Schon der dritte Gammeltag in Folge und es nimmt irgendwie kein Ende. Mir, oder besser gesagt uns ist langweilig.

Alles fing damit an, dass ich am Sonntag in den Waschsalon wollte. Bettwäsche der letzten Crew und Handtücher. Auch meine Bettwäsche war fällig.
Man muss wissen, dass man hier jedes Mal ein Wassertaxi braucht, um zur Stadt oder zur Marina zu fahren. Ziemlich umständlich. Mit dem Dinghi ist man fast ne Stunde unterwegs mit den 3,5 PS von Freddie. Und das bei den Wellen hier in der Bucht. Da bist Du tratsch nass, wenn Du ankommst. Das brauch ich auch nicht wirklich.

Also ich am Sonntag zum Waschsalon. Maschine defekt. HHmmm… ich geh zum Hafenmeister und frage im Office nach. Der sagt mir, dass die hier auch ne Wäscherei haben. Dauert aber 24 Stunden. Na gut. Machen wir. Ich lass meine beiden Taschen hier. Die freundliche Dame schreibt den Bootsnamen drauf „BEFANA“ nach dreimaligem Buchstabieren und dann hab ich Ihr den Namen doch auf nen Zettel schreiben müssen. Na egal. Hauptsache ich kriege meine Sachen wieder. Vollständig.

Wir fahren Montag in eine Bucht 9 Meilen nördlich vom Hafen. Schöne ruhige Bucht mit vielleicht 10 Schiffen. Von da aus wollte ich dann die Wäsche mit dem Taxi holen. Anruf in der Marina. Noch nicht fertig. Man~ana – tal vez… morgen vielleicht.

Okay. Spanien. Wir beschließen, da der Wind stärker wird und die Welle jetzt aus Osten kommt, also voll in die Bucht steht , zurück zum Hafen, sprich an den Steg vor der Illa del Rei. Machen wir. Und so kommen wir wie geplant kurz nach Mittag dort an. Auf dem Funk ist der Teufel los. 2 Franzosen und ein Österreicher versuchen mit ihrem Englisch den Marinero anzurufen. Auf Englisch? Erfolglos. Ich hab mal die letzten Tage zugehört.

„Marina Menorca- Marina Menorca, a qui est BEFANA – gambio….
Prompt eine Antwort. Geht doch. Der Marinero kennt die BEFANA schon. Rotes Schiff mit Hexe drauf. Nicht zu übersehen. Ich steh aber trotzdem in der Warteschleife bei 18 – 22 Knoten Wind, weil er gerade die beiden Franzosen irgendwie an den Steg zu bekommen versucht. Das funktioniert aber nicht. Immer wieder werden sie mit dem Bug weggedrückt. Trotz Bugstrahlruder. Keine Chance.

Beide brechen ihr Vorhaben entnervt ab. Marinero auf dem Steg B sieht mich am Streg A rumkurven und deutet auf einen freien Liegeplatz. Gestik: ob ich das alleine schaffe… Klar gestikuliere ich zurück. Ist ja auch einfacher gegen den Wind, als mit dem Wind wie die Franzosen. Langsam nehme ich Fahrt rückwärts auf. Nur den Gang rein. Gerade so schnell, dass die BEFANA noch manövrierfähig ist. Rechs von mir ein älterer Ami, ehemaliger Professor, wie sich später raus stellt. Links von mir ein Italiener mit einer nagelneuen Grand Soleil 52. Alle stehen mit Fendern bewaffnet auf ihren Decks und schauen dem Deutschen zu, wie er bei 20 Knoten Wind seine 44er in die Lücke drückt. Perfektes Anlegemanöver. Mit einer Crew, die eigentlich gar nicht anlegen kann, weil sie es noch nie gemacht haben. Aber alles klappt hervorragend. Ich bin drin. BEFANA ist fest und beide Nachbarn zollen ihren Respekt.

Der Ami-Professor später: I love perfection… and this was perfect…
Danke mein Lieber. Innerlich klopf ich mit auf die Schulter.

Zu guter Letzt kommt spät abends noch der Anruf, dass meine Wäsche fertig ist. Der Marinero bringt sie mit dem Boot zu mir. Na das ist doch mal was. 3 Laken, 2 Betttücher, 3 Kopfkissen, 6 Handtücher 69,90 €. Ich hätt besser neue Wäsche gekauft.

So nun. Heute ist Starkwind bis Sturm angesagt. Soll aber laut Windy-App gegen Mittag besser werden. Wird aber nicht. Und so bleiben wir auch heute hier. Ist glaube ich auch besser so. Der Italiener neben mir bleibt auch noch ne Nacht. Morgen soll der Sturm sich gelegt haben.

Übrigens ist Starkwind im Golf von Lyon nicht zu vergleichen mit anderen Winden. Das ist was Besonderes. Zu dem Sturm baut sich bis auf die Balearen und die Westküsten von Korsika und Sardinien eine erhebliche See auf. Und die Wellen von 3 – 6 Metern Höhe, die dabei entstehen, haben schon so manchen Segler oder Motorbootfahrer in die Knie gezwungen. Bobby Schenk und Jimmy Cornell segne nicht umsonst, dass der Golf von Lyon das gefährlichste Meer der Welt sei. Da ist was dran.

Also geht mir zwar ein Tag von meiner Planung verloren, aber wir werden daüfr morgen entspannteres Segeln haben. Die beiden Mädels an Bord werden es mir danken. (aber eigentlich wissen die gar nicht, was sie verpasst haben heute) Die eine hat gestern schon dass Heck der BEFANA vollgereihert…
Scherzbold, der Micha…


12.08.2018, 16:50

Etappenziel Menorca

Letzte Woche war echt anstrengend. Die Überfahrt von Ibiza nach Mallorca war noch ganz gut. Genug Wind und nicht so warm. Aber dann. Mallorca hat schon ein paar tolle Buchten. Aber auch hier ist im August der Teufel los. Motorboote en Masse. Und die benehmen sich wie Sau. Rein in die Bucht, raus aus der Bucht. Und immer schön den Hebel auf den Tisch, dass es bei den anderen ja schön wackelt. Ich könnt sie alle abschießen.

Aber wir haben noch ein Traumplätzchen gefunden. Auf der Nordwest Seite sind nicht so viele Touris unterwegs. Gut für uns. Wir finden abends in der Cla Tuent einen sensationellen Ankerplatz. Auf 7 Meter Wassertiefe fällt das Eisen in feinsten Sand. Hält sofort und wir legen noch ne Landleine. So sicher wie in Abrahams Schoß liegen wir hier. Blick auf den höchsten Berg von Malle, den Puig Major, immerhin 1445 Meter hoch. Klasse Aussicht. Und am Abend einen spektakulären Sonnenuntergang vom Boot aus. Die Crew und der Skipper können es fast nicht glauben. Mit uns nur etwa 6 Boote in der Bucht. Einsamkeit könnte man fas dazu sagen. Da die Sonne untergeht und etwa drei, vier Mal hinter einem Felsvorsprung verschwindet um dann immer wieder in einer anderen Rotschattierung für ein paar Minuten wieder hervorkommt, haben wir die Möglichkeit auch 3 – 4 Sundowner zu genießen. So muss das und nicht anders…

Nächster Tag… auf nach Menorca. 50 Meilen liegen vor uns. Wind? Fehlanzeige. Und so muss Jöns die ganze Arbeit machen und der Autopilot steuert die BEFANA Richtung letzter Balearen-Insel.
Wir kommen recht spät an, fahren in die Bucht, wo es einen Hafen gibt. Ciutadella. Aber der ist randvoll. Nix zu machen. Also ankern wir im Vorhafen neben dem Fähranleger und fahren abends mit Lucy in die Stadt. Menorca ist relativ flach. Keine Berge. Nur ein paar Hügel. Ansonsten sieht die Insel aus wie ein Plateau. Etwa 6 – 10 Meter hoch und dann komplett flach. Eigentlich nicht gerade schön. Hier bleiben wir aber über Nacht und morgen geht´s zum nächsten Etappenziel. Mahon.

Der große Naturhafen, wohl einer der größten in Europa, zieht sich mehr als 3 Meilen ins Land hinein. Da drinnen gibt es zahlreiche Marinas und Liegemöglichkeiten in Yachtclubs. Dachte ich…

Als wir versuchen auf Kanal 9 anzufunken, bekommen wir erst mal keine Antwort. Von keinem der Marinas. Kennen wir ja schon. Also fahren wir mal rein. Erster Hafen: Fehlanzeige. Kein Platz für 14 Meter, Zweiter Hafen: Fehlanzeige. Überhaupt kein Platz mehr. Wir drehen Runde um Runde in dem großen Hafenbecken, bis wir ein paar Marineros auf ihrem Schlauchboot sehen. Die halten wir an. Fragen höflich nach einem Liegeplatz und bekommen tatsächlich einen zugewiesen an einem Schwimmsteg vor der Illa del Rei.
Wasser ja, Strom nein. Und da soll die BEFANA eine Woche liegen bleiben? Na das kann ja lustig werden. Vor allem, wenn eine der gefürchteten Rissagas kommt. Das sind die berüchtigten Mini-Tsunamis auf Menorca. Und nur hier komischerweise. Aber die haben es in sich. Wer will kann ja mal auf YouTube suchen. Da gibt es Horrorvideos davon.

Im Nachhinein denke ich aber, dass der Schwimmsteg gar nicht so verkehrt ist. Ich entscheide hier zu bleiben. Was will ich auch sonst machen?

Nette Nachbarn haben wir auch. Alle Fahrtensegler. Keine Normalotouris, wie sonst. Also bleiben wir. BEFANA wird gut vertäut. Vorne zwei Mooringleinen, achtern je eine doppelte Heckleine. Gut abfendern und dann wird das schon gut gehen.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl fliege ich zurück. Beim Start sehe ich nochmal mein Schiff dort unten liegen. Die Marineros sind informiert, haben meine Handynummer. Also was soll schon passieren. Außer, dass mir einer in die Seite fährt beim An- oder Ablegen. Aber das kann ja auch passieren, wenn ich an Bord bin. Also Micha- entspann Dich und genieße die Woche zu Hause in Iwwero. Mach ich. Freu mich auf meine Süße und auf vernünftiges deutsches Essen und vor allem auf deutsches Pils-Bier. Nach 4 Wochen im Süden kann ich die Lagerplörre einfach nicht mehr trinken. Und Weißbrot und Nudeln gehen mir langsam auch auf die Socken.

Ich brauch mal wieder ein schönes Grohe oder ein Bitburger und ne Bratwurscht vom Norbert Larem aus Gernsheim. Das macht glücklich. Und so kommt es dann auch. Freu, freu, freu…

So und jetzt bin ich wieder hier. BEFANA hat´s überlebt. Ohne Schrammen, Batterien sind auch noch halbwegs voll. Trotz fehlendem Landstrom. Aber der Wein ist natürlich warm. Na dann mach ich mal den Kühlschrank an. Schöner Abend alleine. Heute kommt die neue Crew. Bin gespannt. Fabian, Caro, Mathias und Sibylle. Und auf geht´s nach Sardinien, Korsika, Elba…


30.07.2018, 18:23

Angekommen auf Ibiza

Denia braucht man nicht wirklich. Kein schöner Hafen. Zwar ist der Service ganz gut, aber die haben hier Sommerpreise, da wird einem schwindelig. Die letzten beiden Häfen haben zusammen um die 140 Euro Liegegebühr gekostet. Muss das sein? Dazu sind die sanitären Anlagen häufig in einem schlechten Zustand, bzw. einfach nicht gepflegt. Schade drum. Das ist das Geld nicht wert.

Als wir in Denia einlaufen, will die Speedfähre raus und kündigt das mit einem langen Ton aus ihrem Horn an. Und schon gibt der Capitano Gas. Ich mach mich in der Hafeneinfahrt mal ganz schnell vom Acker, bevor der mich überrollt. Einer der Segler, die mit uns gleichzeitig in den Hafen einlaufen, findet wohl keinen rechten Ausweichplatz. So dreht er um 180°und fährt wieder raus. Die Fähre hinterher und macht mit 5 kurzen Tönen ihr Wegerecht geltend. Na da bin ich aber froh, dass ich noch ein Schlupfloch gefunden habe…

Wir legen souverän an und nehmen mal einen ordentlichen Drink als Anleger. Eisgekühlter Gin Tonic. Den haben wir uns verdient. Hier ist es schon ziemlich heiß. Über 30 Grad und kein Lüftchen. Mittelmeer halt. Man hat mich gewarnt.

Die Überfahrt nach Ibiza am Sonntag war okay. Erst guter Segelwind, dann nach der Mittagsflaute auch noch die Nachmittags- und Abendflaute. Wir fahren 2/3 der Strecke mit Motor.

Die Ankerbucht, in der wir ankommen ist rappelvoll. Und schön isse auch nicht. Wasser ist schmutzig und jede Menge von den kleinen biestigen Feuerquallen. Anders als im Revierführer beschrieben. Ein Motorboot nach dem anderen jagt durch das Ankerfeld und mischt die Besatzungen auf. Hoffentlich hört das nach Sonnenuntergang auf. Es hört auf.

Der Sonnenuntergang war super. Diffuses Licht hinter den Bergen und orangeroter Himmel am Horizont. Die Berge im Gegenlicht nur als Scherenschnitt. Love it…

Tobi kocht lecker und wir haben einen netten Abend an Bord. Aber ich bin hundemüde und war glaube ich um 22.30 schon in der Koje. Schlafe wie ein Stein bis morgens um 8.00 Uhr.

Heute haben wir uns ne bessere Bucht ausgesucht. Cala San Miguel im Norden von Ibiza. Klein, nett und voll… Jede Menge Yachten und Motorboote drin. Da muss ich mal wieder Eier zeigen und fahre um die ganzen Ankerlieger herum von hinten dran und wir lassen unser Eisen zwischen zwei anderen Seglern ins 5 Meter tiefe Wasser fallen. Er gräbt sich sofort ein. Ich schätze mal ab, dass wir 25 – 30 Meter Kette draußen haben. Tobi stoppt die Kette und der Anker ruckt zwei, drei Mal ein und hält. Kurz einfahren und wir liegen mit dem Hintern der BEFANA, 10 Meter von der Steilwand weg. Check…

Heute muss Lucy, unser Dinghi ran. Das erste Mal ist es im Einsatz. Nagelneu kommt es aus seiner Verpackung. Ordentliches Teil. Quicksilver. 280 cm lang. Tragkraft über 400 kg. Na da können wir ja einkaufen fahren. Thomas, Katha, Tobi und ich machen dann schon mal ne Probefahrt um die Ecke. Holger muss leider zurück bleiben und Ankerwache halten. Nee - der Arme hat sich leider gestern verletzt. Eins der Motorboote hat ne Welle erzeugt als Holger gerade unten War Getränke zu holen. Er verliert bei dem Geschaukel das Gleichgewicht und stürzt mit dem Rücken auf die Bank im Salon. Ich hab gedacht uns hätte einer gerammt, so ein Stoß ging durchs Schiff.

Das hat wehgetan. Das weiß ich. Und das tut mir auch echt Leid für Holger. Aber unsere Ärztin an Bord meinte, er würde es wohl überleben. Dank Ibu und Ruhe kommt er schon wieder auf die Beine. Das erste Bierchen hat heute auch schon wieder geschmeckt.

Also wir waren schon mal in der Nachbarbucht in der Utopia Beach Bar. Ganz nett aber zu viele Holländer und Engländer mit kleinen Kindern. Zu laut. Aber der Mojito hat trotzdem geschmeckt.

Fazit… Lucy und Freddie funktionieren einwandfrei und verrichten gute Dienste. Fehlt noch die Taufe von Lucy und die Beschriftung. Das machen wir auf Elba. Hier ist es definitiv zu warm.




Redakteur

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27.07.2018, 18:12

3. letztes Etappenziel -Alicante

Am Dienstag sind wir im Etappenziel Alicante angekommen. Alles super geklappt und am letzten Tag vor Alicante doch noch mal einen super Segelwind gehabt. Mit bis zu 7 Knoten Fahrt über Grund sind wir dem Ziel entgegen gerauscht. Die Stimmung an Bord war klasse. Anna und Basti haben sich prima mit Norbert und Roland verstanden. So soll´s sein. Klar hat jeder mal vom anderen die Nase voll. Der eine redet zu leise, dass man alles immer nachfragen muss, der nächste babbelt (hessisch für redet) in einer Tour und der andere will einfach nur seine Ruhe haben. Aber nach 3 Wochen aufem Kutter darf das auch mal.

An Bord ist halt doch alles bisschen enger und man hat nicht so die Ausweichmöglichkeiten, hat quasi nicht mal eine Stunde Privatsphäre. Aber es geht doch immer wieder erstaunlich gut ab. Da freut sich der Skipper. Hat halt jeder so seine Eigenheiten.

Neue Crew, neues Glück. Kata und Toby reisen am Mittwoch an und am Donnerstag kommen meine Vereinskameraden Thomas und Holger dazu. Das wird auch ne lustige Truppe. Fing schon beim Einkaufen an. Ich hab die Liste per Mail verschickt und die beiden Alt-Segler haben natürlich nach meinem Geschmack ergänzt. Unter anderem Gin in verschiedensten Variationen und Tonic. Der Abend wird gut…

Natürlich fehlt uns ne Eismaschine an Bord, aber Holger hat sich in einer Gaststätte bemüht, Eiswürfel zu bekommen und – check… Super Abend mit Gin-Tasting. So was geiles. Ganz nach meinem Geschmack. Auch die Truppe verträgt sich. Ich bin der König.

Gestern waren wir in Alicante noch mal im Volvo Ocean Race Museum. Interessant mal zu sehen, was die Jungs und Mädels da so leisten. Das Volvo Ocean Race ist eines der härtesten „um-die-Welt-Rennen“ der heutigen Zeit. Und die Yachten sind richtig schnelle Rennmaschinen. Im Schnitt feuern die mit 22 Knoten über die Ozeane. Alicante-Gibraltar-Kapstadt-Australien-China-England-Schweden-NBorwegen-England-und wieder nach Alicante. So ungefähr ist die Route. Da waren Bilder zu sehen und Videos… nix für mich. Fahrtensegler leben da doch wirklich gesünder.

Gutes Essen, guter Wein, Landschaft gucken, und so weiter. Wir lassen es da eher ruhiger angehen. Heute zum Beispiel auf dem Weg nach Nordosten zum Vorletzten Hafen vor den Balearen. Super Segelwind am Anfang, später die übliche Mittagsflaute.

Heute überschreiten wir, wenn auch zu Fuß wieder den Nullmeridian. Greenwichtlänge. Wir sind wieder im Osten, dennn der Hafen in dem wir liegen heißt Marina Greenwich. Super Idee, liegt er doch wirklich genau auf dem Nullmeridian. Wir liegen mit dem Schiff 000°00,12´ West, und gehen essen auf 00°00,05 East…

Morgen soll´s weiter Richtung Nordosten gehen nach Denia. Vielleicht treffe ich da Vereinsmitglieder vom Trans-Ocean. Wollte die eigentlich nach günstigen Liegeplätzen für Menorca fragen. Hab ich aber schon per Mail. Und die wissen auch nicht weiter. Na da bin ich ja mal gespannt, was da auf uns zukommt. Liegegebühren und so.

Sonntag dann die Überfahrt auf die erste Balearen Insel. Ibiza oder Formentera. Das hab ich jetzt noch nicht entschieden. Mal sehen wie der Wind ist. Wir sehen uns.

Jetzt bin ich schon über 10 Wochen unterwegs. Halb Europa umrundet und alles noch ganz. Und alle überlebt. Außer dass ich mir heute mal wieder den kleine Zeh angerannt haben. Nix gebrochen offensichtlich. Aber der Nagel gespalten und geblutet wie Sau. Ich liebe diesen Moment, wenn der Schmerz nachlässt.


Redakteur

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23.07.2018, 12:15

Von Touristen, Buchten und Funksprüchen

Die letzten drei Tage waren eher unspektakulär. Wenig bis kein Wind und wenn doch, auf die Nase. Kennen wir ja schon zur Genüge aus dem Mittelmeer. Wie viele Chartertörns haben wir schon mehr motort, als gesegelt.

Keine Delphine mehr, nur am Horizont zeigen sich ab und zu ein paar Flossen. Fast keine Schiffe unterwegs. Weder Segler noch Fischer. Also gibt nix zu gucken auf dem großen Meer. Die Küste auch unspektakulär. Eine Mischung aus Hochhäusern, Gewächshäusern und braunen kargen Felsen. Dazwischen mal wieder ein Strand mit bunten Schirmchen. Nee - so einen Urlaub würde ich nicht machen. Von morgens um 10 am Strand liegen, nen Sonnenbrand abholen und nachmittags in die Bar, dann abends um sieben duschen und ab zum Essen, dann wieder Bar und um 02.00 Uhr ins Bett. Morgen dann das Gleiche wieder. Und das dann jedes Jahr und immer 2 Wochen lang.

Ich kann diese Art von Touristen in den Häfen erkennen. Ihre Kleidung, das Verhalten, die Art wie sie kommunizieren. Eben alles. Wenigstens haben sie heute keine weißen Tennissocken mehr an und keine Kamera umhängen. Hat ja jeder ein Smartphone. Und das wird auch fleißig benutzt.

Aber zurück zu unserem Trip. Vorgestern waren wir in der Genuesen-Bucht. Sehr schön und gut geschützt gegen Seegang. Aber die Fallwinde sind mit bis zu 26 Knoten durch das Ankerfeld geschossen. Eigentlich wollte ich das Dinghi mal ausprobieren, aber das wurde nix. Zu viel Wind.

Übrigens muss ich doch nochmal darüber nachdenken, ob es für die Zukunft wirklich ein Rocna Anker sein muss. Mein Plastimo Pflugscharanker hält bis jetzt immer sofort und bombenfest. Der ruckt richtig ein. Starkes Sicherheitsgefühl. Auch bei den Fallböen in der Bucht hat er keinen Meter nachgegeben.

Morgens war dann Ruhe. Kein Wind mehr und keine Welle. Sehr schöne Bucht und Basti war dann schon mal mit der neuen Schwimmbrille unterwegs. Zum Strand hin und zurück gute 800 Meter. Respekt mein Lieber.

Gestern dann sind wir unserem Etappenziel für die Tour wieder ein Stück näher gekommen. Mazzaron war der Hafen. Wir liegen längsseits direkt vor einem Nachtclub. Ein deutscher Segler warnt uns vor dem Liegeplatz, weil sich da in den frühen Morgenstunden wohl schon Dramen abgespielt haben, was Beziehungen anbelangt. Und laut wäre die Musik, bis morgens um 07.00 Uhr. Aber ich will hier bleiben. Denke nach… heute Sonntag. Die müssen ja morgen arbeiten und können nicht die ganze Nacht feiern. Und so war´s auch. Um 23 Uhr war Ruhe und es war fast kein Mensch mehr auf der Promenade. Basti wollte noch nen Absacker irgendwo trinken gehen und hat tatsächlich nix mehr gefunden, was noch auf hat. Nette Marina. Klein und übersichtlich und sehr schöne Promenade an der Waterfront. Kann man ebenso empfehlen wie Marina del Este.

Morgen Abend müssen wir in Alicante sein. Neue Crew kommt. 2 Davon schon am Dienstag. Ich hab da was mit den Terminen verpeilt. Shit auch…
Na irgendwie werde ich die beiden schon unterbringen auf der BEFANA.

Ansonsten alles gut aufem Kutter. Die Crew verträgt sich. Jeder hat so seinen Charakter, aber alles passt. Freut mich, wenn das so ist.

Heute wieder kein Wind. Jedenfalls kein verwertbarer. Schreibt doch Thomas was von 25 Knoten in Alicante. Sowas. Hier is nix.

Übrigens kommen jeden Tag mehrere Pan-Pan Meldungen über Kanal 16 rein. Es werden Alle Schiffe gebeten scharf Ausschau nach Flüchtlingsbooten zu halten. Sind wohl im Moment viele von Marokko nach Spanien unterwegs.
Gestern haben wir was davon auch in den Nachrichten gelesen. Aber ich glaube die werden alle schon draußen aufgefunden. Nicht so dicht an der spanischen Küste. Wir halten trotzdem Ausschau. Wie sich das gehört.
Die Spanischen Meldungen hören sich auf Englisch seltsam an. Wenn man da nicht weiß um was es geht versteht man nix. Gar nix.




Redakteur

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20.07.2018, 12:14

Noch 150 Meilen bis Alicante

Die nächste Etappe geht von Estebona über Fuendirola und Punta del Mona nach Almerimar. Gut 120 Meilen. Und mit jeder Meile wird es irgendwie wärmer. Simone hat schon Recht, wenn sie schreibt wir sind im Warmen angekommen. Manchmal gefühlt schon zu warm. Aber wir wollten ja hier her.

Die Häfen hier sind schon was Besonderes. Alle irgendwie anders. Mal mitten in der Stadt, mal mitten in der Pampa. Einkaufen wird in manchen Häfen zur Tortur. Die Crew schleppt Essen und Trinken herbei mit großen Taschen und Rucksäcken. Nur selten ist der Supermarkt gerade mal um die Ecke.

Aber immerhin bekommen wir immer einen Liegeplatz. Haben wir uns doch angewöhnt, vorher zu reservieren. Und anders als in Italien, klappt das bei den Spaniern hier auch. Nur muss ich manchmal darüber nachdenken, ob die uns richtig verstanden. In Marina del Mona zum Beispiel war der Hafen so eng, dass ich mit den 14 Metern der BEFANA schon gutes Augenmaß brauche, um in den Liegeplatz zu kommen. Vorne und hinten beim Drehen auf engem Raum gerade mal geschätzt ein Meter Platz. Also drehe ich nicht auf engem Raum sondern bugsiere die BEFANA gleich rückwärts da rein. Bugstrahlerbatterie warnt vor Entladung und dann geht auch schon nix mehr. Zu viel gebugstrahlt heute. Morgen ist die Batterie wieder voll. Aber da brauch ich es nicht mehr wirklich.

Wie ist das mit dem Wind hier? Die letzten drei Tage war es so: Wir fahren unter Maschine aus dem Hafen, etwa 2 bis 3 Meilen vor der Küste setzt dann Wind ein. Wahrer Wind 12 Knoten, scheinbarer Wind , je nach dem zwischen 10 und 16 Knoten. Würde ja zum Segeln reichen. Ich schau mir das ein Weilchen an. Wind ist stabil. Also in den Wind und Großsegel gesetzt. Dauert ungefähr 2 Minuten. Abfallen auf den alten Kurs. Vorsegel dazu. Volles Tuch dauert ungefähr 20 Sekunden. Und dann?

Flapp-flapp… Wind weg. Keine 4 Knoten mehr. Fahrt über Grund: unter 2 Knoten. Und der Wind kommt den ganzen langen Tag nicht zurück. Immer zwischen 4 und 6 Knoten wahrer Wind. Was soll man denn damit anfangen. Die See ist Spiegelglatt und kein Lüftchen weht mehr. 6 Stunden mit Jöns getuckert.

Kein Lüftchen mehr?
Doch! Kurz vor der Marina, wir sind dabei die Fender und die Leinen vorzubereiten, bläst der Wind mit 14 Knoten ins Hafenbecken. Genau das ist es, was ich an der Segelei so liebe. Wind wenn man ihn braucht, nicht vorhanden. Und wenn man ihn nicht gebrauchen kann, isser da.

Gestern haben wir mal 2-3 MOB Manöver gefahren. Dabei ist uns ein Block m Mast ausgerissen. Die Brocken davon hab ich heute gefunden. Nix tragisches, aber immer wieder was zu besorgen und einzubauen. So geht das.

Heute sind wir in Almerimar angekommen. Ein sehr aufgeräumter Hafen mit großräumigen Anlegerboxen. Easy einzuparken. Abends gehen wir essen und finden eine Tapas Bar mit einem coolen Typen als Bedienung. Der gibt uns ne Tageskarte worauf steht, dass ein Menü mit Vorspeise, Hauptgang, 1 Getränk (Bier oder Wein) und einen Kaffee zum Schluss 10 Euro kostet. Können wir erst nicht glauben. Ist aber so. Und die Qualität der Speisen war auch in Ordnung. Mit anderen Getränken zusammen und Kuchen und Schnappes für jeden bezahlen wir am Ende gerade mal 70 Euro für 5 Personen.

Heute geht’s weiter Richtung Murcia. Mal sehen wo uns der nicht vorhandene Wind hinträgt. Buchteln ist angesagt.

Gestern krieg ich ne Mail von meinem Freund Micha. Der ist mit seinem Schiff in Griechenland. Die Wohnung daheim ist ihm vor 4 Wochen bei einem Gewitter abgesoffen. Jetzt müssen die beiden ihren Törn abbrechen und nach Hause zum Aufräumen. So ein Sch… na da wünsch ich den beiden alles Gute und viel Erfolg beim Aufräumen zu Hause. Hoffentlich ist der Schaden nicht zu groß.


16.07.2018, 20:04

Wir sind im Mittelmeeer

Vilamoura haben wir am Freitag wieder verlassen. Der Hafen war nicht schlecht. Schöne Sanitäranlagen, netter Hafenmeister und gut geschützt hinter einem riesigen Wellenbrecher. Dort war so ne Art Jahrmarkt und meine Crew hat sich das dann abends mal angeschaut. Kamen alle spät zurück, nicht jedoch so spät wie die letzte Crew. Die haben es schon bisschen übertrieben. Aber gut. Junge Leute. Lass sie doch.

Samstag müssen wir früh los. Matthias muss seinen Bus kriegen. Der geht um halb sechs abends ab Gibraltar. Aber das schaffen wir locker denke ich. Strom hab ich berechnet, Windvorschau und so weiter. Müsste locker passen.
Um 09.00 Uhr legen wir ab. Underway to Gibraltar.

Am Anfang schiebt uns Jöns durch die Flaute. Wir müssen noch ein Fischzuchtgebiet umrunden. Dann setzt die Strömung ein und auch der Wind. Delphinshows begleiten uns und wir haben richtig Spaß. Der afrikanische Kontinent ist hier zum Greifen nahe. Keine 15 Seemeilen und wir sehen die hohen, schroffen Berge von Marokko. Ab um die Ecke in die riesige Bucht von Gibraltar. Da liegen sie wieder… die Großen Pötte liegen hier vor Anker. Mindestens 25 – 30 Stück. Und an fast jedem ein kleineres Tankschiff festgemacht.

Die Dicken werden hier von den kleinen betankt. Interessante Sache. Das Schweröl kostet hier in Gibraltar fast nix und das nutzen die Reeder wohl aus.
Matthias kriegt seinen Bus und wir gehen anschließend essen. Morgen Endspiel Kroatien gegen Frankreich. Ich würde es den Kroaten schon gönnen, dass sie das Ding zu sich holen. Aber es geht wohl anders aus. Schade.

Heute am Montag können wir erst gegen 12 Uhr unsere Wäsche aus der Wäscherein holen. Also fahren wir mit dem Taxi Bus mal zu den Affen von Gibraltar. Berberäffchen und Makaken leben dort auf dem Felsen schon seit 1706 erzählt uns der Fahrer. Die Engländer haben sie aus Afrika mitgebracht und dort ausgesetzt. Heute leben dort etwa 200 Stück in 5 Gruppen. Die Legende sagt: Wenn die Affen aus Gibraltar verschwinden, verlieren die Engländer das Territorium. Die Affen sind frech. Klauen den Touris Handys, Geldbeutel und Kameras, um sie dann den Felsen runter zu werfen. Ich hab aufgepasst wie ein Luchs, dass die nicht an meine Sachen kommen.

Heute Montag sind wir endlich im Mittelmeer angekommen. Wir liegen in Estepona an der Südküste Spaniens. Mit 20 Knoten Rückenwind sind wir mit 6 Knoten von Gib hier runter gerauscht. Super Segeltag und alle sind glücklich. Jetzt gibt´s erst mal was zu essen. Crew wohl auf, Schiff wohl auf… Besser geht´s nicht.


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