Online Logbuch    

alle paar Tage Neues, Interessantes, Wichtiges, Unnützes, und Meer  

 

Kategorien: Alle Online Tagebuch

19.10.2019, 13:12

WInterpause

Endlich schreibt er wieder mal... ehrlich gesagt, ich muss mich vielmals entschuldigen, dass ich so wenig von mir hören habe lasse, in den letzten Wochen. Da haben bestimmt schon einige vermutet, ich sei abgesoffen oder so was. Nee, ich bin noch da und BEFANA ist auch noch da. Ihr geht´s gut und mir auch.
Zu meiner Entlastung muss ich sagen, dass seit der Zeit in Süditalien und bis nach Korfu, Anfang Oktober, die Hitze fast unerträglich war. Entweder werd ich doch alt jetzt, oder es war wirklich zu heiß. An Schreiben im Inneren der BEFANA war nicht zu denken. Der Schweiß rinnt einem in Strömen aus dem Kopf. Und außen im Cockpit? zu hell. Das sieht man nix im Rechner. Also hab ich das gute Stück einfach zu Hause gelassen und bin immer nur mit leichtem Handgepäck unterwegs gewesen. Das hat auch was. Schnellere Abfertigung am Flughafen und keine Warteschlangen.
So - genug entschuldigt.
Seit Ende Juli ist schon ziemlich viel passiert und wenn ich mein Logbuch nicht hätte, würde ich glatt manches vergessen.
Von den Liparischen Inseln aus sind wir wieder zurück nach Vibo Valentia gesegelt. Dort eine neue Crew bekommen. Thomas, Enno und Caro, seine Frau. 14 Tage haben wir Zeit um durch die Straße von Messina und ganz im Süden von Italien bis nach Griechenland zu segeln.
In den ersten Tagen haben wir noch ordentlich Wind und so läuft die BEFANA zur Bestform auf. Leider konnte ich mit dem Handy nur 9,4 Knoten Geschwindigkeit dokumentieren, aber die Hexe läuft weit über 10, wenn der Windeinfallswinkel und die Windstärke stimmen.
Am 03.08. kommen wir in Reggio di Calabria an. Ein Hafen, wie man ihn wirklich nicht braucht. Keine Infrastruktur. Keine Toiletten und keine Duschen. Der Hauptort mindestens 2 km weit weg. Das nächste Restaurant ebenso. Wir fragen mal bei der Capitanerie nach. Prompt empfehlen sie uns einen Taxifahrer anzurufen. Sein Name: Saverio. Aber der war doch vorhin schon am Steg?! Hat uns auf Italienisch zugetextet – wir haben nix verstanden. Den kennt hier aber offensichtlich jeder. Und Saverio ist echt der Knaller. Wir rufen an und vereinbaren einen Termin für 18 Uhr beim Hafenmeister. Wir sind pünktlich, Saverio erst mal nicht.
Also machen wir uns um 18.20 gaaanz gemütlich auf den Weg Richtung Norden. Kaum aus dem Hafengelände raus, kommt Saverio mit seinem uralten Daimler angefahren und freut sich, dass er uns antrifft. Wir verklickern ihm, dass wir zu einem Restaurant wollen, weil wir Hunger haben. Alle steigen ein und los geht´s. Die Karre bekäme hier in Deutschland keine TÜV-Plakette mehr. Innen funktioniert fast nichts aber der Benz läuft. Und er läuft gut, das beweist uns Saverio, der mit seinen mindestens 75 Jahren abgeht wie ein Irrer. Wir fahren die Landstraße Richtung Ort und er meint eine Empfehlung für ein gutes und günstiges Essen zu haben. Caro ist nicht so begeistert und auch ich bin eher nachdenklich und gespannt, was da jetzt kommt. Am Restaurant vorbeigesaust, links um die Ecke in ein Industriegebiet, um zig Kurven herum, stehen wir schließlich vor einer Wellblechhalle. Saverio steigt aus und animiert uns ebenfalls auszusteigen. Was gibt das jetzt? Entführung? Mafia? Raubüberfall? Keine Ahnung.
Saverio schiebt das große Rolltor auf und wir stehen vor einer „Werkstatt?“ An der Decke hängen alte Boote, ein Fiat Motor, Jede Menge Schrott, und am Boden stehen alte zerlegte Autos. Man hat kaum genügend Platz sich dadurch zu schlängeln. Doch am Ende der Halle ist ein – sagen wir Büro - unaufgeräumt, chaotisch, Werkzeuge und 4 oder 5 Kühlschränke. Saverio fängt an zu erzählen. Auf Italienisch erklärt er uns, dass er selbst Wein macht, Ziegenkäse, Obsthandel betreibt und vieles mehr. Früher war er Skipper, Hafenmeister, Matrose und KFZ Mechaniker…
Er öffnet eine Tür am Ende des Büros und wir schauen auf seinen Privatstrand. Feinster Sand, ein selbst gezimmerter Sonnenschutz, Einfache Stühle und Tische und einen traumhaften Blick hinüber nach Messina, der Sonnenuntergang besorgt den Rest. Ehe wir uns versehen hat jeder von uns ein Weinglas in der Hand und wir müssen probieren. Was ist das denn hier für eine Kaffeefahrt? Dann holt er noch Käse und schneidet jedem ein Probestückchen ab. Als wir ihm klar machen wollen, dass wir eigentlich essen gehen wollten und nicht einkaufen, ist er ein wenig enttäuscht und schimpft über die Touristen. Da wir jedoch 6 Flaschen Wein kaufen, beruhigt er sich wieder und bringt uns schließlich zu einem Restaurant. Der Abend wird noch ganz gemütlich und letztendlich bezahlen wir bei Saverio für die gesamte Fahrt einen 10er. Na dann war das ja doch nicht so ne Abzockerei.
Caro ist ein bisschen enttäuscht, weil sie sich die ganze Segelei wohl anders vorgestellt hat. Die Hafengebühren zu hoch, das Essen zu schlecht, die Crew nicht nach ihrem Geschmack,… ich weiß es nicht. Na ja, vielleicht spielen ihre Hormone verrückt, schließlich ist sie im 7. Monat schwanger. Sie entschließt sich übermorgen nach Hause zu fliegen. Kann ich jetzt auch nix ändern.
Der restliche Törn geht recht gemütlich ab. Zwar haben wir die ersten beiden Tage noch ordentlich Wind, sodass wir zügig segeln können, aber dann ist er weg, der Wind. Und Jöns muss uns schieben. Letzter Hafen in Italien war Santa Maria di Leuca. Von da aus geht´s mit einem 50 Meilen Schlag genau Richtung Osten auf die erste griechische Insel. Othonoi.
Der kleine Hafen Ammos ist bis auf den letzten Platz belegt und so ankern wir vor der Hafenmole. Erst hab ich ein wenig Bedenken, weil da überall Unterwasserfelsen liegen und wegen dem etwaigen Schwell. Aber alles geht gut. Der Anker hält und wir bekommen ihn am nächsten Morgen auch wieder problemlos raus, und die Nacht war relativ ruhig. Nächster Tag – auf nach Korfu. Da war ich schon häufig und ich habe vor meinen Jungs die Bucht Agni zu zeigen. Wenn wir da einen vernünftigen Ankerplatz bekämen…
Und prompt ist der Steg bei Nikolas frei. Anlegen für VIPs. Ein junger Mann hilft Leinen annehmen und gibt uns schließlich noch eine Muringleine. Sowas haben die hier? Na ja, auf die alleine will ich mich nicht verlassen. Mein Anker bleibt draußen. Zu dem Kerlchen hab ich vollstes Vertrauen.
Nikola freut sich über den Besuch und wir speisen köstliche griechische Hausmannskost. So muss das und nicht anders. Ouzo gibt´s aufs Haus.
Nachdem ich mit meiner Crew noch in Longos und Lakka war, ging es am Dienstag Richtung Gouvia. Da soll die BEFANA für 10 Tage bleiben. Der Hafen ist sehr sicher und bewacht. Ein bisschen Schiss hab ich aber dennoch wegen der Tepka Kontrollen. Das ist die griechische Steuer für Sportboote. Ich hab auf deren Homepage versucht die beiden Monate August und September zu bezahlen, aber Fehlanzeige. Die Registrierung hat nicht geklappt. Strafe bis zu 1000 Euro, wenn man erwischt wird. Naja, morgen sind wir im Hafen und da wird wohl nicht kontrolliert.
Funkspruch gegen 12 Uhr an die Marina Gouvia ob sie einen Platz für uns haben. Fehlanzeige. Alles voll. Wir sollen bis 14 Uhr ankern gehen und dann nochmal fragen. 14 Uhr nächster Funkspruch, wieder nix. Das wird mir zu blöd.
Ich rufe Andreas Doukakis von der Mandraki-Marina an und bekomme tatsächlich einen Platz für 10 Tage. Also die 5 Meilen zurück Richtung Korfu Stadt. Der Hafen Mandraki gehört einem Segelclub und bietet nicht allzu viele Liegeplätze. Es gibt Duschen, Toiletten und ein Restaurant. Na das reicht ja erst mal. Andreas ist dort der Hafenmeister, ein sehr mürrischer Typ. Nicht sehr gesprächig am Telefon. Wenn man aber mal im Hafen liegt und ihm dort begegnet, fragt er immer, ob alles okay wäre. Der Liegeplatz, der uns allerdings zugeteilt wird, ist eine kleine Katastrophe. Man muss mit dem Bug voraus anlegen, weil dort Felsen vor der Hafenmole liegen. 1,50 Meter Tiefe sind dort. Andreas bringt uns ein ca. 3 Meter langes Brett, dass wir von der BEFANA runter können. Die Hafenmole ist ziemlich schmal. Etwa 1 Meter breit und gegenüber dem Meer nur ca. 40 cm hoch. Das heißt bei 50 cm Welle kriegt man nasse Füße. Toll. Es ist ein ziemlicher Balanceakt vom Boot runter zu kommen und über die nicht sehr gerade betonierte Mole zu laufen. Man hat ständig Angst, dass man sich den Fuß verknackst. Als ich am Donnerstag nach Hause fliege muss ich die BEFANA noch alleine umlegen auf einen anderen Platz. Dieser Platz wiederum ist eine große Katastrophe. Abstand Bug zur Mole ca. 5 Meter, Abstand zu den Nachbarbooten mindestens 1 Meter. Wie soll ich da denn runterkommen. Andreas meint entweder über den Katamaran links von mir oder mit dem alten Hafendinghi, das an der Mole liegt. Kat geht nicht, weil keiner zu Hause und wie bitteschön soll ich an das Dinghi kommen, das 5 Meter von mir weg liegt? Warten und warten…. Auf einmal kommt der Nachbar vom Kat nach Hause und ich bitte ihn, mir die Leine vom Dinghi rüber zu geben. Macht er freundlicherweise und nun ziehe ich das Teil zu mir ans Heck. Kaum Luft drin und meine Pumpe passt nicht auf die Ventile. Andreas, ich könnt die in den Arsch treten. Aber irgendwie schaffe ich es mit 2 riesen Tüten Schmutzwäsche auf das Dinghi und komme auch ohne abzusaufen an Land.
Das geht nächste Woche so nicht, wenn Uwe und seine Freunde kommen. Da muss ich mit Andreas nochmal reden.
Die letzten Törns sind dran. 1 Woche Uwe und seine beiden Freunde aus Köln, dann 1 Woche Basti und Paul und dann kommt meine Süße und wir können endlich mal Urlaub machen. Was ich in den letzten Wochen rund um Korfu alles gelernt habe…. Tststs… Einmal wollte ich in den kleinen Hafen Petriti reinfahren. Hinter der Hafenmole sind etwa 20 Liegeplätze. Die ersten 7 oder 8 davon für Segelyachten, davon 5 für Reservierungen, die restlichen nicht tief genug. Ich langsam rein und seh den Hafenmeister auf seinem Roller ankommen. Der fuchtelt mit den Händen und macht mir klar, dass wenn ich nicht reserviert habe, kein Platz ist. Im Hafenhandbuch steht: Funk wird nicht benutzt, Telefon auch nicht… also wie bitteschön kann man reservieren? Da drückt mir der Cowboy ein paar Bierdeckel in die Hand, wo die Werbung einer App draufsteht. SAMMY. Weiter meint er, dass wenn ich ihm jetzt sagen würde, dass ich reserviert habe, er mir einen von den 5 freien Plätzen gibt. Der kostet dann aber 10 Euro mehr, als die anderen. Ich lasse mich auf das Spielchen ein und es funktioniert. 10 Minuten später liegen wir vor Buganker und mit Heckleinen fest an der Hafenmauer. Strom und Wasser gibt´s auch.
Wenn ich das meinen Seglerkollegen erzähle, das glaub dir keiner. Kurz vor 17 Uhr kommt der Cowboy zurück und fragt ob alles in Ordnung sei. Läuft von Yacht zu Yacht und hält Smalltalk auf seine Weise. Dann kommt er wieder zu mir und sagt doch tatsächlich auf Englisch: „You are in my harbour, you have electricity and water, so why you don´t give me a beer?“ Soll er haben. Schönen Feierabend. In den nächsten Wochen komme ich immer mal wieder zu ihm. Wir sind seit dem Freunde. Und dass in Griechenland nicht immer alles so funktioniert, wie man das von zu Hause kennt, ist klar. Aber diese SAMMY-App funktioniert 100 Prozent. Du legst einmal dein Schiff an, technische Daten und Namen und so. Dann suchst du dir eine Marina aus, gibst das Datum für Ankunft und Abreise ein und bekommst innerhalb von 3 Stunden eine Mail, ob frei ist oder nicht. Sensationell. Ich bin begeistert.
Die folgenden dreieinhalb Wochen mit Barbara waren ganz entspannt. Kurze Distanzen sind wir gesegelt, schöne Häfen und Buchten haben wir besucht. Und bis auf einen Tag hat sie das alles ohne Seekrankheit überstanden. Der Törn von Ormos Fanari nach Lefkas war dann doch etwas heftig. Aber das war auch der einzige Tag, mit Wellen.
Neues haben wir entdeckt, wie zum Beispiel Meganisi und Kastos. Da muss ich nächstes Jahr nochmal hin. Tolles Segelrevier, durchaus vergleichbar mit der Karibik. Türkisfarbene Buchten, rundum Inseln mit Bergen, sodass keine Fetch auch nur einen Ansatz von hohen Wellen erzeugt. Sehr angenehmes Revier, auch für Anfänger.
Letztendlich haben wir uns entschieden, die BEFANA in der Cleopatra-Marina aufs Trockene zu stellen. Diese Marina ist nur zu empfehlen. Erstklassig organisiert, sauber Sanitäranlagen und sehr freundliches Personal. Es gibt dort einen kleinen Minimarkt, ein Restaurant, Schiffszubehörhändler, Service für Yachten und einen Waschsalon. Alles da für Fahrtensegler. Und täglich fährt das Wassertaxishuttle 2 Mal nach Preveza, kostenlos. Entfernung zum Flughafen, keine 3 km.



Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


25.07.2019, 13:47

...nein, nicht wir...

Nein, WIR sind nicht gestrandet. Uns geht es bestens. Dazu aber später mehr.
Wir kommen gut voran. Jeden Tag können wir fast von Hafen bis Hafen segeln. So gut steht der Wind. Und bis auf ein einziges Mal fast immer ohne Welle. Ein Träumchen.
Rom haben wir nun hinter uns gelassen und wir sind voller faszinierender Eindrücke, außerdem haben wir endlich mal die Ankerkette markiert. Wurde ja auch mal Zeit. Jeweils eine gelbe und eine rote Markierung für 10 Meter, 2 rote und 2 gelbe für 20, und so weiter. Auf die 40-Meter-Markierung haben wir dann aber verzichtet. Denn wenn die ersten 30 Meter raus sind aus dem Ankerkasten und die Wassertiefe 6 Meter übersteigt, sollte ein Abschätzen der Kettenlänge durchaus reichen. Bei der ganzen Aktion haben wir natürlich auch den Zustand der Ankerkette überprüft. Schließlich hängt unser komplettes Schiff daran. Zustand: 1 A. Ich bin begeistert. Schließlich haben wir die ganzen etwa 200 kg Stahl wieder im Kettenkasten versenkt.
Erste Etappe hinter Rom – es geht in die Marina Nettuno am Festland. Von dort aus dann der erste Schlag auf eine der Neapel vorgelagerten Inseln. Nach Ponza. Eine traumhafte Bucht im Westen der Insel lädt zum Übernachten ein. Einsam ist es zwar nicht, denn es liegen noch ca. 7 andere hier in der Bucht, aber die sind schon ziemlich weit auseinander. Außerdem traut sich keiner so wirklich nahe an den Strand. Wir ankern auf 4 Meter Wassertiefe.
Weiter geht’s nach Ventotene. Ebenfalls eine Insel. Dort liegen wir im Yachthafen sehr sicher und werden von sehr freundlichem Personal betreut. Der Ausflug in die Stadt abends ist toll. Leckeres Seafood auf der Dachterrasse mit Blick auf den Gemeindehafen. Dort unten sehe ich eine deutsche Yacht, die ich, auch letztes Jahr, schon mehrfach getroffen habe. Sind wohl auf derselben Route unterwegs. Aber es ist schon ziemlich spät und da will ich die nicht mehr belästigen. Ein paar Cocktails runden den herrlichen Abend ab.
Letztendlich haben wir die Inseln Ischia und Procida besucht, die uns aber sehr enttäuscht haben. Viele Charterboote aus Neapel, laut uns teuer. Hafengebühren liegen hier im Schnitt bei weit über 100 Euro. Da ankern wir lieber. Das Wetter spielt mit und so können wir abends und morgens nochmal ins Wasser springen und uns abkühlen.
Die Toilette im Gästebad macht mal wieder Ärger. Zieht nur sehr schlecht Wasser an und der Pumpenhebel lässt sich fast ohne Widerstand bedienen. Nicht gut. Ich hasse solche Sch…-Arbeiten. Ein paar Tage lang wird´s noch gehen, dann muss die Dichtung erneuert und das ganze Gestänge mit Vaseline abgeschmiert werden. Ersatzteile hab ich ja an Bord.
Auf dem Weg nach Neapel stellen wir fest, dass das Meer hier bedeutend schmutziger wird. Immer öfter treibt Plastikmüll an uns vorbei und das Wasser ist trübe. Die Neapolitaner schmeißen alles in das Meer, so scheint es. Und die Bestätigung kommt bald. Wir machen nicht im Stadthafen fest, sondern in der Marina Torre del Greco. Eine merkwürdige Location. Wir melden uns wie üblich über Funk an, aber keiner meldet sich zurück. Also fahren wir einfach mal rein und gucken, was passiert. Langsam tasten wir uns in das Hafenbecken vor. Da links steht einer und winkt und zu sich. Wir bekommen einen Liegeplatz am Kai zugewiesen. Mit Wasser und Strom. Kostenpunkt: 85 Euro. Na das geht ja noch. Wir wundern uns nur, dass hinter jedem Schwimmsteg, von denen es insgesamt 7 Stück gibt, ein eigenes Wärterhäuschen steht und stellen fest, dass diese rund um die Uhr besetzt sind. Alle 7! Aha - hier hat jeder Clan seinen eigenen Steg mit Wachhäuschen. Das gibt es ja gar nicht. Und die Arbeiten wirklich in 3 Schichten 24/7. Unser Aufseher bestätigt uns nicht nur einmal, dass wir hier absolut sicher sind. Na was ist denn hier los? Die Kriminalität scheint hier recht hoch zu sein. Wir legen uns besser mit niemandem an, wollen wir doch 2 Tage hier bleiben.
Nächster Tag: auf nach Pompeji, der versunkenen Stadt. Wurde im Jahre 79 nach Chr. Von einem Ascheregen des Vesuv völlig überraschend verschüttet. Einer der interessantesten Ort, die ich bis jetzt in meinem Leben gesehen habe. Vollständig erhaltene Straßenzüge, Gebäude, Wandmalereien und aufwändige Mosaike auf den Böden zeugen von einer hohen Kultur. Sehr beeindruckende Stätte und sehr empfehlenswert. Aber die Hitze macht einem zu Schaffen. Unerträglich heiße Luft weht durch die Gassen. Schatten sucht man vergebens. Nur die Cafeteria dort ist klimatisiert und ein Besuch dort, erbringt die gewünschte Abkühlung.
Der Weg vom Hafen nach Pompeji und Zurück, beide male mit dem Zug, erklärt den Müll im Meer. Kilometerweit fahren wir durch Slums, in denen die Bewohner Ihren Müll einfach im Hinterhof entsorgen oder zwischenlagern. Der nächste Regenschutt oder Windstoß wird´s schon irgendwie mitnehmen. Und wo landet der ganze Unrat? Letztlich im Meer. Unfassbar, soviel Dummheit. Die Müllcontainer auf der Straße draußen werden fast nicht benutzt.
Wieder voll mit architektonischen und kulturellen Eindrücken machen wir uns auf die nächste Etappe nach Salerno. Eigentlich wollten wir nach Amalfi, aber eine Anfrage nach einem Liegeplatz via UKW-Funk ergab, dass der Hafen voll ist, bzw. die Liegeplätze für 14 Meter ausgebucht sind. Schade.
Na die Crew hat ja dann einen Tag mehr Zeit und macht sich mit der Fähre auf den Weg nach Amalfi. Ich leihe mir ein Fahrrad aus und gehe Wäsche waschen. Was für eine Tortur!! Erst mal das „Fahrrad“. Lässt sich nicht verstellen. Sattel ist so niedrig, dass ich mit meinem rechten Bein immer wieder nachtreten muss, weil ich vom Pedal abrutsche. Kann seit meinem Unfall in den 80ern halt mein Knie nur noch 90 Grad beugen. Zweitens muss ich an der Hauptverkehrsstraße entlang in die Stadt. Der Fahrradweg neben der Straße – eine mittlere Katastrophe. Alle 50 bis 100 Meter muss ich absteigen, 30 cm hohe Bordsteine runter und auf der anderen Seite wieder rauf. Durchgehendes Fahren? Nicht möglich. Ganze 3 Stunden brauche ich, um Wäsche zu waschen und zu trocknen. Der Rückweg? Fahrrad nur geschoben. Der Radweg komplett mit Autos zugeparkt. Die ganzen 2 km. Alle sind am Strand und jeder mit dem eigenen Auto da. Ich bin froh, als ich zurück in der Marina bin. 34 Grad im Schatten.
Nach einer Woche „Heimaturlaub“ komme ich wieder auf die BEFANA. Ich fühle mich hier zu Hause. Aufräumen und Putzen ist angesagt, denn morgen kommt Norbert mit seinen Jungs. Dann wollen wir Richtung Süden segeln, an der Küste entlang bis kurz vor Tropea. Die ersten 3 Tage klappt das auch wunderbar mit der Segelei, aber dann ist der Wind weg. Norberts Jungs sind ganz nett und Nico versteht sich aufs Segeltrimmen wie ein Profi. Er holt den letzten Knoten Speed aus der BEFANA. Das find ich super. Die Häfen hier an der italienischen Süd-West-Küste sind eher unspektakulär. Keine Charterschiffe, nur ein paar Eigner und es wird wieder etwas preiswerter, je weiter wir nach Süden kommen. Küstenlandschaften wechseln sich ab zwischen hohen Bergen mit Steilküsten und langen, endlosen Stränden. Wir erreichen Vibo Valentia. Dort liegen wir in der Marina „Stella del Sud“
Eine solche Marina habe ich während meiner ganzen Seglerlaufbahn noch nicht gesehen. Freundlicher Staff, helfen beim Anlegen, springen nach Rücksprache aufs Boot und machen sogar unsere Muringleinen auf dem Vorschiff fest. Schließen uns Wasser und Strom an und geben uns Karten für Wi-Fi und Duschen. Alle sprechen einwandfreies Englisch. Kommen immer mal wieder vorbei und fragen, ob wir was brauchen und ob wir zufrieden sind. Tagesliegegebühr 75 Euro.(Zum Vergleich: 160 Euro auf Ischia mit Mitarbeitern, die 24 Stunden keine Laune haben) Ich fass es nicht. Sind wir hier noch in Italien?
Auf zur letzten Woche vorerst, zu den Äolischen Inseln. Katha und Tobi kommen. Segeln ist nicht mehr so viel angesagt, weil Wind in der Regel zu schwach ist. Aber was soll´s. Dennoch haben wir am Ende der Woche tatsächlich nur knapp 19 Motorstunden auf dem Tacho. Sind wir also doch gesegelt?
In der Reihenfolge bereisen wir das Archipel: Tropea, Panarea, Lipari, Vulcano, Stromboli. Letzter ist vor einer guten Woche sehr heftig mit einer Explosion ausgebrochen. Berichte gab es bis nach Deutschland in allen Medien. Wir trauen uns dennoch vor den Schlund, aber mit respektablem Abstand. Etwa eine halbe Meile muss schon sein. Und so sehen wir nachts ein sehr beeindruckendes Spektakel. Etwa alle 10 Minuten eine bis zu 200 Meter hohe Feuerfontäne unter nicht weniger beeindruckendem Grollen. Die Lava fließt an der Südwestflanke des 900 Meter hohen Berges bis ins Meer. Etwa 20 andere Schiffe beobachten mitten in der Nacht, es ist bereits 01.00 Uhr, auch das imposante Schauspiel.
Als wir die Nase voll hatten von der Feuerspuckerei, machen wir uns auf den Rückweg zum Ankerfeld auf der Nordostseite der Insel. Ich sehe die Ankerlichter der anderen und bewege mich im Schritttempo darauf zu. Stelle fest, dass dort auch noch kleine Motorboote an Bojen liegen. Die Nacht ist stockdunkel. 2 Mal habe ich in den letzten Jahren hier schon geankert und jedes Mal hat der Anker sofort gehalten. Diesmal nicht. Über eine Stunde versuchen wir das Eisen in den Sandgrund zu fahren. Ja bin ich denn zu blöd zum Ankern oder was? Beim 12. oder 13. Versuch greift der Haken und wir liegen fest. Jetzt noch eine Absackerbier und dann schlafen. Morgen geht´s zurück nach Vibo.
Beim Frühstück am nächsten Morgen sehen wir eine Sun Odyssey 54 Deckssalon am Strand liegen. So ein schönes Schiff. Offenbar notgestrandet oder so. Die ganze Backbordseite ist beschädigt und das Schiff liegt mit dem Bug am Strand und mit dem Heck im Wasser. Die Eigner wohnen in einem 2-Mann-Zelt nebenan und haben sich ne Liege daneben gestellt zum Ausruhen. Was da wohl passiert ist? Das wird schwierig mit der Bergung weil der Strand nicht gerade zugänglich für schweres Gerät ist und von See aus mit dem Kranschiff, das kann teuer werden.
Katha und Tobi waren gestern noch am Krater des Vulcano, vorbei an der Schlammkuhle mit dem angeblichen Fango-Schlamm. Schon beim Vorbeilaufen beißt es in der Nase. Aber nicht nach Schwefel, sondern nach Urin und sonstigen Körperausscheidungen. Im Internet wird wegen Krankheitsgefahr davor gewarnt, sich dort hinein zu begeben. Aber die Leute bezahlen 2 Euro Eintritt plus 1 Euro für die anschließende Dusch, um sich mit dem stinkenden Schlamm einzuschmieren, sogar im Gesicht, weil sie meinen, das sei gesund. Na dann mal viel Spaß. Der Pisse-Geruch geht einem stundenlang nicht aus der Nase.
Die Rückfahrt nach Vibo gestaltet sich langweilig. Kein Wind und wir fahren das größte Stück mit Jöns. Unterwegs sehen wir noch eine Riesenschildkröte, die uns mit Ihren Flossen zuzuwinken scheint. Da diese sich ganz in der Nähe, keine 10 Meter, von einer Fischerboje entfernt aufhält, fahre ich mal nähe hin, um zu sehen, ob sie sich nicht im Netz verfangen hat. Aber alles ist gut. Ein riesiges Tier mit fast 60 cm Körperlänge. Wir gehen noch tanken und liegen um 18 Uhr sicher in der Marina. 1 Woche Heimaturlaub ist angesagt.

Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


19.06.2019, 14:50

Richtung Süden

Mir fehlt irgendwie die Motivation in den letzten Tagen. Deshalb habe ich lange nichts von mir hören lassen. Dafür gibt´s heute ein bisschen mehr.
Am letzten Donnerstag haben wir in Portoferraio abgelegt. Leider einen Tag später als geplant, aber die Verbindung Pisa-Piombino kam am Anreisetag nicht zustande. Flieger landete zwar ziemlich pünktlich gegen 19.40 Uhr, der Zug von Pisa nach Piombino allerdings ging schon um 19.50 Uhr. Nicht zu schaffen. Also in Pisa übernachten. Das Hotelzimmer für 38 Euro pro Nacht brauche ich ja wohl nicht zu beschreiben. Pisa? Hotel? Bahnhofsnähe? Inkl. Frühstück? Von außen schon alleine hätt ich mich da nicht reingetraut, wenn ich nicht gewusst hätte, dass das tatsächlich mein Hotel ist.
Dafür war ich dann am nächsten Tag, am Dienstag, schon am frühen Nachmittag auf der BEFANA. In Portoferraio war es da schon ziemlich warm und ich haben ganz schön geschwitzt, um das Schiff vom 3-Wochen-Sahara-Dreck zu befreien.
Mittwoch kamen meine Freunde Birgit und Michael aus Reinheim und Donnerstag ging´s los. Erst mal nur bis Porto Azzurro, dann ein Hafentag am Freitag, denn mit einem ganzen Tag „15 Knoten Wind auf die Nase“ das wollten wir auch nicht. Und so haben wir einen Tag Porto Azzurro unsicher gemacht.
Samstag sollte es nach Giglio gehen, ankern in einer Bucht in Lee… nachdem es den ganzen Tag mit etwa 17 Knoten geblasen hat und ordentlich Welle im Teich war, haben wir uns auf ne ruhige Nacht gefreut. Wir also um 15 Uhr rein in unsere Bucht. Ganz alleine waren wir da. Wunderschön, aber Fallböen von den Bergen mit bis zu 30 Knoten. BEFANA zerrt am Ankergeschirr, dass es wirklich keinen Spaß macht. 50 Meter Kette halten zwar gut, aber das Geruckel die ganze Nacht braucht kein Mensch. Anker wieder hoch und in einen sicheren Hafen am Festland. Nach nochmal 17 sm sind wir fest in Cala Galera. Die Überfahrt war ruppig. Ordentliche Welle von der Seite, sodass einige Brecher doch den Weg bis ins Cockpit gefunden haben. Der ganze Kahn am nächsten Morgen voller Salz. Für wen hab ich eigentlich geputzt?
Nächster Tag, Sonntag, auf nach Riva di Triano. Ein riesen Hafen mit Betonstegen. Ich hasse diese Dinger. Die Gezeiten sind hier zwar nur so um die 30 cm, aber das reicht schon, um immer mal wieder den dicken Heckfender korrigieren zu müssen.
Wasser tanken, Schiff entsalzen war angesagt. Michael ist dabei immer eine große Hilfe. Man braucht ihm nicht zu sagen, was er machen soll. Er macht einfach. Gut so.
Am Montag dann liegt Porto di Roma an. Wir wollen uns mal in der Stadt ein bisschen umsehen. 34 Grad im Schatten machen unsere Sightseeing-Runde aber zur Tortur. Jeder Schritt ist anstrengend. Vom Porto di Roma aus erst mit dem Taxi zur Statione di Lido, dann umsteigen in den Zug, 7 Stationen bis Roma und dann nochmal 5 Stationen mit der S-Bahn. Man braucht für die 30 km fast 1,5 Stunden.
Jetzt ist Rom ja keine Kleinstadt und die Sehenswürdigkeiten liegen auch nicht so weit auseinander. Dennoch entscheiden wir uns aufgrund der enormen Hitze für eine Rundfahrt in einem Kabrio-Bus. So wie alle Touris.
Man sieht hervorragend alles aus der oberen Etage und kann die über 2000 Jahre alten Gebäudereste prima erkennen. Ich bin schwer beeindruckt von der Architektur und von der Haltbarkeit der Monumente. Vergleicht man das mit der heutigen, doch recht modernen Bauweise, liegen da Welten dazwischen. Die Römer hatten es schon drauf. Ich möchte mal wissen, ob ein 1980 gebautes Haus im Jahre 3980 noch steht und man erkennen kann, was es einmal war. Doch eher nicht.
So - heute ist Relax und Waschtag. Wir warten auf Roland und Petra, die heute an Bord kommen wollen. Dann ist wieder einkaufen angesagt und morgen geht’s noch ein Stück die italienische Küste runter, bevor wir in die Inselwelt vor dem neapolitanischen Archipel eintauchen. Das verspricht gut zu werden, wenn das Wetter so bleibt. Bin gespannt.


05.05.2019, 14:39

Die BEFANA schwimmt wieder

So, jetzt sind wir wieder im Wasser. BEFANA schwimmt wieder. Die Winterarbeiten sind abgeschlossen und es kann wieder los gehen. Außerdem hat die Reparatur des Sturmschadens hervorragend geklappt. Das Heck sieht aus wie neu, die Gummileiste ist wieder weiß und ne neue Badeleiter hat´s auch gegeben. Die alte ha es bei dem Herbst-Crash aus der Verankerung gerissen. Gott sei Dank hat das Schiff durch die 4 großen Löcher der Schrauben kein Wasser gemacht.
Stefan hat mit seinem Team hier auf Elba hervorragende Arbeit geleistet. Man kann den Mann echt nur weiterempfehlen.

In der Woche nach Ostern sind wir hier auf Elba angekommen. Da war das Schiff noch auf dem Trockenen. Schick sieht das neue Antifouling aus. Schwarz und spiegelglatt. Schade, dass man das nur sieht, wenn man ordentlich Lage fährt. Na wir wollen´s ja nicht übertreiben in den ersten Tagen. Ich weiß, dass es da ist und wie es aussieht. Das reicht.

In der ersten Nacht, nachdem unser Schätzchen wieder im Wasser war, haben wir in der Kranstraße übernachtet. Das war vielleicht ein Gewackel in der Nacht. Barbara hat ganz komisch geguckt. Da haben wir uns am nächsten Morgen aber ganz schnell vom Acker gemacht und sind nach Porto Azzurro in den Yachthafen. Dort war es dann wesentlich ruhiger. Hier auf Elba ist eben auch April und da kann es schon mal vorkommen, dass es regnet oder eben windig ist.

Fast eineinhalb Wochen haben wir auf der BEFANA gearbeitet. Alles wieder an Bord gebracht, Segel hochgezogen poliert und geputzt. Das Schiff sieht wieder aus wie neu und manch einer unserer Nachbarn hat gesagt, dass wir ein schönes Schiff hätten. Wissen wir. In Como bei unserer Zwischenstation auf der Hinreise, entdeckt meine Süße in einem Lidl-Markt eine Duscharmatur, die genauso ist, wie die defekte auf der BEFANA.
Was macht sie? Kauft das Ding. Für keine 30 Euro mit Brauseschlauch und Allem was dazu gehört. Ich denk noch, das kann doch nix sein. Die Original Bavaria Armatur kosten das Fünffache. Aber die Presiwertversion sieht zuverlässig und stabil aus. Also was soll´s.

Dass aber die alte, defekte Armatur partout nicht von Bord wollte, hat Barbara dann doch so gefühlt 15 Stunden Arbeit gekostet. Die Distanzhülsen waren derart festoxidiert, dass diese sich keinen Mikrometer bewegen ließen. Also muss Gewalt her. Mit Hammer und Eisensäge wurde der Kopf malträtiert, bis das Biest schließlich aufgegeben hat. Die Schimpfwörter, die meiner Süßen bei der Aktion so eingefallen sind, lasse ich jetzt lieber mal weg. Da war über, hinter und unter der Gürtellinie alles dabei. Auf deutsch UND italienisch. Aber jetzt funktioniert wieder alles und es sieht auch noch gut aus.

Am 01. Mai sind wir dann nach Portoferraio gesegelt. Traumhaft mit 10 Knoten Wind und glatter See sind wir mit bis zu 7 Knoten hier rüber gesaust. Herrlich, mal wieder zu segeln.

Jetzt liegen wir hier im Stadthafen und die ersten Freunde sind an Bord. Heute war zwar Schietwetter angesagt, ist aber scheinbar ausgefallen. Nein, nicht ganz. Es hat zwischendurch mal geregnet. Wir sitzen genau unter einem Tief. Nicht so schön, aber morgen soll´s besser werden.

Dann lassen wir die Hexe fliegen. Wenden, Halsen, MOB-Manöver... es geht wieder los. Ich freu mich.

Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


06.04.2019, 13:17

Start in die neue Saison

Die letzten Tage hier in Iwwero sind angebrochen. Heute Abend gibt´s was auf die Ohren. Da rocken wir mit der 9. Bühne den Saal bei de Doris. Rock, Pop, Soul vom Feinsten mit unserer Hofgassemussig. Der Name klingt nicht gerade nach Rockmusik, aber wer uns kennt, weiß dass das tierisch abgeht.

Dann kommt meine Lesung. Ebenfalls bei der Doris. Das Buch verkauft sich ganz gut, was ich so im Blick habe und die Rezensionen, die bis jetzt online sind, lesen sich auch nicht schlecht. Wer hätte das gedacht? Vielen Dank dafür.

Und nach Ostern geht´s zur BEFANA nach Elba. Ich freu mir ein Loch in den Bauch, dass ich wieder in See stechen kann. Hoffentlich ist die BEFANA bis dahin wieder on top. Aber ich denke schon. Muss am Montag mal in Elba anrufen und nachfragen. Ich hör sonst nix. Ist das ein gutes Zeichen oder ein schlechtes? Wer weiß.

Wenn das alles so klappt, wie ich mir das vorstelle, dann sind wir ab Freitag, 26. April Richtung Marina di Campo unterwegs. Vorher haben wir noch ein bisschen Arbeit. Der Mercedes wird wieder voll bis unters Dach sein. Bettwäsche, Handtücher, Klamotten, Bimini, Geschirr, Gewürze, Rettungswesten und, und, und...

Hoffentlich hält mein alter Johann die Fahrt nochmal durch. Der Arme hat schon ganz schön Meilen aufem Buckel. Dann müssen die Segel wieder drauf und der Kahn muss geputzt werden. Ich seh schon. Das wird nix mit dem Relaxen. Erst mal schuften. Mal sehen, wie weit der Parkplatz vom Liegeplatz der BEFANA weg ist.


04.03.2019, 10:53

Es geht voran

Seit Donnerstag ist die BEFANA in der Werft auf Elba. Nun muss einiges repariert werden. Die BEFANA hat durch den Sturm im Oktober einige Schrammen abgekriegt. Insgesamt nichts schlimmes, aber doch so viel, dass es repariert werden muss. Außerdem ist neues Antifouling fällig. Das alte Holländerzeug hat es nicht wirklich verdient auf dem Rumpf zu bleiben. Es hat sich teilweise schon selbst verflüchtigt, was darauf hin deutet, dass es für das Mittelmeer nichts taugt. Hab ich ja vorher schon gewusst. Nur durften wir das gute Micron in Holland nicht verarbeiten. Jetzt sind wir auf Elba und da können wir so ziemlich alles machen, was wir wollen. Also runter mit dem Dreck und Micron drauf. 2 Schichten sollten genügen bis Griechenland.

Ein paar kleinere Reparaturen machen wir dann, wenn wir unten sind, selbst. Das wird wahrscheinlich um Ostern sein. Am 04. Mai kommen schließlich die ersten Gäste und da muss unser Baby wieder picobello sein.


17.12.2018, 15:17

Die BEFANA will Meer

Nein, ich sitze hier nicht tatenlos rum und warte auf besseres Wetter. Ich arbeite an meinem Buch. Jetzt denken sicher alle: "Jetzt isser übergeschnappt". Nee bin ich nicht. Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich schreiben soll, ob es überhaupt jemanden interessiert, was die BEFANA und ich so treiben. Aber es scheint tatsächlich einige Leute zu geben, die es wissen wollen. Also hab ich mal angefangen zu schreiben. Und ich muss sagen, es macht riesigen Spaß die letzten beiden Jahre so intensiv an mir vorbei ziehen zu lassen. Mein Logbuch und mein Tagebuch zu durchstöbern. Da kommen ganz viele Erinnerungen wieder hoch. Und manchmal muss ich einfach nur lachen. Leider vergisst man manche Sachen und kann sich erst wieder daran erinnern, wenn man quasi angeschubst wird. So geht es mir beim Lesen des Logbuches und ich mache unsere Reise gerade ein 2. Mal.

Ich kann nicht genau sagen, wann die Veröffentlichung sein wird, aber auf jeden Fall vor der neuen Saison im April 2019. Wahrscheinlicher ist aber Ende Februar. Alle, Leute die in meinem Mail-Verteiler sind, bekommen automatisch eine Einladung zum Vortragabend. Der Rest schreibt mich einfach an. Ich gebe gerne Informationen weiter.

In diesem Sinne wünsche ich allen Freunden, die meinen Blog regelmäßig lesen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in´s neue Jahr. Übrigens, wenn Ihr Mitsegeln wollt? jederzeit gerne.

Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


30.10.2018, 17:20

Crash...

Seit Mittwoch letzter Woche sind wir zu Hause. Die BEFANA in Porto Azzurro besten Wissens festgemacht. Doppelte Muringleinen am Bug, doppelte Festmacher beidseitig am Heck. Die dicken 22er Festmacher zusätzlich mit Ruckdämpfern versehen. Abstand zum Steg 1 Meter und den dicken Heckfender von 60 cm Durchmesser als zusätzlichen Puffer hinten doppelt festgebunden. Das scheint mir Sicherheit genug. Schließlich guckt der Hafenmeister ab und zu und Stefan, ein Deutscher auf Elba lebend, betreut unsere Hexe über den Winter. Na gut. Was soll da passieren?

Am Sonntag bekomme ich über Katwarn ne Unwetterwarnung für Porto Azzurro und gestern früh von Wetteronline ebenfalls. Ich schau mal in die Webcam vom Hafen. Kann ich zwar unser Schiff nicht sehen, aber die Boote, die an der Südmole liegen. Ich guck da rein und mich trifft fast der Schlag. Die Boote an der Molenmauer fahren Aufzug. Nen Meter rauf und runter. Welle im Hafen wie die Hölle und Sturm mit mindestens 50 kn in Böen.

Ich glaub ich ruf mal Stefan an. Zuverlässig wie er ist, fährt er zur Marina und kontrolliert die BEFANA. Die Rückmeldung: „Es wackelt zwar alles, aber dein Boot ist gut festgemacht“.

Da bin ich ja beruhigt.

Heute Mittag kommen Fotos von Stefan und der Kommentar: „gestern Nacht hat´s wohl doch gekracht…“ Schei…, denk ich.

Es hat uns erwischt. Die BEFANA hat ein paar ordentliche Schläge weg bekommen. Der Heckspiegel sieht aus, als hätte uns ein großes Schiff von hinten gerammt. Die Gummischutzleiste kaputt und ab, das Laminat am Heck gesplittert, Der Auspuff von der Webasto ist weggeflogen, Das Teakholz von der Steuerbord Süllkante gebrochen, Der Deckel vom Wassertank herausgesprengt, die Badeleiter mindesten 15 cm nach innen gedrückt. Hoffentlich hat die den Rumpf nicht durchschlagen. Die Heckleinen sind glatt abgerissen (Bruchlast um die 7 Tonnen, jede…) Und der Heckfender? Weg! Geplatzt oder so… Na toll. Schaden grob geschätzt zwischen 5000 und 7000 Euro ohne das, was noch auftaucht. Nur das, was ich auf den Bildern sehen kann. Wer weiß was innen los ist. Stefan will morgen mal nachschauen. Kann heute wegen der heftigen Wellen im Hafenbecken vom Steg aus nicht auf das Schiff. Kacke, alte, verdammte…

Verglichen mit den Schäden, die sonst so auf Elba passiert sind, ist unser Schaden zwar harmlos, aber doch ärgerlich. Haben wir uns die letzten Tage dort so viel Mühe gegeben, das Schiff wieder auf Vordermann zu bringen.

In Portoferraio sind wohl 3 Schiffe im Hafen gesunken und mehrere auch teils schwer beschädigt worden. In Proccio sind 4 Stück auf Grund getrieben und ganz zu schweigen von der Region Genua in Ligurien. Da hat´s einen kompletten Hafen mit 390 Yachten zerlegt. Der italienische Wetterdienst sprach von Wellen zwischen 8 und 10 Meter Höhe, die auf die Küste geprallt sind. Die Sturmböen in Porto Azzurro wurden mit bis zu 70 Knoten gemessen. Das sind 130 Stundenkilometer. Respekt. Da haben wir ja nochmal Glück im Unglück gehabt.

Ich bin froh, dass ich auf Elba mit Stefan eine kompetente Person getroffen habe, der sich jetzt um unseren Patient kümmert. Hoffentlich macht unser Schätzchen kein Wasser. Das wäre fatal. Die Löcher müssen erst mal zu. Dann sehen wir weiter. Die Schomacker Hamburger Yachtversicherung hab ich informiert. Hörte sich am Telefon recht unkompliziert an. Mal schauen wie die Realität aussieht. Gehört hab ich nur Gutes von denen.

Morgen soll´s nochmal stürmisch werden, aber nicht so wie gestern Nacht. Bin gespannt.

Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


06.10.2018, 15:31

Elba die letzten Tage...

Das Segeljahr geht dem Ende entgegen. Auch wenn immer alle denken, ich würde hier Urlaub machen. Das ist nicht so. Für mich war es ein anstrengendes Jahr. Auch wenn fast alles so geklappt hat, wie ich mir das vorgestellt habe.

Seit März bin ich nun mit wenigen Ausnahmen auf der BEFANA. Und ich muss sagen, ich hab wieder mal viel dazu gelernt. Schiffstechnik sowieso. BEFANA hat ein eigenes Leben sozusagen. Ich hab Kabel gesucht. Vom Vorschiff bis hinter die Achterkabinen. Schalter eingebaut, repariert, Schrauben festgezogen, bewegliche Teile abgeschmiert, Edelmetalle poliert, GFK gespachtelt. Meerwasser ist schon ziemlich aggressiv muss ich sagen.

Nicht zu vergessen das Antifouling das wir noch in Holland mühsam abgekratzt und abgeschliffen haben. Schinderei bei 13 Grad im März. Und dann das neue „umweltverträgliche, hollandtaugliche“ Antifouling. 140 Euro der kleine Eimer.
Nicht mal ein halbes Jahr gesegelt und der Kutter sieht untern rum aus wie ne Muschelzucht.

Das Bugstrahlruder macht schlapp, besser gesagt die Akkus. Heult nur noch mühsam vor sich hin und hat keine Power mehr. Da muss ich nächstes Jahr mal dran.

Und nen Kratzer hab ich reingefahren. Ich selbst. Blödmann, kannst Du nicht aufpassen. Aber auch der Lack muss nächstes Jahr ausgebessert werden. Da haben wir ja was zu tun. Gott sei Dank wird es uns nicht langweilig. Ich denke Ende März nehm ich mir die Hexe mal vor.

Aber na ja. Alles hat ja soweit ganz gut geklappt. Termine eingehalten. Immer zur rechten Zeit am rechten Ort, auch wenn wir die eine oder andere Etappe nur mit Maschine gefahren sind. Irgendwo hab ich mal gelesen: Wenn man öfter segeln geht im Jahr, gibt’s auch manchmal den passenden Wind. Stimmt.

Seit ein paar Wochen bin ich nun auf Elba. Schon interessant, wen man im Laufe er Jahre so alles kennen lernt. Und die Leute hier kennen mich auch. Na also. Jetzt kennen sie auch die B EFANA. Ein rotes Schiff fällt eben auf. Der Schiffsname, der Heimathafen und die Flagge waren im Stadthafen von Portoferraio DER Hingucker. Obwohl hier viele deutsche Schiffe liegen.

Aber immer mehr deutsche flaggen wohl Ihre Schiffe um. Jochen mit der SUNDOWNER hat mittlerweile ne holländische Flagge und ist auch dort registriert. Was das wohl für einen Grund hat? Ich kann verstehen, dass da die eine oder andere deutsche Behörde ihre Finger im Spiel hat.

Es ist irgendwie schön, hier auf Elba zu sein. Das Essen, die Leute, die Landschaft… aber jetzt freue ich mich auf den Herbst und den Winter in Iwwero. Wird mal wieder Zeit für richtig gutes Bauernbrot, Lewwerworscht, Brotworscht, Sauerkraut, Knödel, Enten und Gänse,…. Mann hab ich ein Hunger.

Aber jetzt noch 2einhalb Wochen ausspannen. Keine Halsen, keine Q-Wenden, keine MOB-Manöver, keine An- und Ableger, keine Kreise, nur raus aus der Bucht von Portoferraio und die BEFANA laufen lassen. Heute kommen Marius und Michael an Bord und nächste Woche meine Süße. Da freu ich mich drauf.

Mal mit dem Auto über die Insel, Weinfest in Capoliveri, Marciana Marina und Porto Azzurro, oder mal wieder auf den Monte Capanne.

Jedenfalls bin ich froh, dass ich jetzt erst mal keine Termine mehr habe. Außer die neuen Theorieeinheiten der neuen SKS Bewerber bei mir zu Hause. Die restlichen von diesem Jahr haben es fast alle geschafft. Aber nur fast.
Es reicht schon eine veränderte Windstärke oder Windrichtung und schon kann was schief gehen. Das tut mir echt Leid. Manchmal ist aber auch ein Prüfer nicht geneigt mal ein Auge zuzudrücken. Auf jeden Fall sind dieses Mal 80 Prozent durchgekommen und das freut mich natürlich. Den anderen kann ich nur sagen: „Kopf hoch, Ihr schafft das auch noch.“

So weit so gut. Jetzt kann ich mich die nächsten Tage erst mal mit anderen Projekten beschäftigen. Kleine Reparaturen liegen noch an. Die Gartenplanung für nächstes Jahr, Bücher schreiben, Freunde treffen und hin und wieder meinen Blog schreiben. Wenn mal ne Zeitlang nix neues drin steht, hab ich nix zu erzählen. Aber ich halt Euch natürlich auf dem Laufenden.

Auch die Törns 2019 versprechen spannend zu werden. Bleibt also dran.


Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


15.09.2018, 12:57

Wieder auf der Insel

Jetzt bin ich zurück auf der BEFANA. Alles im Lot. Das Schiff schwimmt noch, innen und außen alles okay. Keiner hat uns ne Schramme reingefahren. Nur die Kartoffeln vom letzten Törn hatte ich an Bord vergessen. Hab gar nicht gewusst wie sowas riechen kann, wenn es vergammelt ist. Gott sei Dank waren in die in einer Plastikschüssel. Die konnte ich auswaschen und desinfizieren.
Ich muss beim nächsten Mal besser nachschauen, dass ich keine Lebensmittel vergesse.

Tja sonst ist alles okay. Ich bin auf meiner Insel angekommen. Alle bekannten Gesichter sind noch da. Es hat sich eigentlich nicht viel verändert. Das eine oder andere Restaurant hat wohl den Besitzer gewechselt. Schaut man abends an der Promenade entlang ist der eine Laden brechend voll, in dem anderen wiederum ist nix los. Ob das womöglich an den Preisen oder der Qualität liegt kann man schlecht ausmachen. Gehen wir halt dahin, wo was los ist.

Gestern Abend hatte ich nen Termin mit einem Herrn, der sich im Winter und im kommenden Jahr etwas um die BEFANA kümmern soll. Netter Kontakt. Da hab ich auch wieder ein paar Neuigkeiten erfahren. Eine der großen Segelschulen hat wohl ihre Zelte hier auf Elba abgebrochen. Das wäre jetzt so ne Chance sich her niederzulassen, aber die Reise der BEFANA geht nächstes Jahr weiter Richtung Griechenland. Das ist beschlossene Sache. Aber man kann ja mal drüber nachdenken, was übernächstes Jahr so ist.

Außerdem ist das Leben hier auf der Insel schon recht teuer. Auch die Liegegebühren fressen einen auf. Das ist nix für uns. Was ich von meinem Freund Micha gehört habe, zahlt der in Griechenland gerade mal 15-20 Prozent von dem, was hier so aufgerufen wird. Na das können wir uns sparen. Und Griechenland ist schließlich auch reizvoll. Herrliche Buchten und Häfen, schöne Ankerplätze und gutes Essen. Was ich von den letzten Griechentörns nur bestätigen kann.

Heute war hier bisschen Action angesagt. Der Nachbar vom Motorboot, springt von seiner Yacht auf die Kaimauer und tritt auf die große Kette, die dort zum Festmachen liegt. Knickt um und liegt wie ein Maikäfer auf dem Rücken auf der Pier. Autscht und wird sofort ziemlich blass. Schnell sind ein paar Leute da, um ihm zu helfen. Was ich verstehe ist, dass es wohl „knacks“ gemacht hat. Einer holt Eis in der Bar, ich bring ihm ein Kissen und ein anderer hält ihn in Schockstellung. Dann isser weg… ohnmächtig. Ein Bekannter tätschelt ihm die Wangen und ruft seinen Namen, aber er reagiert nicht. 5 Minuten später ist die Polizei da und der Notarztwagen mit zwei Sanitätern und nem Notarzt. Jetzt ist der Patient wieder bei sich. Bekommt den Fuß abgetastet, den Blutdruck gemessen und wird wohl gefragt wo es denn weh tut. Nix tut ihm mehr weh und er steht wieder auf den Beinen. Das erinnert mich doch sehr an Fußball hier. Na ja. Die nehmen ihn jetzt wohl doch mal mit in die Klinik, um den Fuß zu röntgen. Man weiß ja nie. Vielleicht ist doch was kaputt gegangen.

So heute Nachmittag kommt ne neue Crew. Gestern schweißtreibend das Schiff geputzt. Kompletto sauber ist der Kutter jetzt. Paar Kleinigkeiten repariert und ne neue Trans-Ocean Fahne muss ich noch aufhissen. Dann nochmal nach der Schalteinheit des Getriebes schauen und dann geh ich ein Bierchen trinken. Hab´s ja nicht weit. Nur über die Straße.

Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren

Seite 1 von 14