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02.07.2018, 11:03

Lissabon

Jaja… mit der Etappe bis „kurz vor Lissabon“ war es dann auch nix. Wir hatten am Donnerstagabend schon 67 Meilen auf der Logge. Und das nach fasst 10 Stunden Motorfahrt, weil eben wieder mal kein Wind war. Den Jungs war schon wieder langweilig. Aber wir hatte unterwegs auch ganz gute Gespräche. Zeit war ja da.

Drei, vier große Delfine haben uns dann noch etwas Spaß bereitet. Sind ne viertel Stunde neben dem Boot her geschwommen und haben immer mal wieder, um Luft zu holen, ihre grauen Rücken aus dem blauen Atlantik gehoben. Trotz Ihrer Größe von fast 3 Metern Länge und ihres Gewichtes, sind das sehr grazile Tiere. Die Bewegungen im Wasser sehen leicht aus. Die kurzen Auf- und Abschläge mit der Schwanzflosse beschleunigen die Tiere ungemein und ohne scheinbaren Kraftaufwand auf mindestens 20 Knoten. Sie ziehen Kreise ums Boot, tauchen unter dem Rumpf durch und kommen von hinten irgendwann wieder an, um sich die Menschen da oben an Bord anzusehen.

So hat es jedenfalls immer den Anschein, wenn sie sich während des Schwimmens zur Seite drehen und mit Ihren Augen das Vorschiff begutachten, wo 4 Männer mit Handys bewaffnet auf den richtigen Moment warten, ein Foto zu schießen… Ich glaube die sehen uns ganz genau.
Eine kurze Kommunikation zwischen den Delfinen- und schon sind sie gleichzeitig alle wieder verschwunden. Ich liebe das.

Also wir kurz vor 20 Uhr in der Ansteuerung des Flusses Tajo, der hier Lissabon quasi trennt. In der Hoffnung gleich am Anfang auf der Backbordseite der Einfahrt den ersten Hafen zu bekommen. Die Cascais Marina. Ich hab vorher schon mal versucht anzurufen. Wenn die aber abnehmen und man meldet sich auf Englisch, legen die meisten wortlos und sofort wieder auf. Auch ne Art. Oder Unart?

Am Funk sprechen sie ja schließlich auch Englisch. Na gut. Ich funke den Hafen etwa auf gleicher Höhe an, frage nach einem Liegeplatz für eine Nacht und bekomme nach Rückfrage zur Antwort. Nix frei für meine Größe. Die spinnen ja. Laut Hafenhandbuch gibt es dort etwa 650 Liegeplätze plus 40 astliegeplätze. Geschätzt sind aber nur etwa 200 Masten drin. Ich verkneife mir eine weitere Nachfrage, denn ich will ja den Feierabend des Herrn nicht stören.

Wir entscheiden uns nach Lissabon rein zu fahren. Mit 6,5 Knoten Fahrt durchs Wasser (was unsere Logge anzeigt) schieben wir uns mühsam den Tajo hinauf. Strömung des Flusses um die 4 Knoten, dann wir fahren in Wirklichkeit über Grund (zeigt unser GPS an) 2,6 Knoten. Also kann dauern bis wir ankommen.

Jetzt muss man dazu sagen, dass Lissabon und südlich davon die Algave das Segelmekka der Portugiesen ist. Dennoch hat alleine Lissabon wohl 14 Yachthäfen mit einer Liegeplatzkapazität von etwa 6500 Yachten plus ca. 1380 Gastliegeplätze.

Was uns allerdings die letzten Tage auf dem Atlantik aufgefallen ist… es ist nix los. Keiner da. Nur hin und wieder eine Yacht, die nach Norden oder nach Süden zieht. Langfahrer und Fahrtensegler, keine Urlauber. Charterboote gibt es hier unten wenige bis gar keine.

Wer also liegt auf den Gastliegeplätzen?

Gegen 23.00 Uhr haben wir es geschafft. Wir liegen in der Doca de Alcantara. Ein Hafen mit dem Charme einer Industrieruine. Hinter einem großen Containerterminal, direkt in Sichtweite zur Stahlkonstruktion der Brücke des 05. April, (sieht aus wie die Golden Gate in San Francisco) Die Autos die hier 6spurig Tag und Nacht darüber fahren, hinterlassen einen ununterbrochenen Geräuschpegel. Aber man gewöhnt sich ja an alles. Auch an das Donnern der verladenen Container und den Fluglärm und dass Bum Bum Bum der Clubs um den Hafen. Übrigens am Wochenende bis morgens um sieben.

Wir also erst mal da rein. Liegeplatz wohl von einem Dauerlieger gefunden, weil die Leinen schon auf dem Steg lagen, sodass der nur reinfahren muss und festmachen. Ist aber keiner da. Und kommt wahrscheinlich auch in der Nacht nicht zurück. Wir bleiben erst mal da. Strom angeschlossen, Bierchen aufgemacht. Morgen früh geht´s zum Hafenmeister.

Gregor ist zum Anmelden und Verhandeln des Liegeplatzes für eine Woche losgeschickt. Bootspapiere und Persos der Crew dabei. Ich frag da mal freundlich und bekomme zur Antwort: Eigentlich ist in ganz Lissabon kein Liegeplatz mehr für Durchreisende frei. Hähh? Nach Bitten und Betteln können wir jetzt dann doch erst mal bis Samstag hier bleiben. Der Eigner des Platzes kommt wohl zurück, also verlegen wir die BEFANA auf Raten des Hafenmeisters um einen Platz nach links. Direkt neben die Küstenwache. Auch gut. Die werden uns wenigstes die Fender nicht klauen.

Am Freitag dann erst mal Putztag für die Jungs. Wasser anschließen und Boot schrubben. Haben sie auch super gemacht. Wird wohl bei dem ganzen Industriestaub um uns herum nicht sehr nachhaltig sein.
Wir werden sehen, wenn ich am Freitag wieder hier aufschlage.

Abends gehen wir lecker Essen. Tomahawk Steaks vom feinsten. Echt super zubereitet und immer ein Steak für zwei Personen. Ich bin begeistert.
Morgen früh um 6 klingelt der Wecker. Eigentlich hab ich einerseits keinen Bock auf die nervige Fliegerei, andererseits bin ich auch gerne mal zu Hause bei meiner Süßen. Und in Iwwero… Freitag geht´s wieder hin. Wieder fliegen, wieder Flughäfen… brrr.

Redakteur

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27.06.2018, 20:49

Nazaré und die höchste Welle der Welt

Regattasegler an Bord… Nein. Besser gesagt 2 Diplom-Ingenieure, nämlich Aaron und Gregor, den Rechner Fabian und Nico der Feinwerkmechaniker, der sich auch in allen mechanischen Teilen auskennt. Wer sagt denn da, dass das eine schlechte Mischung zum Segeln ist?

Der Reihe nach: Dienstag legen wir um 10.00 Uhr in Muros ab. Die Jungs wären wohl alleine wegen den Festlichkeiten hier gerne noch geblieben. Aber wir müssen ja am Freitag in Lissabon sein. Hab ich ja schon gesagt.

Also um 10 ab Muros Richtung Figuera la Foz. Das ist der nächste Hafen und auch der einzige, den wir anlaufen können. Etwas über 60 Seemeilen. Windvorhersage für den Dienstag. Erst 4-6 Knoten, später „auffrischend“ (ich muss gerade lachen) auf 7 – 10 Knoten. Windrichtung Nord bis Nordwest. Wir fahren nach Süden. Okay.

Erst motoren wir ein Stück, weil wirklich nix bläst. Dann gegen 13.00 Uhr kommt die versprochene Brise. Wir setzen Groß und Vorsegel und schleichen uns mit 4 – 5 Knoten durch den Atlantik. Keine Welle, die uns ausbremst.

Die Landschaft zieht in Form eines ca. 100 km langen Sandstrandes an uns vorbei. Nix los da draußen. Heißt? Richtig! Den Jungs ist kacklangweilig. Ich kann das sehen. Mittags essen wir ein paar Spaghetti, die Aaron lecker zubereitet hat und nach dem Geschirr wegräumen kommt wieder diese Lageweile auf.

Wie gesagt. Wir haben etwa 10-12 Knoten wahren wind von achtern – macht einen scheinbaren Wind von ca. 6-8 Knoten. Wer sich auskennt – mit dem scheinbaren Wind wird gesegelt.

Ich als gemütlicher Fahrtensegler bin mit den erreichten 4,6 Knoten Fahrt im Schiff durchaus zufrieden. Die Strömung setzt noch einen Knoten drauf. Also kommen wir doch gut voran, denk ich. Nicht so meine Jungs..

Die Blicke der beiden Ingenieure schweifen durch das Vorsegel und das Großsegel, auf sämtliche Leinen und alles was sich sonst noch auf der BEFANA bewegen lässt. Und ich ahne schon was kommt.
Aaron fragt, ob man nicht was optimieren könnte an den Segeln. Und Gregor nimmt den Bootshaken und hält damit das Vorsegel etwas nach außenbords.

Jetzt sind sie alle 4 angeheizt. Es wird kurz diskutiert, was man verbessern könnte und schon geht der Stress los.

Kann man nicht… und was wäre wenn… wieso geht das so und nicht anders… Ich werde gelöchert und muss schließlich nachgeben…
Ich kriege auch versprochen, dass die Jungs alles wieder so zurückbauen, wie es war. Heißt im Klartext. Die 4 bauen innerhalb einer halben Stunde das ganze Schiff um.

Das Großsegel wird gefiert, bis an die Salinge, das Vorsegel mit dem Spinnaker Baum ausgebaumt und an sämtlichen Leinen gezogen und gefiert…

Hast Du nicht ein Buch über Segeltrimm? Hab ich. Zack, war es oben im Cockpit. Jeder nen kurzen Blick rein und schon geht die Befana auf üb er 6 Knoten Fahrt. Mit scheinbarem Wind von 7. Ich glaub ´s net. Aber die haben keine Ahnung vom Segeln und kitzeln den letzten 10tel Knoten Fahrt raus.
Na ja. Ich hab dann letztendlich wieder meine Ruhe. Die Jungs sind beschäftigt und glücklich, dass sie was zu tun hatten.

Gegen 21 Uhr laufen wir in Figuera la Foz ein. Ich Funke. Keine Antwort. Ich rufe an. Keiner geht ran. Na gut. Irgendwie werden wir schon nen Liegeplatz finden. Und wir finden einen. Aber kein Hafenmeister mehr da. Das Tor vom Steg in die Freiheit zu. Von innen und von außen. Das Restaurant zum Greifen nah. Keine 20 Meter. Aber wir kommen nicht raus. Am Steg in der Nachbarschaft hab ich ne deutsche Yacht gesehen. Gregor muss hin und fragen. Prompt sagt der nette Eigner, wir können seinen Chip haben, er legt sowieso morgen früh ab. Genialo. Also raus aus der Marina, rein in das Restaurant.

Die Empfehlung des Hauses: Kalbs-Kotelett vom Grill. Riesen Dinger. Mindestens 800 Gramm pro Stück. Mit Reis, Gemüse, Pommes bis der Arzt kommt und das für 15 Euro. Pappsatt gehen wir um 23 Uhr nach Hause.
Müssen Mittwochmorgen früh weg.

Um 15.00 Uhr Ortszeit ist Fußball. Das wollen wir sehen und wir haben 35 Meilen vor uns. Um 08.00 Uhr legen wir ab, nachdem ich versucht habe nochmal den Hafenmeister zu erreichen. Fehlanzeige. Also liegen wir ne Nacht umsonst. Haben einen geschenkten Chip und Strom für lau. Ich sach nix mehr.

Heute ging es nach Nazaré. Wer das nicht kennt soll mal Google fragen. Diort gibt es im Idealfall die höchsten Surfwellen der Welt. Bis zu 30 Meter wurden hier schon gemessen. Das liegt daran, dass der Meeresboden dort eine sehr lange und tiefe Schlucht bildet, wo die Wassertiefen von 4000 Meter auf nahezu 10 Meter rapide ansteigen. Die Welle hat keinen Platz mehr und baut sich riesenhoch auf. Sensationelles Schauspiel. Hier wurden Weltrekorde gebrochen. Nazaré läuft gerade Hawaii den Rang ab. Ehrlich.

Also wir waren pünktlich hier. Haben den Strandabschnitt der Riesenwellen gesehen, haben ne Kneipe gefunden mit Fernsehgerät und Fußball. Und wissen jetzt auch, dass Südkorea nicht nur gute Handys baut, sondern auch gut Fußball spielen kann. Herzlichen Glückwunsch. Mehr oder weniger verdient gewonnen.

Und morgen geht es auf die vorletzte Etappe kurz vor Lissabon.

Windvorhersage: 7-10 Knoten aus nördlichen Richtungen
Uups… da weiß ich ja schon was mir blüht morgen.
Viel Spaß Männer und macht mir nix kaputt.


26.06.2018, 11:06

Wir sind in Porto angekommen

Wir legen um 13 Uhr in Muros ab. Strahlend blauer Himmel, 28 Grad. Die Jungs und der Skipper sind gut drauf. Heute ist wenig Wind angesagt, aber wir müssen ja am Freitag in Lissabon sein. Die nächste Crew will ja auch pünktlich auf die BEFANA. Bleibt also nix anderes übrig, als mit Jöns, unserem Volvo, 10 Stunden über den Atlantik zu tuckern.

Wir kommen so gegen 14.30 Uhr etwa 5- 6 Meilen vor die Küste und der Himmel zieht sich zu… Dann sehen wir etwa 2 Meilen vor uns eine Nebelwand. Ich kenn das schon von der Ostsee und aus Kroatien. Aber das hier sprengt alle meine Vorstellungen. In die Wand rein. Null Sicht. Keine 100 Meter. Ich schalte das Radar ein. Wind ist jetzt komplett runter auf unter 2 Knoten.

Innerhalb von ner halben Stunde sind alle warm angezogen. Gefühlte 12 Grad hier draußen. Ich hasse es… Portugiesischer Sommer, dass ich nicht lache.
Was mach ich hier eigentlich?

Ich sehe einen dicken Pott auf dem Radar, versuche herauszufinden wie der heißt. Geht eigentlich mit Marinetraffic ganz gut. Ich kann ihn finden. Ein Amerikanischer Containerfrachter. Aber er hört meinen Funkspruch nicht. Ich wollte eben nur sicher gehen, ob er mich auf dem Radar sieht. Weil der Kurs von ihm schon ziemlich dicht an unserem vorbei geht. Ich kann das mit der Zielverfolgung des Radars ganz genau sehen. Er hat ziemlich genau 360 Grad Kurs und fährt etwa 20 Knoten schnell. Das bedeutet, die 6 Meilen, die er jetzt gerade mal Abstand hat, schrumpfen in ein paar Minuten ganz schön zusammen. Seine Geschwindigkeit und unsere 6 Knoten macht auf Gegenkurs genau 13 Minuten bis zum „Treffen“. Bei einem Abstand von etwa 1 Meile können wir sein Nebelhorn hören. Seine Position allerdings hätte ich ohne Radar anders eingeschätzt. Der Horror… Als das Ungetüm uns passiert hat, also achterlicher als querab ist, wird das Horn sogar noch deutlich lauter. Das ist mir physikalisch ein Rätsel. Egal. Er ist weg und jetzt sind nur noch die chaotischen Fischer da. Die Kerle fahren wieder mal wilde Manöver, unvorhersehbar und es scheint, als machen sie sich einen Spaß daraus auf uns zu zu halten. Wir ändern mehrmals unseren Kurs.

Gegen 0.00 Uhr ist es dann stockdunkel. Nix mehr zu sehen, außer auf dem Radar. Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht eins von den tausenden Fischernetzen überfahren, die hier überall lauern. Im Reeds Almanac sowie auf Skipperguide wird schon mal vor den portugiesischen Netzen gewarnt. Dass es aber in Wirklichkeit so viele sind, hätte ich mir im Traum nicht gedacht.
Die Jungs sind mit Rettungsweste und angeleint abwechselnd auf dem Vorschiff und leuchten unseren Weg mit Lampen aus, um Ausschau nach den Netzbojen zu halten. Aber man sieht eben nach ner Weile auch nix mehr, oder besser gesagt, man kann nichts mehr fokussieren, wenn man länger in die Nacht starrt. Ich kann das verstehen. Außerdem sind die Jungs und auch ich schon recht müde.

Mir fallen immer mal wieder kurz die Augen zu. Mein Bett wäre jetzt ein Traum. Aber ich muss durchhalten. Sekundenschlaf auf dem Schiff ist nicht so schlimm, weil alles doch recht langsam geht und der Autopilot die BEFANA sicher steuert.

Dennoch muss ich jetzt daran denken, was passiert wenn man so einen Sekundenschlaf im Auto bekommt. Da kommen schnell mal hundert Meter Strecke zusammen, die man blind zurück legt.

Ich hoffe, dass der Nebel sich irgendwann verzieht, tut er aber nicht. Er bleibt die ganze Nacht bis morgens gegen 4. Dann lichtet sich alles etwas.

Im Skipperguide steht, dass die Hafeneinfahrt von Porto, hier die Marina Douro, bei Westwinddrift gesperrt wird, weil vor der Flussmündung eine riesen Welle steht. Und vor den Strömungen wird auch gewarnt.

Um 05.00 Uhr nehme ich etwas Fahrt aus der BEFANA, dass wir wenigstens bei Dämmerung in den Fluss einlaufen. Ich kann trotz Windstille (1,2 Knoten) und trotz absolut ruhiger See erkennen, wie sich die Dünung vor der Einfahrt aufbaut. Hier würde ich bei „Wetter“ nicht reinfahren wollen.

Wir passieren das rote Backbord-Hafenlicht und können das steuerbordseitige grüne auch schon sehen. Außerdem gib t es ein Richtfeuer mit Ober- und Unterfeuer. Ich steuere die BEFANA in die Richtfeuerlinie und mache den Autopilot wieder an. Der steuert normalerweise zuverlässig einen geraden Kurs. Nicht so im Douro River. Die Nase der BEFANA geht im Winkel von 5 Grad nach rechts und links. Ich muss mehrfach nachsteuern. Um 06 Uhr liegen wir fest im Hafen. Bin froh dass der Tag und vor allem die Nacht ein Ende hat.




24.06.2018, 11:35

Wind und Welle

Am Donnerstag sind wir gegen 11 Uhr los. Richtung Westen und dann nach Süd. Der Wind nimmt übern Tagesverlauf zu. Bis 35 Knoten und fiese Welle, 3-4 Metern von hinten. Wir reiten mit bis zu 8 Knoten Geschwindigkeit über die Wellen. Alle sind ganz gut drauf. Keinem wird richtig schlecht. Das ist gut so. Harte Jungs. Abends gegen 19.00 Uhr sind wir in Muxia. Kleiner Hafen. Es liegen nur 12 Schiffe drin. Der Hafenmeister nimmt die Leinen an weil wir beim Anlegen noch über 20 Knoten Wind haben. Aber die BEFANA lässt sich super manövrieren. Wir liegen wie in Abrahams Schoß.

Freitag geht´s auf nach Muros. Etwas über 35 Meilen liegen vor uns. Der Wind hat etwas nachgelassen und gegen 113 Uhr ist auch die Welle weg. Super Segeltag Von Hafen zu Hafen… Wir kommen spät an. Es ist so gegen 18.30 Uhr Wir gehen zum Essen und schauen uns noch Fußball an. Gegen 22.30 Uhr mach ich mich auf den Heimweg und die Jungs wollen sich noch etwas im Ort umsehen. Umsehen?
Sie finden eine Fiesta im Ort, bei der es wohl richtig abgeht. Die Videos hab ich gesehen. Das letzte Bild kam wohl so gegen 04.00 Uhr in die WhatsApp Gruppe. Na das gibt dann wohl einen Hafentag. Und richtig… der letzte wird gegen 13 Uhr wach. Aber die Bilder und Videos waren schon „interessant“. Wenn ich 15 Jahre jünger wäre, hätte ich mich sicher angeschlossen.

Der Hafentag hat aber auch was. Wir reservieren uns nen Tisch für abends direkt vorm Fernsehgerät und so können wir ungestört WM beim Essen gucken. Hat was. Heute geht´s dann nicht mehr auf die Fiesta… Die Jungs müssen fit sein. Nachtfahrt steht an.


20.06.2018, 14:06

Wieder auf der BEFANA

So. Ich bin wieder in La Coruna. Befana geht es gut. Es wackelt aber ordentlich hier am Steg. Offen zu der Hafeneinfahrt der großen und so hüpft unsere Hexe ½ Meter rauf und runter, wenn draußen einer vorbei fährt. Können sich die Jungs schon mal dran gewöhnen…

Gestern der Flug war wieder ne Katastrophe. Der erste Flieger ne Stunde Verspätung – und der zweite dann logischerweise weg. Der war pünktlich. Ärger macht sich breit. Und am Serviceschalter von Iberia 40 Leute, die sich erkundigen wollen. Personal: 2 Personen, wovon einer nur zuhört.

Gregor versucht die Hotline zu erreichen. Niggese passiert. Schließlich bekommen wir von einem freundlichen Herrn der Fluggesellschaft dann doch kurzfristig noch 3 Tickets. Weiterflug um 19.30. Ankunft La Coruna: 21.00 Uhr.

Na, so war das nicht geplant. Fabian und Aaron warten sicher schon ungeduldig… Weit gefehlt. Die beiden waren am Strand, haben schon mal Bier gekauft und natürlich auch davon probiert. Und als wir ankommen, sitzen ssie aufem Nachbarboot und amüsieren sich mit 2 älteren Herren einer deutschen Yacht mit… Bierchen.

Der Abend war lang und es gab natürlich viel zu erzählen. Die Jungs sind alle gut drauf und der Törn verspricht gut zu werden. Spür ich.

Heute große Wäsche bei mir. Die Jungs gehen einkaufen und Pablo – mein spanischer Monteur war auch da. Klappt doch.

Befana hat wieder ein voll funktionsfähiges Ladegerät und ich hoffe, das funktioniert auch alles. Vereinbarter Preis ist gezahlt und morgen kann es los gehen. Soll ja ordentlich Wind geben. Bis 25 Knoten. Allerdings von achtern. Das scheint ja dann nicht so schlimm zu sein. Wir werden sehen.

Heut Abend geht´s erst mal lecker Meeresgetier essen. Und lecker Weinchen trinken. Bin gespannt.

Redakteur

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10.06.2018, 18:23

La Coruna - Iwwero

Es sieht tatsächlich so aus, als würde mein Blog auch hin und wieder gelesen werden. Jedenfalls kommen ab und zu Kommentare von Lesern rein. Na, da scheint ja die Schreiberei doch nicht ganz umsonst zu sein. Was ich allerdings bei meinem Provider vermisse – man kann keine Bilder in den Text des Blogs einfügen. Jedenfalls hab ich´s noch nicht hingekriegt. Wenn einer nen Tipp hat?...

Aus diesem Grund hab ich in der Rubrik „Reisen und Bilder“ (Button links am Rand) eine neue Galerie eingefügt. Die Reisen der Befana. Da sind jetzt schon mal 100 Bilder drin, vom Kauf in 2017 bis zur Überführung mit dem Zwischenziel La Coruna. Wen´s interessiert…

Außerdem wurde die Charter-Galerie endlich mal um die Reisen Malta, Kanaren und Karibik ergänzt. Da sind wirklich tolle pics dabei. Das macht Lust auf Meer. Und an dieser Stelle danke an Schorsch, Manfred, Jürgen, Ludwig und den Rest der Karibik-Truppe für die tollen Aufnahmen.

Aber zurück zur BEFANA-Reise.
Gestern Rückflug von La Coruna… Hoffentlich das vorerst letzte Abenteuer dieser Art. Es hat schon morgens angefangen…

Am Abend vorher, auf dem Weg in die Altstadt, sind wir am Taxistand vorbeigekommen, wo angeblich immer Taxen stehen. Man braucht nicht vorzubestellen sagt man uns, das klingt ja gut.

Ziel war aber ja in die Stadt, lecker Meeresfrüchte essen. Wir suchen eines der vielen Restaurants aus und ich hab bei dem Chef (spricht übrigens sehr gutes Deutsch) nachgefragt, ob er ne gemischte Vorspeise aus Meeresfrüchten für drei Personen machen kann. Macht er… Ich bestelle einen halben Liter Weißwein dazu und dann kommt´s… Als erstes bringt er ne Flasche. 0,75 sind ja schließlich nicht viel mehr als ein halber Liter.

Dann fängt er an aufzufahren, 1. Teller, 2. Teller, einer besser als der andere… ich bestelle inzwischen meinen Hauptgang, ein 250 gr dry aged Entre Cote… dann 3., 4., 5., 6., 7., Teller. Alles voll mit sehr leckeren Sachen. Das geht so weiter bis ca. zum 10. Teller, bis ich ihn einbremse und sage es reicht. Wir sind satt… und ob ich denn das Steak wieder abbestellen kann. Klar, meint er grinsend, hat er sich eh schon gedacht. Na dann is ja gut. Ich hätte nix mehr rein bekommen. Der Schnaps, ein spanischer Grappa, ging dann wohl noch auf´s Haus.

La quenta per favor… 210 Euro für 3 Personen. Na Sven hat ihn noch auf 190 runter gehandelt. Redet mit ihm, woher er so gut Deutsch kann. Da stellt sich heraus, dass er in Darmstadt studiert hat und 3 Jahre in der Göbelstraße gewohnt hat. Die Welt ist ein Dorf. Selten so lecker gegessen. Aber auch selten so gefoppt worden. In 10 Tagen geh ich mit meinen Jungs nochmal hin und dann reden wir vorher übern Preis. Der versteht mich nämlich ganz gut… Damstädter…

Ich also gestern Morgen, bissl knapp mit der Zeit, mit meinem Handgepäck zum Taxistand. Keiner da. Na toll. Ich warte 10 Minuten, 20 Minuten… endlich kommt da ein Taxi vorbei. Ich winke. Er winkt zurück. sehe im Augenwinkel , dass er einen Fahrgast drin.hat. Langsam werde ich panisch, weil meine Boardingzeit in ner Stunde ist. Und die Fahrt zum Flughafen dauert auch 20 Minuten. Aber er kommt zurück und ich bin noch pünktlich am Airport. Eingecheckt hatte ich schon online und die Bordkarte auf dem Handy.

Der Flughafen ist Gott sei Dank so klein, dass ich schnell durch die Sercurity bin. Alles geht gut. Umsteigen in Madrid. Nicht mehr so gut.
Flieger ist zwar pünktlich zum Boarding bereit, aber die Franzosen streiken wieder Mal. Die Fluglotsen lassen nur wenige Flugzeuge in den französischen Luftraum. Außerdem in Frankfurt Gewitter. Fazit: 1 Stunde Verspätung.

Sven und Simone fliegen über Lissabon. Die erwischt es schlimmer. Kommen gegen 23 Uhr erst nach Hause.

Ich bin wieder in Iwwero. Meine Süße hat mich vom Flughafen abgeholt und wir haben viel zu erzählen. Der Abend wird lang.

Diese Woche gibt´s auch hier viel zu tun. Vorbereitung für 2 oder 3 Crewtreffen, Segler-Info-Tag am Samstag von 17 bis 20 Uhr und natürlich das Highlight der Woche: Tag der offenen Höfe in Iwwero

Da wir da auch mitmachen, ist halt immer was zu tun. Wer übrigens am Sonntag Zeit hat… das lohnt sich. Ein Blick in die schönsten Höfe des Dorfes. Und da sind ein paar wirkliche Kracher dabei.
Bei uns gibt´s original Painkiller… das ist DER Cocktail aus der legendären Soggy Dollar Bar auf Jost van Dyke in der Karibik, Carib beer und immer was zu erzählen und zu erleben.

Na dann… man sieht sich. Entweder beim Seglertreffen am Samstag oder beim Tag der offenen Höfe.




Redakteur

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08.06.2018, 14:58

Der Fluch der Biskaya

Die Biskaya… schon schreckliche Geschichten darüber gelesen und gehört. Lastet da vielleicht ein uralter Fluch auf der Biskaya? Oder ist alles nur Seemannsgarn. Also Geschichten, die man als Seemann den Landratten erzählt, um sie damit zu beeindrucken.

Also ich hatte am Montag den ganzen Tag ein etwas mulmiges Gefühl im Bauch. Obwohl ich sonst nicht ängstlich bin und ja schließlich weiß, was ich tue.
Mit dem gewissen Respekt und der Umsicht eines erfahrenen Skippers.

Folgenden Plan hatte ich die ganze letzte Woche schon im Kopf. Immer wieder im Geiste hinterfragt, und immer wieder zu dem gleichen Schluss gekommen. Montag laufen wir kurz vor dem Abend HW aus.

Proviant wurde gekauft, Essen vorgekocht. Das Schiff nochmal inspiziert, vollgetankt. Um 20.30 Uhr Start. Vor uns liegen etwa 350 Seemeilen über den offenen Atlantik. Die Überquerung des Festlandschelfs (der Übergang von einer durchschnittlichen Wassertiefe von etwa 80 – 120 Meter relativ schnell auf 4000 Meter abfallend. Steile Schlucht: Sieht man sehr gut auf Google Earth).
Zur Information, wenn da Wellen vom Atlantik Richtung Festland laufen, können Brecher entstehen, die mehrere Mal höher sind, als die Welle im tiefen Wasser. Und sie brechen, d. h. sie überschlagen sich. Für jeden Surfer eine Freude, für den Segler Lebensgefahr. Na gut. Deshalb ja auch mein Respekt.

Aber das Wetter sah für die nächsten Tage ja gut aus. Welle zwischen 1,00 und 1.50 Meter, Wind raumschots bis halb mit Stärken zwischen 12 und 20 Knoten. Das wäre ja super, wenn das so stimmt.

Wir sind guter Dinge. Der Wachplan ist erstellt und der Notfallplan auch. Sven und Simone wissen also Bescheid. Wache in der Nacht: 20.00 Uhr bis 23.00 Uhr Sven, 23 – 02 ich, dann wieder 3 Stunden Sven und den Rest ich. Dazwischen sollte ein bisschen geschlafen werden. Die Zeiten hat Sven sich aussuchen dürfen, auch wenn er anfangs üb er die Hundewache von 02.00 bis 05.00 etwas gemeckert hat. Einer muss sie ja gehen.

Wetter passt also. Jimmy Cornell hat visuell auch zugestimmt – na dann los.
Und ich sag es Euch… Es ist tatsächlich ein Fluch. Aber der Reihe nach.

Von Brest aus abgelegt, fährt man erst mal ca. 4 -5 Stunden durch den betonnten „Kanal“ bis zur letzten Gefahrentonne, einer Westtonne. Die steuern wir an. Gegen 23 Uhr wird es dunkel. Wir haben schon lange die Positionslaternen an und beobachten das Treiben um uns herum. Schiffe kommen herein, andere fahren auch raus. Alle schön beleuchtet. Sven und ich sitzen im Cockpit und steuern abwechselnd die BEFANA.Es fängt auf einmal an zu schütten, wie aus Eimern. Mein Ölzeug ist nicht ganz dicht, wahrscheinlich vom Waschen die Imprägnierung raus. Ich friere etwas. Wir fahren mit Maschine und wollen zu der besagten West-Tonne. Mittlerweile ist es stockdunkel. Wir sehen auch die ganzen Fischer um uns herum. Die haben alle genügend Abstand und es kann nix passieren.
Plötzlich – wir sind beide ziemlich erschrocken.. ein riesen greller Scheinwerfer direkt auf uns gerichtet. Geschätzter Abstand ca. 600 – 700 Meter. Und kommt natürlich näher. Durch das Blenden des grellen Lichts können wir auch keine Positionslampen von dem mehr sehen. Der war da vorher definitiv nicht. Jetzt schaltet er seine Pos.-Lampen ein und grün über weiß. Der hat sie doch nicht alle. Ein Trawler mit Schleppnetz und mit 7-10 Knoten Fahrt direkt auf uns zu. Der Strahler sollte ne Warnung sein. Spinnt der? Ich versuche auszumachen wie sein Grenzkurs ist, um mich vom Acker zu machen, steure die BEFANA um 180 Grad auf Gegenkurs. . Aber steuert anscheinen auf mich zu. Jetzt erkennt Sven das Backbordlicht von dem und wir drehen wieder über unsere Backbordseite ab. Da rauscht er auch schon mit voller Fahrt hinter uns durch. Keine 50 Meter entfernt. So ein Riesen Arschloch. Der hätte uns glatt versenkt.

Wir schauen jetzt noch genauer hin in der Dunkelheit. Aber wenn einer seine Lichter nicht an hat, kann man ihn eben auch nicht sehen. Wir entdecken noch 2 davon. Ein gutes Beispiel von einem verantwortungsvollen Fischer haben wir aber auch. Einer von denen – etwas später – funkt auf Kanal 16:
Sailingvessel under Engine, in Position 43°..minutes north, and 004°..mintues west, Speed 6,5 knots, beering… 243°… please keep more distance of our boat….we are on work, please call on channel 16… one, six… over..

Ich melde mich mit BEFANA und frage nach dem Abstand.
Da meint er 500 yards seien okay.
Super, machen wir. Und auf dem Radar kann ich gut den Abstand einschätzen. Klasse Kerl. Geht doch auch so. Er bedankt sich.

Gegen 02.30 passieren wir die Tonne West und setzen Segel. Läuft ab jetzt. Wir sind im freien Seeraum, keine bis wenige Fischer mehr hier draußen. Und gegen 10 Uhr morgens sollten wir das Festlandschelf passiert haben. Alles super so weit. Es hört auch zwischendurch mal wieder auf zu regnen. Aber von Sonne und Wärme keine Spur. Allen ist trotz guter Kleidung schon ziemlich kalt. Und jeder ist froh, wenn er mal für eine oder 2 Stunden unter die Sprayhood oder nach unten kann.

Wir laufen mit Wind von achtern nur unter Vorsegel bis zu 7 Knoten. Die Strömung setzt noch einen Knoten drauf und so kommen wir zügig voran.

Crew: Sven macht seinen Job sehr gut. Simone steuert auch mal. Aber sie hat bisschen Probleme mit dem nach unten gehen. Toilettengang und prompt wird sie seekrank. Wie aus heiterem Himmel. Nicht so schlimm, wie manche anderen, aber ein paar Mal muss sie doch über die Reling. Sven und mir geht´s hingegen gut. Wir haben alle Rettungswesten an und sind mit den Lifelines am Boot gesichert.

Die ersten Nachtwachen laufen nicht so regelmäßig. Keiner von uns kann während der Freiwache richtig schlafen. Und so teilen wir uns das etwas anders ein. Klappt aber auch. Jedoch fallen die Mahlzeiten bei allen etwas spärlich aus. Keiner will richtig was essen und jeder macht sich halt was, wenn er gerade Hunger hat. Soll halt so sein.

Der Dienstag läuft gut. Die Nacht auf Mittwoch auch im Wesentlichen. Die Übergaben zu den Wachwechseln werden professioneller. Und wir freuen uns auf die Dämmerung. Die ganze Nacht sind wir mit Radar gefahren, um so eine Situation wie mit dem Fischer nicht mehr zu haben. Aber das geht halt auch auf die Batterien. Die Radarantenne hat immerhin 2 KW. Also fahren wir immer mal wieder mit dem Motor ein Stück oder lassen Jöns einfach im Leerlauf mitlaufen.

Gegen Mittwochabend brennt allerdings am Schaltpanel am Kartentisch eine rote Warndiode. Ohweih. Die Batterien. Wir machen als die Selbststeueranlage mal aus und auch das Radar schalten wir ab… Beobachten den Ladezustand der Batterien. Bloß nicht in den Keller fahren. Maschine läuft also mal mit und die Ladekapazität steigt etwas. Irgendwann um 23.00 Uhr Warnton, wegen Tiefentladung. Ich schau auf den Voltmeter und erschrecke. Ladezustand unter 10 Volt. Das ist normalerweise das Todesurteil von Batterien. Wir haben 3 mit je 140 Ampere. Das kann teuer werden, wenn die abkacken. Ich lese Im Handbuch. Messe den Strom am Laderegler, an der Trenndiode und an den Batterien selbst. Aber mein Gerät, ein einfacher 12 Volt Phasenprüfer, leuchtet. Scheint doch alles zu funktionieren. Wir zerbrechen uns die Köppe…

Wir schalten alle Verbraucher ab. Sämtliche Navigationsgeräte und die Innenbeleuchtung. Es brennen nur unsere Positionslampen und das Kompasslicht. Trotzdem geht die Batterieladung immer weiter in den Keller.

Die BEFANA hat eine Notschaltung, dass wenn die Batterien entladen sind alle Verbraucher abgeschaltet werden und nur noch die Positionslichter den Reststrom bekommen. Das funktioniert auch. Nix geht mehr aufem Kutter, außer rot/grün und Hecklicht.
Aber gegen 03.00 Uhr morgens gehen auch diese fast aus. Man sieht uns nicht mehr. Außer auf einem Radar. Totaler Blindflug.
Ich hänge die Taschenlampe, die mir Basti mal geschenkt hat über den Kompass, dass wir wenigstens unseren Kurs ablesen können. Funktioniert.

Wir legen die Hupe bereit und eine starke Lampe zum Anstrahlen der anderen. So wie es der Fischer auch gemacht hat. Nur der halt mit Absicht.

Gott sei Dank haben wir noch unsere Powerbänke, um wenigstens unsere Handys am Laufen zu halten. Navionics weist uns zuverlässig den Weg.

Gegen 04.00 Uhr versuche ich über mein Handfunkgerät die Küstenwachen zu erreichen, um die wenigstens über unsere Geisterfahrt zu unterrichten. Ohne wirklich Hoffnung zu haben, dass meine Handfunke so weit gehört wird. Reichweite normalerweise so ca. 1 – 2 Seemeilen mit vernünftiger Transmission, wir sind aber mindestens 20 Meilen vom Land weg. Und tatsächlich… beim 2. Versuch meldet sich Coruna-Traffic. Nette Menschen dort am anderen Ende. Nach Bekanntgabe unserer aktuellen Position, unserer Geschwindigkeit und dass wir mit Maschine fahren erkläre ich ihm, dass wir totalen Stromausfall auf der BEFANA haben. Kein Licht, keine Navi-Instrumente, nix mehr.
Er fragt mich obligatorisch ab. Schiffslänge, Farbe des Rumpfes, wie viele Personen an Bord, ca, ETY (Ankunftszeit für La Coruna). Fragt ob wir Schlepphilfe benötigen oder Begleitung. Nein brauchen wir nicht. Aber eine Securité Meldung für alle anderen Schiffe wäre nicht schlecht. Macht er prompt und nach ner halben Stunde ist keiner mehr wirklich um uns herum. Er wünscht uns alles Gute und bedankt sich sehr für die Information unseres Blindfluges. Wir sind erleichtert. Gut dass ich die kleine ICOM habe.

Gegen 08.30 Uhr machen wir in La Coruna, Real Club Nautico fest. Alle sind geschafft und froh dass der Ritt ein Ende hat. Und der Fluch der Biskaya uns hat am Leben gelassen. Aber es regnet in La Coruna und es ist zu kalt. Nur 15 Grad.

Nachdem wir jetzt alle mal richtig ausgeschlafen haben, war heute ein Techniker da und hat die Ladeeinrichtungen durchgemessen. Der Übeltäter ist gefunden. Die Trenndiode zwischen Lichtmaschine und Batterien hat ne Macke und lädt nicht mehr. Das Bauteil ist relativ neuwertig und hat noch nicht wirklich viel leisten müssen in seinem Leben.

Ich bin ja nicht abergläubisch. Aber die verfluchte Biskaya hat schon was Mystisches. Spuky… sowas.

So heute haben Sven und ich die BEFANA vom Salz der BISKAYA befreit und der Fluch ist von unserem Schiff abgewaschen. Ab jetzt kann´s dann auch mal wärmer werden. Wir fahren ja nach Süden.

Aber auch schöne Seiten hatte die Überfahrt. Jeden Tag und immer wieder Delfine mit uns und direkt am Boot. Die freuen sich über jede Gesellschaft. Springen durch die Luft und tauchen mit unter dem Boot durch, Springen wieder und wieder durch die Bugwelle oder lassen sich hinter uns herziehen. Sehr geiles Schauspiel und sehr schöne Tiere...


04.06.2018, 17:02

Heute schreibt Simone mal einen Blog

Jetzt sind wir bereits über eine Woche unterwegs, die Zeit vergeht und haben selbst noch keine Zeile geschrieben. Zum Glück ist Micha disziplinierter. Bevor wir heute Abend mit dem Hochwasser Brest verlassen und La Curuna entgegensteuern, nutze ich die letzten Stunden mit Strom um das Erlebte in Worte zu fassen.

Und zu Beginn spreche ich erst mal für mich alleine: der Zugeraasde (hess. für kein Einheimischer) kann die Zeiten meiner Kindheit und Jugend in Iwwero gar nicht kennen, in denen am Tag drei Busse nach Darmstadt fuhren. Ja, dann kann man sich schon mal aufs Busfahren auf Jersey freuen, zumal das Miteinander von Passagieren und Busfahren ausgesprochen höflich ist. Ihr könnt mal probieren was passiert, wenn ihr zu Hause den Fahrer grüßt und euch beim Aussteigen für die Fahrt bedankt……

Fürs St. Helier-Hafenkino haben die sieben Franzosen auf (vermutlich) Junggesellenabschied gesorgt, gute Mugge hatten sie dabei und eine Napoleon-Uniform. Für die Badehosen hat es wohl nicht mehr gereicht, dann schwimmt es sich auch so (also eben nackt) im Hafenbecken. Irgendwann am Abend haben sie abgelegt, nur um ca. 2 Stunden später wieder einzulaufen. Da scheint der Getränkevorrat nicht bis St. Malo gereicht zu haben…

Nach unserer Ankunft in Frankreich zeichnete sich recht schnell die „einseitige“ Ernährung für die kommenden Tage ab: Galettes, Mies- und Jakobsmuscheln, Baguette, Käse und Wein. Aber sind wir uns einig: es könnte schlimmer sein Kam es für mich auch am 2. Törntag. So ne sch*** Kabbelsee macht echt kein Spaß, schon gar nicht, wenn der nächste Hafen noch mind. 3 Stunden entfernt ist. Die gute „Breizh Cola“ hat mich letzten Endes bei Laune gehalten.

Ebenfalls für gute Stimmung sorgte dann der Törn von Roscoff zum Aber Wrac’h: Sonne, angenehme Temperaturen und Leuchttürme als Wegbegleiter. Der von Sven und mir gehasst-geliebte Phare de L‘lle Vierge diente sehr lange Ansteuerungshilfe, ließ sich (fast) umrunden und war an dem Tag ein klasse Fotomotiv. Wer von euch mal in die Bretagne kommt, ein Besuch des höchsten gemauerten Leuchtturms der Welt lohnt: zu beachten sind jedoch die Gezeiten, die die Fährüberfahrt zum Inselchen nicht an jedem Tag zulassen, Abfahrt im Hafen von Aber Wrac’h. Wir haben es im letzten Bretagneurlaub im 4. Anlauf geschafft.

Hafenkino Aber Wrac’h: gleich zwei Boote, die mit uns am Vortag in Roscoff lagen, treffen nach uns ein. Das junge Londoner Pärchen der „Seasalter“ und ne Bavaria mit „Bugnasenschoner“, Besatzung zwei Franzosen Ü 50 (60?). Franz. 1 springt mit Leine an Land, Franz. 2, der kleine Anlege-Rambo, hält mit Schmackes auf den Steg zu. London will beim Anlegen helfen, plaudert mit Franz.1, sie schließen Freundschaft, müssen die Leinen loslassen, während der Nasenschoner seinen Job macht, Franz. 2 mit gut Tempo zurücksetzt, auf dem Boot nach vorne läuft um die Leinen neu zu richten und derweil im Rückwärtsgang durch das Hafenbecken treibt. Zu guter Letzt lag aber auch die Bavaria sicher und ohne größeren Fremdschaden fest vertäut im Hafen.

Die Weiterfahrt nach Brest verläuft ruhig, fast zu ruhig, vom Motorengeräusch abgesehen. Selbst der gerne von Wellen umtosende Phare du Four zeigt sich von seiner zahmen Seite. Spät abends läuft noch eine 50 Fuss lange Beneteau in Brest ein, steuert hinter der Befana den Pier an. Sven und ich leisten Anlegehilfe, die beiden Schweden haben einige Stunden im Kielwasser hinter sich, freuen sich, dass sie so schnell fest sind. Wir kommen ins Plaudern und es stellt sich heraus, sie haben auf ihren Weg gen Süden ebenfalls die Staande Mast Route befahren. Das verbindet

Brest selbst hat, soweit sich das erkennen lässt, wenig Charme – aber Pinguine! Und die „wohnen“ gar nicht weit vom Hafen im Oceanopolis. Somit war das Ziel für unseren Sonntagsausflug klar (um nicht sogar zu sagen, schon als Micha im vergangenen Herbst die Gesamtroute vorgestellt hat Und warum, wird sich der ein oder andere von euch fragen, dieser Hype um die Pinguine? Weil diese kleinen, entscheidungsträgen, watscheligen Frackträger einfach mega geil sind. Und du dir hier bei diesen Temperaturen selbst vorkütst wie de Penguin (frei nach ner Saftwerbung Ende der 1990er Jahre, es sprach das Kölsch). Leider wird die Zeit nicht reichen, um nachzusehen, ob das eine Tierchen jetzt endlich im Wasser gelandet ist oder immer noch von rechts nach links tippelt, schaut, ob es da nicht doch genehmer wäre oder das Wasser wärmer, der Stein nicht so glatt…Hey, das ist kein verdammtes Nordbad, nun mach dich in die Brühe

Nun heißt es langsam für uns die Vorbereitungen für die Überquerung der Biskaya zu treffen. Essen vorkochen, Klamotten hinlegen, Kurs berechnen und auch nochmal duschen gehen. Ein kleiner Sonnentanz könnte auch nicht schaden (heute den ganzen Tag Dauerregen), trocken da drüben ankommen wäre echt ne Option.

Au revoir France, ola Espagna!

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02.06.2018, 20:17

Auf dem Weg nach Brest...

Aber Wrach nach Brest… Aber Wrach ist ein abenteuerlicher Hafen. Die Einfahrt nur ein paar Meter breit. Links ein Felsen unter Wasser, mit gelben Bojen gekennzeichnet, rechts gleich der Anlegesteg. Also die Hafenmeisterin mit dem Schlauchboot vorne weg und mir nen Platz gezeigt, wo ich rein soll.
Ich hoffe, die weiß was sie tut… Mein Schiff ist 14 Meter lang und hat 2 Meter Tiefgang. Die Kurve, die ich rückwärts damit fahren muss, ist geschätzt 240 Grad… Aber dank Bugstrahler krieg ich das gelassen hin. Die Nachbarn kennen wir schon aus Roscoff. Nette Franzosen – 2 ältere Ehepaare. Und der nächste ein Engländer mit einer ziemlich neuen Hanse. Der SEASALTER. Will auch in den Süden. Recht hat er.

Nächster Morgen – also heute – das gleiche Schauspiel vorwärts wieder raus. Hier grüßen alle freundlich. Sogar die Fischer. Unglaublich.

Heute geht es nach Brest. Ca. 40 Meilen, gegen einen sehr schwachen Wind. Segeln ist nicht drin. Atlantik – spiegelglatt. Nur ein wenig Dünung aus Nordwest. Sanft und gemütlich laufen die riesen Wellen unter der BEFANA durch. Ein langweiliger Tag heute. Jöns schiebt die BEFANA mit sechseinhalb Knoten durchs Wasser, über Grund laufen wir aber im Schnitt über 8,5 Strömung mit uns.

Brest ist nicht schön. Eine Industriestadt. Wir bekommen einen Liegeplatz in der Moulin Blanc Marina. Am Visitor Steg habe ich bei 3,90 Hochwasser zu der Uhrzeit etwa 3,80 Meter Wasser unterm Kiel, in der Seekarte steht 1,40 LAT. Hoffentlich reicht das und hoffentlich weiß auch dieser Hafenmeister, was er tut. Gesagt hab ich ihm über Funk, dass ich 2 Meter tief bin. Sven und Simone waren vorhin dort und haben festgestellt, dass da nur eine „Aushilfe“ sitzt.
Na dann…

Morgen ist Hafentag, Kochtag, Einkauftag, Besichtigungstag und Waschtag.
Tja – wir sind ja schließlich nicht zum Spaß da.

Sonst auf der BEFANA alles bestens. Wir sind im Zeitplan. Alles funktioniert hervorragend und mit Sven und Simone verstehe ich mich auch gut.
Basst… soagt der Öesterreicher…



Redakteur

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01.06.2018, 18:11

vorletzte Station vor der Biskaya

Perros-Guirec nach Roscoff. Die Hochwasser werden niedriger. Sprich – Hochwasserhöhen bei Springzeit nur noch so um die 6 Meter. Das macht die Sache einerseits natürlich entspannter, andererseits kann man auch nicht mehr überall reinfahren. Wir brauchen blaue Kartentiefen (wenn Ihr wisst, was ich meine)

Die Überfahrt nach Roscoff war eher unspektakulär. Leises Lüftchen, teils mit Maschine oder mit Segeln kommen wir dank der Strömung von hinten ganz gut voran. Um 15 Uhr sind wir bereits da. Neben uns 2 ältere Franzosen mit ner 38er Bavaria. Grüßen immer beim Vorbeigehen und wenn sie zurückkommen. Nettes Völkchen. Mal sehen wo die hin wollen. Begleiten sie uns doch schon ne Weile.

Abends fahren wir mit dem Taxi in die Stadt. Wenn man die Gassen und die Häuser so betrachtet, könnt man glauben D‘Artagnan kommt gleich mit seinem Degen aus einem der Häuser gesprungen und fordert einem zum Duell.
Wir gehen abends am Hafen essen und sind einigermaßen enttäuscht. Ich könnte dem Koch schon zeigen wie man eine Entenbrust richtig zubereitet. Aber dazu kommt es wohl nicht. Na ja is ja auch egal. Legen wir es ab unter der Rubrik: Erfahrungen.

Heute früh sind wir nach Arbe Wrach aufgebrochen. Leider den ganzen Tag Wind auf die Nase – also mit Maschine gefahren. 2 Spektakuläre Leuchttürme haben wir ganz aus der Nähe gesehen und auch die Felsen, warum die da stehen, die Leuchttürme. Sensationell, was da von Menschenhand vor ewigen Zeiten ins Meer gemauert wurde. Respekt, Respekt.
Wir sind in unserem vorletzten Hafen vor der Biskaya Überquerung angekommen. Morgen geht´s nach Brest, einmal durchatmen und Vorbereitungen treffen für die 3tägige Non-Stopp-Überquerung. Hoffen wir auf gute Winde und wenig Wellen…

Ich denke am Montag sollte das Wetterfenster passen, wenn nichts mehr dazwischen kommt.




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